Der Frühling naht!
Und da ich auch zur Gattung der Menschen gehöre, die sich über jeden Sonnenstrahl freuen, bin ich am vergangenen Wochenende mit Sack und Pack in den nahegelegenen Tierpark gefahren. Wir schlenderten gerade in Ruhe und gemütlich an den Zwergkänguruhs vorbei als ich hinter mir recht laut ein Gebrabbel wahrnahm, das ganz offensichtlich zwei jungen russischen Mitbürgern mit deren weiblichen Anhang gehörte.
So etwas stört mich im Normalfall wirklich nicht sonderlich, kann ja jeder tun was er oder sie will, aber da es sich anhörte wie im Zirkus drehte ich mich dann halt doch einmal dezent um. Beide erfüllten schon fast beängstigend sämtliche Klischees: Weiße Baseballmütze mit dem Schild nach rechts gedreht auf dem Kopf, weißer Kapuzenpullover und dazu eine weiße Jogginghose mit weißen Turnschuhen. Die Wahl der Kleidung war wohl nicht ganz so gut getroffen, da die Sonne wirklich schon ordentlich auf den Planeten brannte. Wie gesagt, eigentlich nicht wirklich etwas Besonderes über das es sich lohnen würde zu schreiben. Tja, wäre da nicht das kleine „Aber“.
Beide Jungs schätze ich mal auf so achtzehn bis zwanzig Lenze. Die beiden weiblichen Geschöpfe, die jeweils eine Taubstummen-Hose trugen (zur Erklärung: bei uns umgangssprachlich eine Hose bei der man von den „Lippen“ ablesen kann) und beide deutlich sichtbar schwanger waren, schätze ich haben gerade so mit Ach und Krach die achtzehn Jahre erreicht. Da man als zukünftiger Papa ja mit gutem Beispiel vorangeht, hatten die zwei Herren je eine Bierflasche in der Hand, als sie im Tierpark mit ihren Zukünftigen an allerhand Familien und Kindern vorbeizogen.
Da das laute Gebrabbel und Bierflaschengestoße mit doch langsam aber sicher auf den Zeiger ging, machten wir langsamer, damit die vier an uns vorbeilaufen konnten. Scheiße war’s! Genau als ich am Zaun vor den Kamelen stand, gesellten sich die vier neben uns und einer der beiden Helden rülpste mir genüßlich laut und stinkend in mein linkes Ohr, gefolgt von lautem Johlen seines Anhanges. Ich fragte ihn, ob das denn sein müsse, worauf er sich offensichtlich in seinem Stolz gekränkt fühlte und ein weiteres Klischee vollends bediente, in dem er sagte: „Baß auuuuf, sooonst wirrrrst Duuu Futta“
Herrlich so ein Sonntag, nicht wahr? Ich schluckte, da die Kinder direkt daneben standen und wir gingen weiter. Eine Weile war danach Ruhe und ich wurde erst wieder aufmerksam, als ich die Bierflaschen hörte, die laut berstend gegen eine Mauer am Stall der Ponys flogen. Kurz darauf kamen die tollen Hechte bei uns am Affengehege an. Doch ab jetzt begann das Schicksal sich zu wenden und mein Zwerchfell sollte in wenigen Minuten eine Menge Arbeit bekommen.
Natürlich gehört es zum guten Ton die Schilder „Füttern verboten“ zu ignorieren. Also wurden fleißig Kaugummis zu den Affen gereicht. Um sie dann zu ärgern, nahm einer der beiden Jungs eine leere Zigarettenschachtel, streckte sich über den ersten halbhohen Zaun bis zum Gehege vor und schlug damit an die Gitterstäbe. Die Affen kamen und versuchten die Schachtel zu klauen, der Russe zog sie weg und so ging das einige Male, bis einer der Affen die Schachtel bekam. Nun hatte der gute Mann nichts mehr, mit dem er an das Gehege schlagen konnte und so nahm er sein Handy aus der Hosentasche und machte dasselbe Spiel damit. Ich hoffte ja inständig, daß der Affe das Telefon bekommt, aber der Russe ging schon bewußt nicht so nah ran. Doch kurze Zeit später schubste ihn sein Kollege und wollte ihm etwas zeigen, woraufhin der andere sich zu ihm umdrehte, dabei aber vergaß das Telefon vom Gehege wegzunehmen. Und das war der Moment wo all meine Wünsche in Erfüllung gingen: Der Affe reagierte, riß dem Kerl das Handy aus der Hand, schaute es sich fragend an und knallte es dann mit Inbrunst auf den asphaltierten Gehegeboden, wo es in tausend Teile zersprang. Als ich den Burschen weinen sah hätte ich fast Mitleid bekommen, aber die Schadenfreude war dann doch größer. Laut fluchend trabte er mit seinem Anhang an einer Meute lachender Eltern und deren Kinder vorbei in Richtung Ausgang und ich wußte erneut warum mir ausgerechnet kleine Äffchen so sympathisch sind….
Foto: © SXC

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