Sie töten unsere Zukunft !
Es ist nun die dritte Meldung (zumindest die dritte, über die sehr ausführlich überall berichtet wird) über ein totes Kind in dieser Woche. Bereits die Tatsache, dass es sich um Kinder handelt, schliesst schon weitestgehend aus, dass es sich hierbei um Unfälle oder geschweige denn “natürliche” Todesursachen handelt, denn ein am Kindstod gestorbener Säugling erscheint nun einmal nicht in den Massenmedien. Sehr wohl erscheinen aber Vorfälle wie in heute in Barmbek (toter Säugling lag in einem Gebüsch), das Baby in der Biomülltonne im bayr. Wald oder der zweijährige Sohn eines Junkies, der ihn im Kühlschrank aufgebahrt hatte, in vielen Schlagzeilen. Mir zieht sich alles zusammen, wenn ich wieder eine solche Nachricht lese oder höre. Es ist wie ein Schlag mit voller Wucht in die Magengrube. Noch schlimmer wird es, wenn Details beschrieben werden. Ganz gleich, welche Umstände da um die Eltern herrschen oder geherrscht haben, sind das Taten, die mich doch ins Grübeln bringen.
Ich frage mich, ob das denn alles schon seit Jahren so ist und nur im Laufe der Zeit durch die sehr stark veränderte Medienlandschaft, viel mehr Informationen ans Tageslicht kommen, oder das Interesse an solchen Fällen so sehr gestiegen ist, dass nun einfach mehr darüber berichtet wird. Wundern würde es mich an dem perversionsorientierten Verhalten hinsichtlich schrecklicher Nachrichten in unserer Gesellschaft zwar nicht, aber dennoch rührt sich da etwas in mir, das das so nicht glauben will.
Ja, das Leben ist nicht mehr so leicht zu meistern wie noch in den 80ern oder auch noch bis in die späten 90er. Es hat sich viel verändert. Der Euro, der gegen unsere erfolgreiche und in der Welt auch gute bestehende D-Mark getauscht wurde, die immer weiter forcierte Öffnung aller Grenzen in Europa und die nur unheilbringende und existenzbedrohende Globalisierung haben neben Preisverfall, Arbeitslosigkeit und Angst um den Arbeitsplatz natürlich auch gesellschaftliche und vor allem soziale Probleme an die Oberfläche getragen. Was früher noch eine soziale Mittelschicht war ist jetzt eine riesengroße Gruppe, die sich auf die Fahnen schreiben müssen und mussten, jeden Monat, ja manche auch jeden Tag finanziell zu überstehen und die Familie auch zu ernähren. Väter und Mütter erhielten in den vergangenen 10 Jahren immer mehr den Daumen der endgültigen Verantwortung für “Sein und Nichtsein” der eigenen Familie aufs Auge gedrückt. Viele wurden damit überfordert. Mir ist noch eine Schlagzeile in Erinnerung, als ein verzwefelter Vater morgens noch seine Kinder zurecht machte, sie gemeinsam frühstückten und dann im Familienvan wie immer losgefahren sind. Ziel war jedoch dieses Mal eine Brücke. Der Vater warf das erste Kind hinunter und sprang mit dem zweiten Kind im Arm hinterher. Ende. Eine Familie mehr ausgelöscht. Verzweifelt, hilflos.
Doch rechtfertigt dies alles den Mord an den Kindern ? Den Mord an dem eigenen Fleisch und Blut ? Noch dazu wenn es um Säuglinge geht. Ganz egal ob die Kinder, die getötet wurden nun gewollt waren oder nicht, es ist Leben und es sind Geschöpfe, die für all das Elend oder Leid das deren Erzeuger evtl. sogar erdulden mussten, nichts, aber auch gar nichts können.
Kinder als “Ding” zu behandeln macht mir Angst. Eine Entwicklung die mich mit sehr großer Sorge erfüllt. Alleine der Gedanke einem Kind weh zu tun quält mich. Da frage ich mich einfach, was muss in einem Menschen vorgehen, wenn dieser das Kind einfach in den Abfall wirft oder in einer Mülltonne entsorgt. Entschuldigen kann ich sowas nicht, niemals, auch Verständnis hierfür aufzubringen ist mir da nicht möglich. Dennoch brennt die Frage immer und immer wieder im Inneren: “Was geht hier vor sich ?”
Wir, die sehen was in unserer Gesellschaft und in unserem Land alles daneben läuft, gerade wir haben die Pflicht unsere Kinder mit diesem Wissen und den Fähigkeiten und Möglichkeiten zu erziehen, damit dieser ewige Weg nach unten, eines Tages gewendet werden kann.
Manchmal wäre ein “Eltern-Führerschein” schon fast wünschenswert, so makaber das auch klingen mag, aber das, was in mitten unserer Gesellschaft geschieht macht einem Angst, Angst vor dem was dies noch alles mit sich bringen kann und vielleicht auch wird, wenn wir nicht immer und immer wieder auf uns selbst schauen, auf uns achten, um sicher zu gehen, nicht in diesen Sog zu geraten.
Denn eines muss bedacht werden; es gibt und gab auch Menschen die vielleicht auch wie ich oder viele andere denken, dachten oder fühlten, aber durch irgendwelche Umstände total aus der Bahn geflogen sind und eines Tages erst wieder die Welt mit eigenen Augen sehen, wenn sie als Täter wieder aus dem Trauma erwacht sind.
Tötet nicht unsere Kinder, tötet nicht unsere Zukunft !

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