Von Kriegstreibern und anderen Halunken
01.05.2007, 21:10 Uhr
Es gibt wieder Neuigkeiten von der Ein-Mann-Regierung der Vereinigten Staaten. Das Repräsentantenhaus hatte mit 218 zu 208 Stimmen für einen endgültigen Truppenabzug aus dem Irak gestimmt. Der Truppenrückzug soll demnach am 01. Oktober 2007 beginnen und im April 2008 (ungebunden) beendet sein. Der Cowboy aus dem Land der Schießwütigen sieht sich aufgrund des Wehretatgesetzes nun in einer für ihn recht unglücklichen Lage.
Das Wehretatgesetz beinhaltet eine für Auslandseinsätze der USA vorgesehene Summe von 124,2 Milliarden Dollar. Die Krux an der Sache ist jedoch, daß diese Summe nur dann freigestellt wird, wenn zugleich der Abzug der amerikanischen Truppen damit besiegelt wird. Nun ist für die Befürworter des Truppenabzuges die erste große Hürde genommen. Die weitere muß heute im Senat, der sogenannten „kleinen Kammer“ genommen werden. Fachleute sind sich sicher, daß auch im Senat das Gesetz verabschiedet werden wird. Sollte es tatsächlich so kommen, dann erhält der Präsident der Vereinigten Staaten innerhalb der nächsten Woche das Gesetz zum Unterzeichnen.
Aber da bekanntlich in Amerika alles etwas anders ist, kann Herr Bush mit seinem Veto dieses Gesetz zunächst wieder zur Überarbeitung zurückweisen. Die Gemüter schlagen derzeit dementsprechend zwischen Demokraten und Republikanern hoch. Auf der einen Seite sieht man im Abzug der Streitkräfte aus dem Irak eine Niederlage und die Gegenseite argumentiert, daß endlich mit dem Wahnsinn der als Kanonenfutter herhaltenden Soldaten Schluß sein müsse. Es bleibt also spannend, zumindest für den Außenstehenden. Die Angehörigen der noch im Irak stationierten Soldaten und die Angehörigen der bisher in dem Bürgerkrieg anmutendem Szenario gefallenen Soldaten sehen dies mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht so gelassen. Manchmal wirkt es schon grotesk, wenn man sieht wie viele Soldaten während der Kriege und wie viele Soldaten „nach“ dem eigentlichen Kriegsende gefallen sind. Es ist schon fast surreal wie George W. Bush jun. sein Land und seine Streitmacht befehligt. Es drängt sich der makabere Vergleich auf, als würde der Präsident eine Art reales Gesellschaftsspiel spielen, „Risiko“ ist sicherlich vielen Lesern und Leserinnen ein Begriff.
Aber wenn man sich die Weltpresse so zu Gemüte führt, kommt man auch zwangsläufig zu dem Ergebnis, daß die USA mit ihrer Politik offenbar geradezu „kriegsgeil“ sind. Zum einen der Irak als dauervernichtendes Soldateninferno und dann etwas weiter in Richtung Osten das Problem mit Genosse Putin, der über die Pläne der amerikanischen Raketenabwehrstellungen alles andere als entzückt ist. Werden wir vielleicht bald die Fortsetzung des kalten Krieges erleben? Aber wer weiß, vielleicht fällt dem Völkerrechtsrambo in den USA auch noch ein cleverer Schachzug ein, um alles zu umgehen, es gibt ja immerhin noch viele Länder, die noch nicht, oder schon lange nicht mehr von den Amerikanern eingenommen wurden.
Nur gut daß die Welt so groß ist und bei uns derzeit kein Österreicher das Sagen hat, so können wir getrost hoffen, daß es noch einige Jahrzehnte dauern wird, bis wir wieder an der Reihe sind den weltweiten Invasoren den Teppich auszubreiten.
Foto: © DoD

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