Terror hat einen neuen Namen
Zumindest einen, den die US-Behörden ihm geben. Wer unwiderlegbare Beweise und schonungslose Aufklärung erwartet, wird zwar weiterhin maßlos enttäuscht, was bleibt ist jedoch die Gewißheit, daß die US-Regierung es versteht ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen. Zuweilen scheint das mit erpreßten Geständnissen auch hervorragend zu gelingen.
Schuldig im Sinne der Anklage, ist diese Woche der in Guantánamo Bay inhaftierte Khalid Scheich Mohammed, dessen Geständnis – datiert auf den 10. März 2007 – vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Dieser wurde unter vollzogener Folterung (wie in Guantánamo Bay nun mal nicht unüblich) und der Androhung dessen zu einer folgenreichen Aussage bewegt, so zumindest aus Sicht der US-Behörden.
Guantánamo Bay
- Eingerichtet 1903, mit einer Fläche von 114 km². Geriet maßgeblich nach den Anschlägen vom 11. September in den Fokus der Öffentlichkeit.
- Seit 2002 interniert die US-Regierung mutmaßliche Milizionäre und Terroristen aus vierzig Staaten auf bisweilen unbestimmte Zeit, und unter Aberkennung sämtlicher Rechte, die den Kriegsgefangenen laut Genfer Konventionen zustehen.
- Zuritt zu den Gefangenen hat als einzig nichtstaatliche Organisation das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), welches die Haftbedingungen bereits seit Juli 2004 scharf kritisiert.
Laut 26-seitiger wortwörtlicher Abschrift, welche beim US-Verteidigungsministerium bisweilen als PDF-Datei bereitgestellt wurde, zeichnet sich Mohammed verantwortlich für die Attentate vom 9. September 2001. Ebenso die Enthauptung des us-amerikanischen Journalisten Daniel Pearl soll er zumindest durch Beteiligung mit zu verantworten haben. Auch zum Anschlag auf die indonesische Ferieninsel Bali bekannte er sich. Summa summarum also 29 Anschläge.
Zu dem Anschlag vom 11. April 2002 auf der tunesischen Ferieninsel Djerba, bei dem insgesamt neunzehn Menschen, darunter vierzehn Deutsche starben, bekannte sich Khalid Scheich Mohammed indes jedoch nicht. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ein mit Gasflaschen beladener Lastkraftwagen vor der Synagoge “Al-Ghriba” zur verheerenden Explosion geführt. Al-Qaida selbst bekannt sich am 23. Juni 2002 in einer Tonbandansprache zu den Anschlägen. Die “New York Times” mutmaßte, daß ein Telefongespräch drei Stunden vor der Taten zwischen Khalid Scheich Mohammed und dem Attentäter Nizar Ben Mohammed Nawar stattgefunden hat.
Fragwürdig bleibt für die Aussage des US-Gefangenen Mohammed jedoch, warum auf unabhängige Zeugen bzw. Berichterstatter verzichtet wurde. Eine Aussage aus den Händen des vermeintlichen Siegers wirkt bisweilen immer wenig vertrauenserweckend, insbesondere in Hinblick auf die Vorgänge in Guantánamo Bay. Zumindest kann sich so mancher Kandidat in US-Regierungskreisen noch etwas feiern lassen, bevor sein Thron abgesägt wird.
“Absolutely, we’re winning” hieß es einst visionsvoll – nun, der Dampfer ist endgültig abgefahren!

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