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Sie töten unsere Zukunft !

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13.10.2006, 01:40 Uhr

Es ist nun die dritte Meldung (zumindest die dritte, über die sehr ausführlich überall berichtet wird) über ein totes Kind in dieser Woche. Bereits die Tatsache, dass es sich um Kinder handelt, schliesst schon weitestgehend aus, dass es sich hierbei um Unfälle oder geschweige denn “natürliche” Todesursachen handelt, denn ein am Kindstod gestorbener Säugling erscheint nun einmal nicht in den Massenmedien. Sehr wohl erscheinen aber Vorfälle wie in heute in Barmbek (toter Säugling lag in einem Gebüsch), das Baby in der Biomülltonne im bayr. Wald oder der zweijährige Sohn eines Junkies, der ihn im Kühlschrank aufgebahrt hatte, in vielen Schlagzeilen. Mir zieht sich alles zusammen, wenn ich wieder eine solche Nachricht lese oder höre. Es ist wie ein Schlag mit voller Wucht in die Magengrube. Noch schlimmer wird es, wenn Details beschrieben werden. Ganz gleich, welche Umstände da um die Eltern herrschen oder geherrscht haben, sind das Taten, die mich doch ins Grübeln bringen.

Ich frage mich, ob das denn alles schon seit Jahren so ist und nur im Laufe der Zeit durch die sehr stark veränderte Medienlandschaft, viel mehr Informationen ans Tageslicht kommen, oder das Interesse an solchen Fällen so sehr gestiegen ist, dass nun einfach mehr darüber berichtet wird. Wundern würde es mich an dem perversionsorientierten Verhalten hinsichtlich schrecklicher Nachrichten in unserer Gesellschaft zwar nicht, aber dennoch rührt sich da etwas in mir, das das so nicht glauben will.

Ja, das Leben ist nicht mehr so leicht zu meistern wie noch in den 80ern oder auch noch bis in die späten 90er. Es hat sich viel verändert. Der Euro, der gegen unsere erfolgreiche und in der Welt auch gute bestehende D-Mark getauscht wurde, die immer weiter forcierte Öffnung aller Grenzen in Europa und die nur unheilbringende und existenzbedrohende Globalisierung haben neben Preisverfall, Arbeitslosigkeit und Angst um den Arbeitsplatz natürlich auch gesellschaftliche und vor allem soziale Probleme an die Oberfläche getragen. Was früher noch eine soziale Mittelschicht war ist jetzt eine riesengroße Gruppe, die sich auf die Fahnen schreiben müssen und mussten, jeden Monat, ja manche auch jeden Tag finanziell zu überstehen und die Familie auch zu ernähren. Väter und Mütter erhielten in den vergangenen 10 Jahren immer mehr den Daumen der endgültigen Verantwortung für “Sein und Nichtsein” der eigenen Familie aufs Auge gedrückt. Viele wurden damit überfordert. Mir ist noch eine Schlagzeile in Erinnerung, als ein verzwefelter Vater morgens noch seine Kinder zurecht machte, sie gemeinsam frühstückten und dann im Familienvan wie immer losgefahren sind. Ziel war jedoch dieses Mal eine Brücke. Der Vater warf das erste Kind hinunter und sprang mit dem zweiten Kind im Arm hinterher. Ende. Eine Familie mehr ausgelöscht. Verzweifelt, hilflos.

Doch rechtfertigt dies alles den Mord an den Kindern ? Den Mord an dem eigenen Fleisch und Blut ? Noch dazu wenn es um Säuglinge geht. Ganz egal ob die Kinder, die getötet wurden nun gewollt waren oder nicht, es ist Leben und es sind Geschöpfe, die für all das Elend oder Leid das deren Erzeuger evtl. sogar erdulden mussten, nichts, aber auch gar nichts können.

Kinder als “Ding” zu behandeln macht mir Angst. Eine Entwicklung die mich mit sehr großer Sorge erfüllt. Alleine der Gedanke einem Kind weh zu tun quält mich. Da frage ich mich einfach, was muss in einem Menschen vorgehen, wenn dieser das Kind einfach in den Abfall wirft oder in einer Mülltonne entsorgt. Entschuldigen kann ich sowas nicht, niemals, auch Verständnis hierfür aufzubringen ist mir da nicht möglich. Dennoch brennt die Frage immer und immer wieder im Inneren: “Was geht hier vor sich ?”

Wir, die sehen was in unserer Gesellschaft und in unserem Land alles daneben läuft, gerade wir haben die Pflicht unsere Kinder mit diesem Wissen und den Fähigkeiten und Möglichkeiten zu erziehen, damit dieser ewige Weg nach unten, eines Tages gewendet werden kann.

Manchmal wäre ein “Eltern-Führerschein” schon fast wünschenswert, so makaber das auch klingen mag, aber das, was in mitten unserer Gesellschaft geschieht macht einem Angst, Angst vor dem was dies noch alles mit sich bringen kann und vielleicht auch wird, wenn wir nicht immer und immer wieder auf uns selbst schauen, auf uns achten, um sicher zu gehen, nicht in diesen Sog zu geraten.

Denn eines muss bedacht werden; es gibt und gab auch Menschen die vielleicht auch wie ich oder viele andere denken, dachten oder fühlten, aber durch irgendwelche Umstände total aus der Bahn geflogen sind und eines Tages erst wieder die Welt mit eigenen Augen sehen, wenn sie als Täter wieder aus dem Trauma erwacht sind.

Tötet nicht unsere Kinder, tötet nicht unsere Zukunft !

(Markus)

Ein Kommentar

  • Benutzerbild 1 Heidi 04.03.2009, 22:20 Uhr
  • Hallo Markus,dieser Artikel hat mich sehr berührt.Besonder die Stelle mit dem “Elternführerschein”.Ich habe diesen Gedanken schon vor 21 Jahren entwickelt.Wir waren DDR-Bürger und hatten zwei Kinder.Das Zweitgeborene ist behindert.Bis zur Einschulung hatten wir keine Probleme.Er besuchte die normalen Kindereinrichtungen,was sich positiv auf seine Entwicklung auswirkte.Für die Beschulung empfiel man uns eine Hilfsschule.Das war 1988.Wir schulten unser Kind in eine Schule in Hellersdorf ein und mußten Schlimmes erleben.Es war keine Schule,sondern der Mülleimer der Sozialpolitik.80 % der Kinder in dieser Schule waren nicht etwa krank und somit behindert,sondern sozial vom Weg abgekommen.Die Eltern Säufer,sozial schwach-nicht in der Lage ihr Kind zu erziehen.Die Normalschulen(in denen die meißten dieser Kinder erst waren) kamen mit den schwererziehbaren Kindern und deren Eltern nicht klar und schoben die Kinder nun in die Hilfsschulen ab.Unser Kind hatte kaum eine Chance seine Fähigkeiten zu entwickeln,geschweige denn ,eine notwendige Förderung zu erhalten.Wir machten Eingaben,arbeiteten aktiv im Elternbeirat mit,gingen bis ins Ministerium für Volksbildung……es ändertete sich nichts !!! Dann kam die Wende und wir hatten die große Hoffnung, es würde ja nun alles besser werden(so wie es ja versprochen wurde )….nur die Schulbezeichnung wurde geändert-es hieß nun “Lernbehindertenschule”alles andere wurde nur noch schlimmer.Die Lehrer waren total überlastet,die Ausländerkinder kamen noch hinzu und die Situation spitzte sich zu.Wir hätten unserem Kind ein Auge ausstechen müssen-dann hätte er das Recht gehabt in eine Sehbehindertenschule zu kommen und bessere Voraussetzungen und Möglichkeiten gehabt.In dieser schweren Zeit habe ich immer wieder diesen Wunsch nach einem ” ELTERNFÜHRERSCHEIN” gehabt.Bis heute hat sich daran nichts geändert !! Hätten wir den vor 20 Jahren eingeführt-würde es heute nicht so viel Elend und Unrecht geben.Für alles braucht man eine Qualifikation,aber für das Wichtigste in unserem Leben,nämlich unsere Kinder,nicht.Es ist beschämend und ich darf garnicht über die Zukunft meiner Enkel nachdenken…..was für eine Welt müssen diese Kinder ertragen ??

    Heidi

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