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Wunder gibt es immer wieder

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31.03.2007, 13:21 Uhr

Die wohl teuerste, legale Sekte der Neuzeit macht wieder einmal Schlagzeilen seit einigen Tagen. Genau, es geht um die katholische Kirche. Wie ja jeder weiß sind wir, also wir Deutschen, nach Aussage einer großen deutschen Boulevardzeitung seit geraumer Zeit „Papst“. Nun, ich selbst habe nicht wirklich was davon, ich kann weder Wasser zu Wein machen, noch schaffe ich es seitdem trockenen Fußes über irgendwelche Flüsse zu wandern. Dennoch, Papst Benedikt leitete schon kurz nach Amtsantritt das Verfahren der Seligsprechung für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. ein. Um dieses Prozedere überhaupt in die Wege zu leiten, bedarf es eines anerkannten „Wunders“ durch den Verstorbenen. Als mündiger Erdenbürger sollte man nun meinen, Wunder seien etwas aus Büchern, Märchen, der Bibel oder dem deutschen Bundestag. Weit gefehlt!

Der Vatikan gab nun bekannt, daß es in der Tat ein von Papst Johannes Paul II. vollbrachtes Wunder gäbe. Zugetragen habe sich dies im Jahre 2005, kurz nach dem Tod des Papstes. Eine Ordensschwester litt zu dieser Zeit an der Parkinson-Krankheit. Die Mitschwestern der Kranken beteten um Fürsprache zu dem verstorbenen Papst. Kurz darauf, so die Schilderung, habe die kranke Frau dann „großen Frieden und Freude“ gefühlt und habe daraufhin ihre Parkinsonmedikamente abgesetzt. Von da an sei sie auch völlig schmerzfrei gewesen. Der behandelnde Arzt der Frau bestätigte dann, daß alle Symptome der Krankheit und die Krankheit selbst, vollkommen verschwunden waren. Der Arzt konnte sich das nicht erklären. Natürlich deutet dies eindeutig auf ein Wunder hin, was sollte es auch sonst sein?

Natürlich will das Ganze mit Glaubhaftigkeit untermauert werden, weshalb auch prompt der Kirchenrichter Jean-Luc Lalanne damit beauftragt wurde diesen Vorfall genauestens zu untersuchen. Am Ende seiner Ermittlungen lautete sein abschließendes Urteil, daß diese Heilung nicht mit medizinischen Erklärungen abzuhandeln sei. Vielmehr sei es eine Heilung auf absolut unerklärliche Art und Weise. So kam man also dem Wunder des Papstes ein ganzes Stück näher. Natürlich mußte sich der Vatikan auch kritische Stimmen anhören, die besagten, daß man eigentlich einen unabhängigen Menschen zur Prüfung der Sachlage hätte auswählen sollen, statt eines in der Kirche Bediensteten. Doch dieser Kritik brachte der Erzbischof Feidt entgegen, daß die katholische Kirche in solchen Dingen anspruchsvoller als die Justiz sei. In meinen Augen lehnt sich der gute Erzbischof da sehr weit aus dem eigenen Kirchenfenster.

In Rom wird nun in den kommenden Tagen eine Kongregation darüber befinden, ob es sich denn letztendlich um ein anerkanntes Wunder des Papstes handelte oder nicht. Die Zeichen stehen jedoch sehr zu Gunsten des ehemaligen polnischen Kirchenoberhauptes.

Aus meiner Sicht ist es geradezu lächerlich, wie man solch einem Fall eine so immens große Aufmerksamkeit seitens der Medien und der Bevölkerung schenken kann. Wir leben aber ganz offenbar in einer Zeit, in der es wieder in Mode kommt, sich in solche Dinge geradewegs hineinzuflüchten. Es wirkt, als sei es der heimliche Wunsch von vielen, daß man selbst auch eines Tages Teil eines solchen Wunders werden könnte. Andererseits kann man es so manch einem nicht einmal übel nehmen, daß er oder sie sich solchen Dingen zuwenden, fällt es so doch wesentlich leichter die fatalen Fehler unseres Systems zu verdrängen und zeitweise zu vergessen, fällt es doch so jedem leichter nicht daran zu denken, wie stark man Macht und Gier in dieser Welt und besonders in der Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert ist.

Für mich gibt es auch ein Wunder. Denn wie sonst sollte man es bezeichnen, daß sich eine Staatsform deren Staatsoberhäupter und Wirtschaftsbosse kontinuierlich in die eigene Tasche wirtschaften, so lange aufrecht erhalten und ein Volk zum Narren halten kann? Das muß ein Wunder sein, denn normal ist das nicht!

Foto: © N-Schmitz / Pixelio

(Markus)

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