Nu aber weg mit der Karre
04.10.2006, 00:07 Uhr
Schusterarbeiten sind der Zahn der Zeit, das alleine zeigt uns die sogenannte Arbeitsmarktreform “Hartz IV”. Anstatt sich Fehler einzugestehen und die Reform im eigentlichen Sinne grundlegend zu überdenken, hält man lieber an diesem letzten Strohhalm fest und stopft die letzten Löcher mit dem billigsten Gips, den man im Baumarkt noch hinterhergeschmissen bekommt. Es ist zwar löblich, daß die Bundesregierung denjenigen auf den Zahn fühlen will, welche dieses Sozialsystem nur ausnutzen, gleichwohl ist die Arroganz jedoch so dermaßen penetrant, daß sich die Leute eigentlich schon selbst Leid tun sollten.
Wie nicht anders zu erwarten, tun sie dies aber nicht. Schubladendenken ist in diesen Tagen angesagt. Dabei geht es gar nicht mehr um die Person als Einzelne, sondern immer um die schlimmsten und dramatischsten Fälle. Sie meinen es gibt Beides nicht? Nun, das macht gar nichts, dann dichtet man sich das einfach hin. Denn des Arbeiters Feind soll der Arbeitslose sein, nicht die Regierung, die sich still und heimlich Millionen in Form von Renten und ähnlichem einheimst. Und auch nicht der Regierende, der das Geld, wofür Sie das erste halbe Jahr arbeiten gingen, zum Fenster hinaus wirft oder alternativ ins Ausland verkloppt. Nein, die Arbeitslosen sind Schuld, daß die Schulden seit Jahrzehnten kontinuierlich steigen.
Der neuste Clou aus dem Zirkuszelt ließ das Nachrichtenmagazin Focus in diesen Stunden durchsickern: Demnächst dürfen Hartz IV-Empfänger ihre Autos verkaufen, sofern diese einen gewissen Wert übersteigen oder aber die Bedarfsgemeinschaft im Besitz mehrer Autos ist. Fragwürdig bleibt dann natürlich, wie der Arbeitssuchende in diesem Fall zum Bewerbungsgespräch fahren soll? Achso, es gibt ja Busse und Bahn. Huch, die werden ja ebenso zurückgebaut. Ja, was machen wir denn da? Mit dem Fahrrad zur nächsten Stadt? Sehr gut, das erklären Sie mal jemandem der im hinterletzten Nest wohnt, der wird Sie für bekloppt erklären.
Glaubt man wirklich, daß jemand, der die “böse” Absicht hat sich ‘nen dicken Fünfer-BMW in die Einfahrt zu stellen, es trotz dessen oder gerade deswegen nicht schafft? Wohl kaum, gibt es doch auch hier immer wieder Strohmänner, die das Auto in jedem Fall auf ihren Namen anmelden würden. Somit wäre der “Jobcenter”, wie es so aus Anglizismen zersetzt heißt, aus dem Geschäft raus und ihm wären die Hände gebunden. Wen es letztendlich trifft brauch an dieser Stelle wohl gar nicht erst erwähnt zu werden.
Somit bleibt auch das nur ein letztes Ringen, ein Konstrukt in seiner Gesamtheit zu retten, auf welchen Kosten sei hierbei freigestellt. Denn das durch Hartz IV die Verwaltungskosten immens gestiegen sind, verschweigt man lieber. Leider - oder doch lieber Gott sei Dank - kann man das offensichtliche nicht mehr verschweigen, denn wenn “Job Center” wie Pilze aus dem Boden sprießen, wird auch der letzte merken, daß sogenannte Arbeitslosenstatistiken nur von der Urlaubsvertretung etwas schön gemalt wurden - andernfalls ließe sich eine derartige Entwicklung nicht erklären. Oder vielleicht doch? Wir sind gespannt…
Bildquelle: © Bundesagentur für Arbeit

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