Interview mit der BpjM
17.09.2005, 14:01 Uhr
Einer unserer freien Mitarbeiter, hatte sich dankenswerter Weise die Zeit genommen, per eBrief ein kurzes Interview mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zu führen. Im Folgenden ist dieser Schriftwechsel im Original, also auch inklusive der evtl. vorhandenen Rechtschreibfehler, aufgeführt. Es sind einige interessante Ansichten dabei, die es lohnt zu lesen. Also dann:
Brennpunkt: Gleicht die Arbeit der BpjM nicht dem Kampf gegen Windmühlen, wenn man sieht wie viele Medien aus allen Bereichen veröffentlicht werden, die gegen den Jugendschutz oder das StGb verstoßen?
Wolfram Hilpert: Ich hallte den Vergleich mit einem Kampf mit Windmühlen nicht für passend. Es ist zwar richtig, daß es nie eine Gesellschaft geben wird, in der jugendgefährdende Medien trotz aller Bemühungen im Jugendschutz nicht auch irgendwie an Jugendliche gelangen können. Aber es entspricht den Erfahrungen der BPjM, daß nicht nur die Verbreitungsbeschränkungen, die eine Indizierung zur Folge haben, wirken. Vielmehr wirkt auch die Tatsache, daß eine Indizierung bei einer bestimmten inhaltlichen Gestaltung eines Mediums ausgesprochen werden könnte, prophylaktisch.
Brennpunkt: Würden Ihrer Meinung nach Verschärfungen der Gesetze zu einer Verringerung der gesetzeswidrigen Verbreitungen beitragen oder würde man damit nur das Ganze aus der Öffentlichkeit verdrängen?
Wolfram Hilpert: Zu restriktive Jugendschutzgesetze schränken die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger zu sehr ein und hätten ggf. den von Ihnen angedeuteten Verdrängungseffekt in die Illegalität. Zu wenig Beachtung des Jugendmedienschutzes in der Gesetzgebung ist für unsere Kinder und Jugendliche von Nachteil und somit nicht zu verantworten. Wo in dieser Spanne das richtige Maß liegt, ist letztendlich eine politische Entscheidung. Der Gesetzgeber hat eine solche Entscheidung getroffen. Aber wie bei jeder Entscheidung ist natürlich eine Diskussion möglich, ob weitere gesetzliche Verbesserungen sinnvoll sind. Eine solche Überprüfung des Jugendschutzgesetzes ist auch vorgesehen.
Brennpunkt: Sind die Strafen für die Hersteller bzw. Urheber nicht hart genug? (Abschreckungseffekt)
Wolfram Hilpert: Wie hart Strafen für Vergehen sein sollen ist in der Gesellschaft allgemein umstritten. Ich sehe keine spezifische Problematik in dem in Frage stehenden Bereich.
Brennpunkt: Welches Medium halten Sie für am gefährlichsten (Internet, Musik, Bücher, Videos, Spiele)?
Wolfram Hilpert: Ich denke wir sind uns einig: Grundsätzlich sind nicht Medien gefährlich, sondern die Botschaften und Inhalte, die darin verbreitet werden. Die meisten Indizierungsanträge, die gestellt werden, betreffen (Musik-)CDs und Internet-Seiten. Dies hat zum einen damit zu tun, daß es für diese Medien keine Alterskennzeichnung gibt, zum andern aber sind CDs und Internetseiten leichter herzustellen bzw. zu verbreiten als Videos und Computerspiele.
Brennpunkt: Während es bei Filmen und Spielen überwiegend um Gewalt geht, ist im Genre der Musik vor allem die Gefahr von Rassismus, Drogenverherrlichung und die Gewalt gegen den Staat zu erkennen. Kann man Musik denn effektiv bekämpfen, oder tauchen heute verbotene Gruppen morgen wieder unter neuem Namen auf?
Wolfram Hilpert: Sofern es sich bei Gruppen nicht um (z.B. rechte) kriminelle Vereinigungen handelt, werden (bei Strafrechtsverstößen) Tonträger beschlagnahmt oder (sofern keine Straftat, wohl aber Jugendgefährdung vorliegt und ein Antrag gestellt wird) Tonträger indiziert. In diesen Fällen werden also die Bands nicht verboten.
Eine Indizierung oder Beschlagnahme beschränkt die Verbreitung von Tonträgern. Die Verbreitung der jugendgefährdenden Inhalte wird zwar dadurch nicht ausgeschlossen (zumal eine Indizierung erst nach Veröffentlichung möglich ist), sie ist aber – in Abstufungen - nicht wirkungslos.
Brennpunkt: Gerade die Ausländerfeindlichkeit wird über Musik verbreitet. Ist dies immer noch der Schwerpunkt in der Arbeit der BpjM oder gesellen sich mittlerweile auch andere Genres hinzu (als Beispiel HipHop Gruppen die Drogen verherrlichen und Gewalt anpreisen)?
Wolfram Hilpert: Im Bereich Musik sind eindeutig CDs von Interpreten, die dem rechten Lager zuzuordnende sind, die am häufigsten indizierten Tonträger: Aktuell sind auch eine Reihe Gewalt verherrlichende und Frauen verachtende HipHop-Tonträger indiziert worden.
Brennpunkt: Sind Ihrer Meinung nach die Eltern zu wenig über die drohenden Gefahren informiert?
Wolfram Hilpert: Elternabende zeigen einen großen Informationsbedarf von Eltern. Die BPjM widmet sich dieser Aufgabe verstärkt.
Brennpunkt: In wie weit dürfen eigene Ideale oder Vorstellungen bei der Arbeit bei der BpjM einfließen?
Wolfram Hilpert: Über Indizierungen entscheiden nicht die Mitarbeiter der BPjM, sondern ehrenamtliche Gremien. Die Spruchpraxis der Gremien ist unser Maßstab. Trotzdem sind die Kreativität und damit auch die Vorstellungen der Mitarbeitenden für die Arbeit der BPjM wichtig. Dies gilt natürlich gerade auch für die medienpädagogische Arbeit der BPjM.
Brennpunkt: Wäre es denkbar, auch bei CDs beispielsweise Altersbeschränkungen einzuführen?
Wolfram Hilpert: Dies wäre eine politische Entscheidung, die im Prinzip möglich wäre. Ich sehe aber zurzeit keinerlei Bestrebungen, eine solche gesetzlich Regelung einzuführen.
Brennpunkt: Würden Sie die BpjM als effektives Mittel sehen, um gegen Produzenten und Musiker die Ausländerfeindlichkeit und/oder Drogenmißbrauch propagieren, vorzugehen?
Wolfram Hilpert: So wichtig auch die Arbeit der BPjM ist im Kampf gegen jugendgefährdende Einflüsse ausländerfeindlicher und rechtsextremer Gruppen, so klar ist auch: das gesellschaftliche Bemühen muß viel breiter ansetzen und letztendlich die Menschen, vor allem die Jugendlichen vor Ort direkt erreichen. Die Arbeit der BPjM ist gemessen an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe nur ein ganz kleiner Beitrag.
Da zurzeit nur sehr wenige Anträge eingehen, die eine Indizierung wegen Propagierung von Drogenmißbrauch anregen, gilt dies mindestens in gleichem Maße für das Thema Drogenmißbrauch.
Grüße und eine schöne Tage
Wolfram Hilpert
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM)

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