Gerhard Schröders Memoarien
Lange Zeit war es ruhig um den einstigen Bundeskanzler der BRD. Für sein Selbstwertgefühl war die Zeit wohl schon wieder viel zu lang und so beschert er dem Konsum-Menschen ein Buch über seine Erlebnisse während seiner Amtszeit in Form einer Autobiographie. Eigentlich ist es sehr fragwürdig, warum uns gerade in diesen Tagen so viele Menschen mit ihren Autobiographien und Memoarien in Schriftform belästigen. Betrachtet man jedoch die Verkaufszahlen jener Bücher, wundert man sich eigentlich nicht mehr so sehr. Gibt es doch tatsächlich Menschen, die sich solche Schinken kaufen und es scheinen noch nicht mal wenige zu sein. Ob das wohl an der verzweifelten Suche nach Werten liegt? Man weiß es nicht, zumal es zweifelhaft ist, ob man sie in jenen Büchern finden wird.
Herr Schröder zeigt uns auf jeden Fall erstmal, wo der Hammer hängt und rechnet mit dem gesamten Zirkus ab und eröffnet erneut die Arena für eine öffentliche Schlammschlacht. Ob linke Gewerkschaften oder einstige Polit-Kollegen, jeder muß dran glauben, Hauptsache ist doch, daß indes die Schuld von Schröders Schultern genommen wird. Anstatt sich jedoch auf der Überholspur zu bewegen, fährt man lieber die Mitleidsschiene und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Zitat:
Ich habe alles selber gemacht, mir hat keiner was geschenkt.
Dafür kann ja eigentlich keiner was, aber dennoch muß es halb Deutschland wissen. Vielleicht ist genau das der zweifelhafte Versuch etwas gerade zu rücken, was unlängst den letzten Zweifler von seiner Falschheit überzeugt haben müßte. Betrachtet man nämlich sein Verhalten nach dem Amtsaustritt, so erscheint vieles Begangene in einem ganz anderen Licht und insbesondere die Abkommen mit Rußland zum Schaden von Polen, woraus heute noch außerpolitische Spannungen resultieren, zeugen mehr von Populismus und Selbstbeweihräucherung, als von Volksnähe. Eigentlich sollte es doch einem Bundeskanzler zu jeder Zeit gelegen sein, schadhafte Einflüsse vom Volk abzuwenden. Tut man auch gerne, nicht jedoch wenn es um die eigene Zukunft geht. Wo Herr Schröder in diesen Tagen arbeitet, dürfte ja bekannt sein. Genau darum finde ich folgendes Zitat von Hans-Peter Schwarz (Historiker) an dieser Stelle sehr passend, insbesondere in Hinblick auf den veröffentlichten Schinken:
Ein politisches Testament hat Schröder nicht hinterlassen. Was hätte auch drinstehen sollen? Kein Kanzler vor ihm hat so planlos reagiert wie er. Aber er war ein bewundernswerter Selbstdarsteller und Überlebenskünstler.
Recht so, somit wäre der Beweggrund für die Veröffentlichung dieses Buches auch auf den Punkt gebracht. Ein PR-Gag, nicht mehr, nicht weniger. Etwas anderes hätte auch nicht erwartet werden dürfen.
Foto: © Hoffmann und Campe

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