Startseite » Gesellschaft » Die Dunkelheit brachte den Tod


Die Dunkelheit brachte den Tod


1 Punkt vergeben2 Punkte vergeben3 Punkte vergeben4 Punkte vergeben5 Punkte vergeben (3)
laden ... laden ...
27.04.2007, 05:43 Uhr

„Es ist dunkel. Wie ein alles verschlingender Schatten legt sich die Dämmerung über den kleinen Ort. Alles ist still, nicht einmal ein Vogel macht sich in der Dunkelheit bemerkbar. Man sieht den kondensierten Atem, der beim Ausatmen dicht vor dem Gesicht entsteht. Es liegt ein Hauch von Grauen in der Luft. Dann schießt wie aus dem Nichts eine helllodernde Stichflamme aus der Dunkelheit hervor. Ein Feuer das zunächst nur kurz in die dunkle Umgebung sticht, um danach langsam vor sich hin zu lodern bis es schließlich in sich zusammenfällt. In den Rauchschwaden ist der Umriß eines Gegenstandes zu erkennen.

Es ist etwas eckiges, etwas das einem doch bekannt vorkommt. Es ist ein Koffer. Langsam hellt die Sonne den Morgen auf und die Dunkelheit macht dem Licht Platz. Menschen gehen daran vorüber, beschleunigen ihren Gang, schauen gezwungen weg. Dann nähern sicht drei junge Leute zögerlich dem Ascherest, sie sind neugierig und ängstlich zugleich, aber sie erkennen, daß da noch mehr ist. Sie kommen näher und näher bis sie schließlich erkennen, was hier verbrannt wurde. Sie sehen die Überreste eine menschlichen Körpers, verkohlt und verstümmelt.“

Das könnte durchaus eine Szene aus einem von Quentin Tarantino gedrehten Hollywoodstreifen sein. Vielleicht eine Fortsetzung von „Saw“, dem „Texas Chainsaw Massacre“ oder „Hostel“. Doch das ist keine erdachte Geschichte aus einem speckigen Film aus Übersee, es ist kein Hirngespinst, das sich ein kluger Kopf erdacht hat, um damit Millionen in die Kinos zu locken. Es ist Realität. Es ist Deutschland. Es ist Berlin/Neukölln vor gut einer Woche. Lieber Leser, enttäuscht Sie das nun?

Leider kein Auszug aus einem „geilen“ Film, sondern doch nur die reale Welt. Kristina Hani war vierzehn Jahre alt. Sie war ein kluges und hübsches Mädchen, das allerdings ganz offensichtlich auch Probleme mit sich und der eigenen Umwelt hatte. Doch das alleine ist mittlerweile ja nichts Besonderes mehr, zumal die Zahl der psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen stetig steigt. Dennoch, vor gut einer Woche ging Kristina aus dem Haus und wurde seit dem nie wieder gesehen. Nach dem Fund des verbrannten Körpers der 14-Jährigen benötigte die Polizei zunächst mehrere Tage um die Identität von Kristina zweifelsfrei festzustellen. Doch nun ist es offiziell: Kristina wurde lebendig in einen Rollkoffer gezwängt und danach mit einem Brandbeschleuniger verbrannt. Aus Polizeikreisen wurde veröffentlicht, daß Kristina am Leben gewesen sein muß, jedoch sehr wahrscheinlich bewußtlos gewesen sei.

Ein Rollkoffer, ein Gegenstand wie ihn Tausende Menschen zu Hause haben, ein Alltagsgegenstand wird zum tödlichen Gefängnis. Bis heute gibt es keine detaillierten Hinweise auf den oder die Täter. Die Bevölkerung hat bisher über achtzig Hinweise an die Polizei weitergeleitet, jedoch ohne Erfolg bisher. Die Ermittlungen breiten sich auch in das Drogenmilieu aus, in dem man Kristina zeitweise vermutet hatte, wenngleich die Polizei auch sicher ist, daß Kristina kein Junkie war.

Hat der Anfang dieses Artikels bei Ihnen etwas ausgelöst? Fanden Sie ihn aufregend oder doch mehr erschreckend? War es mehr Perversion oder mehr Horror? Hat es mehr Lust geweckt oder doch von Beginn an abgestoßen?

Ich stelle diese Fragen ganz bewußt und ich möchte Ihnen ans Herz legen, sich diese Fragen ganz ehrlich für sich selbst einmal zu stellen. Es wird viel über Filme, die oben benannt wurden diskutiert. Viele verteidigen solche Filme, da sie der Meinung sind es sei alles so extrem, daß man ja immer wisse, daß es keine Realität sei. Andere sagen sie sind alt genug um Fiktion von der realen Welt zu trennen. Doch was ist mit denen, die das nicht oder nicht mehr können? Was ist mit denen Menschen deren Hirn jenseits der Normalität arbeitet, die ihre Phantasien gerne ausleben möchten, die gerne töten würden und perverse Handlungen an Lebendigen oder an Toten vollziehen möchten?

Ich sehe es als eine Art „Anreiz“ für solche Menschen die Phantasien in die Tat umzusetzen, der Theorie die Praxis folgen zu lassen. Wir haben Jahrzehnte alles ignoriert, wenn es um den Schutz der Natur und den Schutz der Umwelt ging. Kaum jemand glaubte ernsthaft daran zu den eigenen Lebzeiten von einer globalen Katastrophe erfaßt zu werden. Dennoch kam es soweit, daß es eine bzw. mehrere Generationen nun trifft und eben diese Generationen handeln müssen. Jetzt kommt vieles ins Rollen, denn untergehen will auf dieser Welt keiner.

Meine Frage lautet: Wie lange ignorieren wir die Perversion fördernden Filme und Medien noch bis wir handeln und solchen Menschen nicht auch noch Anleitungen zur Realitätsverwirklichung geben?

Foto: © SXC

(Markus)

Kommentar schreiben



RSS

Artikel bewerten

  • 1 Punkt vergeben2 Punkte vergeben3 Punkte vergeben4 Punkte vergeben5 Punkte vergeben (3)
    laden ... laden ...
all-inkl.com webhosting
bloggerei.de - deutsches Blogverzeichnis  TopBlogs.de  Bloggeramt.de