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Der Rüsseladvokat, Teil 1

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16.12.2006, 04:26 Uhr

Rindviechter haben Freizeit, viel Freizeit – das ist nicht neu. Neu ist allerdings, daß dies sogar den Star der Manege, Benjamin Bienchen, trifft. Als Reaktion auf die Lage war der Entschluß gefaßt: Es muß sich etwas ändern! Schnell fand Benjamin eine neue Lebensaufgabe und so zog er hinaus ins weltweite Datennetz auf der Suche nach dem GAU (Größten Anzunehmenden Unheil) dieser Welt. Von Gott persönlich geschissen und ausgestattet mit einem überdimensionalen Rüssel riecht Benjamin jeden GAU byteweit gegen den Datenstrom. Nun endlich sollen seine Artgenossen erfahren, daß Trampeltiere doch noch zu etwas nütze sind.

Schnell waren die ersten Opfer für seine neue Lebensaufgabe gefunden. Und damit auch alle Bewohner des Zoos – obschon sie es überhaupt wissen wollen – von seinem riesigen Rüssel erfahren, schreibt er in seinem kleinen Kabuff fleißig Anzeigen gegen Unbekannt, die seine neue Persönlichkeit präsentieren. Der Drucker rattert Tag und Nacht und die heile Welt scheint greifbar nahe.

Doch nicht ohne Konsequenzen verlief seine Hingabe in sein neues Lebensziel. In seinem Studium (hier sollte man Wissen, daß Benjamin Bienchen vor einiger Zeit unter die Volksweisen gegangen ist und es zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, Artgenossen mit seinen Binsenweisheiten zu belästigen) lassen die Leistungen jedoch leider, leider nach und so mancher Artgenosse fragt sich bereits warum – einige verfielen Gerüchten zufolge jedoch in helle Begeisterung. Die Tage zogen ins Land und Benjamin mußte einen mehrtägigen Ausflug zur Zooleitung machen. Bereits vorher berichtete die örtliche Zoo-Boulevard-Presse von neuen Auffälligkeiten, die selbst für Benjamin eher atypisch waren. Einige beobachteten sogar eine Veränderung der Außenhaut (“Gänsehaut”) beim einstigen Quasselkollegen, welche auf den Ausflug zurück geführt wurde.

Auch Benjamin bekam so langsam mit, daß hinter seinem Rücken über ihn geredet wird. Leider zu spät, denn das Abo für die Zoo-Zeitung hat er nie bestellt, da er seinerzeit das Geld lieber in Happa, Happa investierte. Doch die Sorgen und Meinungen seiner Rüsselfreunde ließen Benjamin völlig kalt. Unbeirrt und den Rüssel stets voran ging es auf in die nächste Schlacht. Viele Seelen sollten bekehrt werden! So auch die Seele zweier Polarwölfe aus dem Nachbarsgehege. Frevler! Frevler! – hallte es lautstark durch die Zooanlage. Endlich konnte Benjamin wieder zu seinem Sinn des Lebens zurückkehren, schließlich suchte er für sein Leben gerne die Unbekehrten – stets mit dem Glauben an eine perfekte Welt – maßgeblich geprägt von Dummschwätzern und Denunzianten. Jeder soll sich schließlich selbst der Nächste sein – vor allem beim Anzeigen schreiben.

Lange Zeit mußte Benjamin die Wölfe observieren und in der tiefsten Scheiße wühlen. Der Schweiß floß unaufhörlich und das Gewicht schwand förmlich dahin. Mit geknicktem Rüssel und Untergewicht besinnte er sich eines Tages wieder an die Worte des Oberquacksalbers: Sohn Du suchen mußt nur tief genug, Du auch finden wirst den Schatz, der Erleuchtung Dir bringt. Gedacht, getan. Den Schatz der Erleuchtung hat er zwar nicht gefunden, dafür aber eine Grußformel eines Besuchers des Wolfs-Geheges. Entrüstet rannte Benjamin wieder in sein Kabuff – die Erde bebte und der Drucker ratterte. Das Postfach der Zooleitung quirlte über und endlich war dem Recht genüge getan.

Vorsorglich ist Benjamin in ein neues Gehege gezogen. Stets in Bedacht darauf, daß die ehemaligen Nachbarn ja als kleine Schandtat in sein Wildgehege kacken könnten. Nun endlich kann er sich mit doppelter Moral auf einer Wolke sonnen. Doch Zukunft ist Vergangenheit, die durch eine andere Türe wieder hereinkommt…

Diese Zeilen wurden unter massiven Einfluß von Erdbeersaft (mind. 40% Fruchtanteil) verfaßt. Alle Personen und Ereignissen entstammen meiner kranken Phantasie. Weder die Ereignisse, noch die Personen existieren real. Sollten Sie sich hier wiederfinden, sollten Sie sich Sorgen machen. Für Zufälle kann aber keiner was…

(Steven)

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