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Die Steueridentifikationsnummer kommt!

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04.04.2007, 00:43 Uhr

Ab 1. Juli erwartet den mündigen Deutschen und jenen, die es werden wollen ein Geschenk der Superlative seitens der Finanzbehörden. Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) vergibt dann eine elfstellige persönliche Steueridentifikations- nummer bzw. Tax Identification Number (TIN) für jeden Bundesbürger – vom Säugling bis zum Rentner. Die Zahlenfolgen werden laut Medienberichten zentral verwaltet und ein Leben lang gespeichert. Erst zwanzig Jahre nach dem Tod werden diese Daten vernichtet, was bisweilen eine lückenlose Kontrolle ermöglicht.

Wer nun meint ein kleines Déjá-vu-Erlebnis zu erleiden, sollte keinesfalls den nächstgelegenen Seelenklempner aufsuchen. Denn bereits in der DDR gab es ein zwölfstelliges Zahlensystem (“Personenkennzahlen”) um die Bundesbürger zu überwachen. Diese wurden am 1. Januar 1970 eingeführt, und waren ab 1984 voll funktionstüchtig in einer Datenbank abgelegt. Nachdem sich auch die Bundesregierung mit der Einführung solcher Kennzahlen befaßte – offiziell bezeichnet als Personenkennzeichen (PKZ) – stellte der Rechtsausschuß des Bundestages im Jahre 1976 fest, daß “die Entwicklung, Einführung und Verwendung von Numerierungssystemen, die eine einheitliche Numerierung der Bevölkerung im Geltungsbereich dieses Gesetzes ermöglicht, unzulässig ist”.

Nachdem der Bundesbürger bereits die Aufhebung des Bankgeheimnisses stillschweigend hingenommen hat, ist dies natürlich so nicht mehr gültig. Zwar wurde die PKZ der DDR als geheimdienstliche Überwachung der Bürger deklariert. Ferner sogar als Unrecht angesehen. Dennoch verliert Gesagtes bei der TIN an Gewichtung. Naheliegend, daß da eine zweifelhafte Begründung hermußte: “Mit der Nummer wird ein wesentlicher Beitrag zur Vereinfachung des Besteuerungsverfahrens geleistet, Bürokratie abgebaut und die Transparenz des Besteuerungsverfahrens erhöht.” – weiter heißt es in der offiziellen Begründung, daß “die Finanzbehörden organisatorisch und technisch fähig sein müssen, die zulässigen Überprüfungen effizient vorzunehmen”.

Ferner sollte an dieser Stelle natürlich darauf verwiesen werden, daß es dem Finanzamt damit möglich sein wird, Einblicke in den in- und ausländischen Kontenverkehr zu erlangen. Auch wird der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Behörden damit erheblich erleichtert. So können zum Beispiel Arbeits-, Finanz- und Sozialämter sowie BAFÖG- und Wohngeldstellen Abfragen tätigen und Abgleiche vornehmen. Rentner müssen zukünftig damit rechnen, daß die Höhe ihrer Rente jederzeit an das Finanzamt übermittelt werden kann.

Die Finanzämter versprechen sich von der Einführung vordergründig die Aufklärung von Mißbrauchsfällen – ergo Einzelfällen. So soll etwa auch der Umsatzsteuerbetrug eingedämmt werden. Hierbei werden Unternehmen fiktiver oder realexistenter Natur bei verschiedenen Finanzämtern angemeldet, um Umsatzsteuerüberschüsse erstattet zu bekommen. Bisher sei dies den Behörden laut eigener Angaben nicht möglich gewesen, da jedes Bundesland gesonderte Steuernummern vergibt, die nicht zentral abgeglichen werden können.

Jeder anständige Bundesbürger, der ja sowieso nichts zu verbergen hat und für alles offen ist, sollte sich den Tag im Kalender markieren. Denn an besagtem Tag verliert er erneut einen Teil seiner Grundrechte. Aber seien wir doch relistisch: Wer braucht die schon?

Foto: © SXC

(Steven)

10 Kommentare

  • Benutzerbild 10 Steven 18.11.2007, 18:59 Uhr
  • Der Rechtsausschuss hat schon vor über 30 Jahren erkannt, was sich gehört und was nicht – die “durchnummerierung” der Bürger ist jedenfalls ein Unding…

    Es muß allerdings an der Sorglosigkeit der Deutschen liegen, daß man selbst bei der Verletzung von Persönlichkeitsrechten in dieser Form einfach abwinkt und stattdessen noch dazu übergeht das positive im neuen Zahlensystem zu sehen. Erschreckend…

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  • Benutzerbild 9 Philipp 17.11.2007, 01:40 Uhr
  • Der Rechtsausschuss hat schon vor über 30 Jahren erkannt, was sich gehört und was nicht – die “durchnummerierung” der Bürger ist jedenfalls ein Unding…

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  • Benutzerbild 8 ]pdg[ 11.06.2007, 22:08 Uhr
  • Ein super Artikel zum Thema. Besonders gelungen fand ich den Einbau der damaligen Stellungnahmen des Rechtsausschusses. Da ich gerne den ganzen damaligen Zusammenhang im Original nachvollziehen möchte, wäre es sehr nett, wenn Du die genaue Fundstelle der Zitate angeben würdest. Danke.

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  • Benutzerbild 7 Steven 13.04.2007, 02:11 Uhr
  • Stimmt! Heutzutage präsentiert man dem Bundesbürger irgendwelche Phantasiezahlen, die den vermeintlichen Steuermißbrauch repräsentieren sollen. Wie man die Zahlen ermittelt hat, überspielt und verschweigt man derweil komplett. Auch, daß rein “zufällig” die Zahlen immer höher liegen, als die momentane Verschwendung der Regierenden. Wo kämen wir auch hin, würden wir infolgedessen die “Volksvertreter” überwachen müssen? Lieber macht man sich als Bundesbürger selbst Zugeständnisse und verweist auf irgendwelche ominösen Einzelfälle.

    Schließlich zieht man ja jeden Tag um und gibt jeden Tag eine Steuererklärung ab. Nicht auszudenken, was passieren könnte, würde man das Steuersystem maßgeblich vereinfachen. Eine Masse an Vorgaben und Sonderregelungen hat es nämlich so an sich, daß Schlumpflöcher entstehen. Davon will dann aber keiner etwas wissen. Genauso wenig, wie man etwas vom Grundgesetz wissen will. Also Bitte meine Herren, wer braucht schon ein Grundgesetz? Unverletzlichkeit der Wohnung, Post- und Bankgeheimnis und so weiter – Dinge, die einen Steuerzahler nicht zu interessieren haben. Zumal Steuerfahndungen alsbald per Online-Durchsuchung stattfinden. Macht es ja auch einfacher, den vorbezeichneten Betrügern auf die Finger zu kloppen.

    Aber dann lieber über die Terrordatei schimpfen, ja. Da stehe ich ja auch drin. Bestimmt! Vielleicht! Wohl möglich! Eventuell…

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  • Benutzerbild 6 Wingi 12.04.2007, 21:20 Uhr
  • Oje, was für ein Gejammer. Wechsel mal als Selbstständiger in den Ehestand und Wohnort und damit das FA. Dann bekommst du zwei Nummern, eine neue der Familie und eine als Unternehmer. Was für eine Verwirrnung mit dem üblichen Doppelbescheiden!

    Das ist wohl eher eine Verbesserung. Dann lieber über die Terrordatei schimpfen …

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  • Benutzerbild 5 Mirco 09.04.2007, 09:35 Uhr
  • “Tax Identification Number”, fällt denen nichts deutsches ein? Oder klingt Steueridentifikationsnummer so schlecht?

    Mit einer persönlichen Steueridentifikationsnummer muss ich wenigstens nicht meine Steuernummer ändern, nur weil ich umziehe und damit das Finazamt wechsel oder weil ich mich selbstständig mache. In Spanien gibt es das System schon seit Jahren und es funktioniert.

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  • Benutzerbild 4 Bernd 08.04.2007, 03:21 Uhr
  • Abzulehnen, weil
    ein Stück Identifikationsfreiheit verloren geht.
    .
    Zu befürworten, weil
    Steuer- und Behördenbetrug das gravierendste Delikt in unserem Staate ist. Leider sind es immer nur die Klügsten und diejenigen, die Schwindeleien und Betrug finanzieren können. Gerade mit denen Mitleid zu haben, bedeutet, die Funktionsfähigkeit des Staates zu infrage zu stellen. Wer Geldtransfers auf sein schweizer Nummernkonto macht, der sollte erwischt werden; wer in Italien eine Palette Wein gekauft hat und die per – demnächst – einfacher Überweisung bezahlt, dem ist das doch recht egal, ob jemand etwas von dem Transfer erfährt.
    Nicht nur der Unternehmer, auch der Rentner ist gehalten, Gesetzen zu folgen. Wenn also damit ein Stück mehr Gerechtigkeit eingeführt werden würde, dann muß man sich wirklich überlegen, warum man dagegen ist. Während Lieschen Müller ihre Steuern und Abgaben treu abführt, sollten nicht kluge vermeintliche Gesetzeslückensucher davon kommen.
    .
    Wer also hier “Deutschland ist Sch….” schreibt, sollte sich doch fragen, welche Funktionen soll der Staat haben, was erwarte ich vom Staat, wie soll der Staat die Leistungen bezahlen.

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  • Benutzerbild 3 Steven 07.04.2007, 19:36 Uhr
  • Deutschland ist Schxxxx.de

    Wieso ist Deutschland “scheiße”? Deutschland ist schön, was man von den Delegierten halt nicht behaupten kann. ;-) Und ein System was die Steuern zuhauf verschwendet (siehe hier), greift sie halt anderswo ab. Das ist nicht unbedingt logisch, für den normalen Bürger reicht das jedoch bereits aus… Leider!

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  • Benutzerbild 2 ruess kevin 07.04.2007, 14:00 Uhr
  • Solange kein Missbrauch erfolgt – aber in diesem Land hier?

    Man muss hier Migrationshintergrund haben oder Beamter sein – sonst ist es echt Sch….

    Drogenhändler, VietnamZigarettenschmuggler, Zuhälter, Rotlichtgrößen zahlen keine Steuern.

    Würde man die abgreifen könnten andere Steuern gesenkt werden.

    Die Politbaggage steckt bis zum Hals in dem Dunstkreis dieser Ganovenbanden.

    Siehe Friedmann und seine Kontakte zu Menschschleppern – von der Polizei auf unsere

    Kosten bewacht

    Deutschland ist Schxxxx.de

    Kev

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  • Benutzerbild 1 Eup 04.04.2007, 19:31 Uhr
  • Schöner Beitrag und in der Tat ein absoluter Hammer!!!

    Wird Zeit, dass man endlich raus kommt aus diesem Land, was kommt als nächstes???

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