In stiller Trauer um die, die nichts kapieren
19.03.2007, 16:14 Uhr
Öffentliche Irreführung und Bagatellisierung hält in den vergangenen Tagen immer öfter Einzug ins bundesdeutsche Geschehen. Insbesondere bei Kindestötungen läßt die Klassifizierung als “Verzweiflungstat” eher den Anschein der Verharmlosung, anstatt die tatsächliche Deklarierung der Tat aufkommen. So auch geschehen, bei der Tötung eines wenige Stunden alten Säuglings im Hamburger Stadtteil Osdorf.
Bei dieser “Verzweiflungstat” wurde das Kind unmittelbar nach seiner Geburt aus einer der Etagen des 20-stöckigen Hochhauses geschleudert. Gefunden wurde der leblose Körper des Mädchens am vergangenen Sonnabend von einem Spaziergänger. Bisweilen zeigte die Durchsuchung der anliegenden Wohnungen keinerlei Erfolg.
Auch die Spurensicherung sowie die Befragung der Anwohner konnten noch keinen Aufschluß über den Hergang der Tat geben. Dem nicht genug, schlägt die Sprecherin der Hamburger Polizei mit deplazierten Vermutungen um sich. So bat sie zuweilen die “Mutter” des getöteten Mädchens sich in Behandlung zu begeben, da sie vermutlich Betreuung benötigt. Zudem vermutet man eine Verzweiflungstat. Gleichfalls wolle man keinen Druck ausüben - wo kämen wir auch hin, wenn mutmaßliche Täter mit aller Härte des Systems verfolgt werden?
Seit eh und je ist die Kriminalisierung in der Bundesrepublik Tagesgeschehen, und insbesondere politische Aktivisten jedweder Couleur versucht man zu kriminalisieren und vor drittbestimmte Karren zu spannen. Auch bei “Raubkopien” und anderen - im Kontext gemessenen - Bagatellen wird nachhaltig betont, daß es sich hierbei keinesfalls um ein Kavaliersdelikt handelt. Bei Kindesmord hingegen läßt man den Anschein dessen wohl allzu gerne aufkommen. Es mag richtig sein, daß die näheren Umstände vielleicht für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind, dennoch ist eine Tat mit derartiger Abartigkeit nicht mit Verzweiflung vereinbar.
Es bleibt bisweilen fragwürdig, welches erklärte Ziel die Hamburger Polizei mit dieser Ansprache vertrat. Mittlerweile gibt es für werdende Mütter eine Vielzahl von Vereinen und Einrichtungen, die umfassende Möglichkeiten zur Unterstützung bieten. Die Betroffenen müssen natürlich die Möglichkeiten wahrnehmen. Tun sie dies nicht, kann freilich keiner behaupten, daß dies eine Verzweiflungstat sei oder aber ihnen sowieso keine Unterstützung zugesagt worden wäre. Jede Mutter, die ein Kind in sich trägt, hat einer der höchsten Verantwortungen im gesellschaftlichen Leben. Die Heuchelei über fehlendes Bewußtsein oder aber Unwissenheit ist somit völlig deplaziert und zeugt eher von einfältiger Leichtfertigkeit.

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