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Getrübte Blicke, statt geschärfter Sinne!

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23.11.2006, 20:31 Uhr

Was haben wir die Debatte um ein Verbot von “Killerspielen” nicht alle vermißt. Genau in jenem Moment, als diverse Medienhäuser die Debatte über ein erneutes Verbot auslösten, meldete sich unter anderen einer der Politiker zu Wort, die in jenen Tagen so oder so um jeden Wähler kämpfen müssen. Richtig, die Rede ist von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, welcher sich klar für ein Verbot jener Spiele in Deutschland aussprach – zumindest vordergründig in “seinem” Land, Bayern.

O-Ton Edmund Stoiber:

Killerspiele gehören in Deutschland verboten. Sie animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten.

Nun darf man sich fragen, wie Herr Stoiber und viele weitere Rampenlichtpolitiker denn überhaupt zu dieser Einschätzung kamen. Im aktuellen Fall um den Amok-Lauf in Emsdetten hat sich nämlich so einiges gedreht und die Sachlage sieht am heutigen Donnerstag ganz, ganz anders aus, als noch am vergangenen Montag. Schließlich können viel mehr Gründe für die Verrohung des Amok-Läufers angeführt werden, als noch vor wenigen Tagen. Computerspiele mögen hierbei dazugehören, können jedoch nicht der ausschlaggebende Punkt sein, wenn zu seinen Lieblingsfilmen auf YouTube eine Nachverfilmung des Columbia-High-School Massakers gehört, währenddessen er wenige Tage vor dem Amoklauf in einem Suizid-Forum über sein Vorhaben sowie über seine beabsichtigte Selbsttötung schreibt. Neben seinem Fanatismus für Waffen und das freizeitmäßige Rumgeballer in Waldstücken, gibt es wohl noch zahlreiche andere Punkte, die ausschlaggebend für seine Reaktion waren. Strebt der Herr Stoiber sowie andere “namhafte” Politiker jetzt für all das etwa ein Verbot an? :lol:

Wie auch immer, in diesen Tagen mußte sich so ziemlich jeder in der Verantwortung für den Fall in Emsdetten sehen – ausgeschlossen Politiker – logisch. Neben der USK, auch die Spiele-Hersteller sowie Eltern und Lehrer der betreffenden Schule. Somit kann sich der deutsche Bundesbürger zumindest auf überzogenen Aktionismus und penetranten Populismus freuen. Leider immer nur dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist – sowas nennt man dann heute Reformierung, und vor allem Ablenkung vom Wesentlichen, nämlich das Werte und Ideale nicht durch Computerspiele zerstört werden, sondern nur durch falsche Politik. Infolge dessen müßte über ein Verbot von Computerspielen eigentlich überhaupt nicht debattiert werden. Wie geschrieben: Eigentlich!

Ganz vergessen, hätten wir beinahe die Medien, welche sich in aller Form empört über die Spieleentwickler zeigen und zeigten, nur um maßgeblich von ihren eigenen Versäumnissen abzulenken. Bereits nachmittags werden im TV-Programm eines jeden Senders Menschen erschossen, was sich dann um die Abendstunden in sinnloses Gemetzel mit viel Blut steigert, sodaß es am Wochenende zur “Primetime” noch mal richtig zur Sache gehen kann. Spätestens dann darf man das Gemetzel infantiler Idioten begaffen. Von “Bodycounts” wollen wir dabei mal lieber nicht sprechen, so viele Menschen könnte man wohlmöglich noch nicht mal in Computerspielen abballern. Aber da liegt die Sache wie geschrieben, sowieso anders. Fragt sich nur wie?

(Steven)

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