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Wahrheit unerwünscht!

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25.04.2007, 23:14 Uhr

Weikersheim. Ein schönes Fleckchen Baden-Württembergs im Taubertal; idyllisch ruhig und friedlich. Zumindest bis vor kurzem war es noch so, aber Weikersheim ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell ein Ort in Deutschland zu zweifelhafter Berühmtheit gelangen kann. Doch der Reihe nach. Es ist gar nicht mehr so einfach den Anfang dieses Kreislaufs zu finden und zu benennen. Die ganze Sache steht und fällt mit einer Rede vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger anläßlich einer Trauerfeier für den am 01. April 2007 verstorbenen Hans Filbinger. Filbinger war in der Zeit von 1966 bis 1978 Ministerpräsident von Baden Württemberg, also Oettingers Vorgänger in diesem Amt. Im Jahre 1978 trat Filbinger zurück weil ans Tageslicht kam, daß Filbinger (zur NS-Zeit Marinerichter) offensichtlich damals mehrere Deserteure zum Tode verurteilt hatte.

Sicherlich kann man nicht erwarten, daß man im Gedenken und in der Trauer schlecht über jemanden spricht, geschweige denn eine dementsprechende Rede hält, dennoch haben eben dies einige Politiker und andere Herrenmenschen erwartet. Oettinger hielt also seine Rede bei der Trauerfeier und erwähnte in dieser die Auffassung, daß Hans Filbinger ein Gegner des Regimes der Nationalsozialisten gewesen sei, sich aber dem Druck und letzten Endes auch dem Regime beugen mußte, um zu überleben.

Sicherlich, es war nicht gerade wohl überlegt zu sagen unter Filbingers Urteilen sei niemals jemand zu Tode gekommen, aber zu diesem Zeitpunkt der Rede war das sprichwörtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen. Und dieser Brunnen war gefüllt mit Schlamm und Morast, wie sich in den folgenden Wochen herauskristallisieren sollte. Prompt folgte nach Oettingers Rede dementsprechend auch schon der verbale Sturmangriff auf ihn und seine Person. Sämtliche Parteien und jüdischen Vereine zeigten mit dem Finger auf Oettinger und bezichtigten ihn der Verharmlosung eines Nazirichters und der durch seine Aussage getroffenen Verspottung jüdischer Mitbürger. Natürlich ist das ein gefundenes Fressen für alle Wochenendpolitiker die den eigenen Lokus zu Hause öfters sehen als ihren Arbeitsplatz. So klingen bis heute die Rücktrittsrufe nicht ab und stellenweise wird trotz Gesprächen mit dem Zentralrat der Juden und allerhand Politikern versucht an Oettingers Stuhl zu sägen.

Als nun der große Ansturm nahezu überstand schien, kam für Oettinger eine weitere Ohrfeige hinzu. So wurde bekannt, daß Oettinger Mitglied im „Studienzentrum Weikersheim e.V.“ ist. Mittlerweile trifft das Prädikat „war“ besser zu, da Oettinger seine Mitgliedschaft „ruhen“ läßt. Doch was ist daran so schlimm irgendwo bei irgendwas Mitglied zu sein? Richtig, es ist natürlich nicht egal, wenn der betreffende Verein oder die betreffende Organisation rechts der Mitte liegt. Eben genau dieser Faktor wurde Oettinger erneut zum Verhängnis, hat das Studienzentrum doch den Ruf eindeutig rechtsradikal zu sein. Doch wie wird aus all dem wieder ein Kreis?

Nun, Hans Filbinger war die treibende Kraft, die dazu führte, daß 1979 das „Studienzentrum Weikersheim“ im Schloß Weikersheim gegründet wurde. Das Studienzentrum spricht über sich von einer „christlich-konservativen Denkfabrik der großen bürgerlichen Mitte“ die es verkörpern wolle. Filbinger trat aufgrund seines hohen Alters 1997 von seinem Amt als Präsident zurück und wurde von da an Ehrenpräsident. Mittlerweile hält dieses Amt Bernhard Friedmann inne, der früher selbst einmal Bundestagsabgeordneter der CDU gewesen ist.

Ob nun das Studienzentrum eine rechtslastige Ideenschmiede verkorkster Existenzen ist oder auch nicht, steht eigentlich primär auch gar nicht zur Debatte der Medienlandschaft. Nein, wichtiger ist es wieder einmal möglichst alles auszuspielen um einen Politiker der offenkundig seine Auffassung und seine Meinung kund tat, möglichst schnell von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Was macht das auch wieder für ein böses Bild von uns Deutschen im Ausland.

Künftig sollte man jedem vor einer Trauerrede eines so alten Menschen vielleicht raten einige Passagen a la „er war ein skrupelloser Verbrecher“ pro forma einzubauen, sicher ist ja bekanntlich sicher, wenn auch nicht ehrlich.

Foto: © Kuznetsov Sergey

(Markus)

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