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Eine Frage der Zeit

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21.05.2007, 23:56 Uhr

Eine Frage der Zeit war es wohl nur, bis auch die Soldaten der Bundeswehr auf irgendeinem Kriegsschauplatz ins Visier von Selbstmordattentätern geraten. Am Sonnabend wurden im afghanischen Kundus drei deutsche Bundeswehrsoldaten durch einen solchen Attentäter getötet. Die Soldaten befanden sich nach Angaben der Verantwortlichen zu dieser Zeit auf einem Markt in Kundus um technische Ausrüstung zu kaufen.

Laut Verteidigungsminister Franz Josef Jung war dies eine normale und übliche Handlungsweise, die auf keinerlei Bedrohung zurückzuführen gewesen sei. Die Soldaten der Bundeswehr begegnen laut Berichten des Nachrichtensenders N-TV den Bürgern weitaus offener, als beispielsweise die amerikanischen Truppen, die vorzugsweise in deren gepanzerten Fahrzeugen auftreten. Mit diesem Auftreten wollen insbesondere die deutschen Soldaten langsam Vertrauen zur afghanischen Bevölkerung aufbauen, somit die Spannung mildern und zeigen, daß man den Menschen nichts Böses will.

Als die Soldaten aus ihren Fahrzeugen ausgestiegen sind, zündete der Attentäter offensichtlich die Bombe, die er an sich trug und riß drei Soldaten in den Tod. Fünf weitere deutsche Soldaten wurden teilweise schwer verletzt. Mittlerweile ist die Rückkehr nach Deutschland im Gange. Jung äußerte sich zwar besorgt und sprach sein Mitgefühl den Angehörigen der getöteten Männer aus, wies aber drauf hin, daß der Anschlag nicht explizit der Bundeswehr gegolten habe, sondern allgemein gegen die ISAF-Truppen gerichtet gewesen sei. Unterschied macht dies freilich nicht, drei Männer kamen ums Leben.

Nun könnte man natürlich argumentieren, die Soldaten wissen bereits vor Einsatz in einer Krisenregion, daß sie unter Umständen verletzt oder gar getötet werden können. Dennoch entbrannte erneut der Zwist der verschiedenen Parteien, ob der Auslandseinsatz der Bundeswehr wirklich sinnvoll ist und inwiefern das in Zukunft zur Normalität der deutschen Truppen gehören soll oder darf.

In den Stammkasernen, sowie anderen Stützpunkten der Deutschen wurden die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Trauer und Betroffenheit wohin man blickt. Auch nachdenkliche Sätze aus den Reihen der Bundeswehrsoldaten werden laut. Ein solcher Vorfall holt selbst von der Sache überzeugten Soldaten auf den Boden der Tatsachen zurück und hält jedem vor Augen, wie gefährlich sein Einsatz ist.

Da stellt sich die Frage, ist es denn das eigene Leben wert, in einem Land, zu dem man selbst keinerlei Bezug hat, als wandelnde Zielscheibe zu agieren? Erinnerungen an das Jahr 2003 werden wach, als vier Soldaten der Bundeswehr durch einen Anschlag in der Nähe von Kabul ermordet und 29 weitere verletzt wurden. Jetzt gilt es seitens der Verantwortlichen den Zweiflern den Wind aus den Segeln zu nehmen. So meldete sich der ranghöchste deutsche General, Bruno Kasdorf, in Afghanistan zu Worte, in dem er davor warnte den gesamten Einsatz der ISAF-Truppen in Frage zu stellen.

Im Oktober 2007 wird im Bundestag über die Verlängerung des Einsatzes der deutschen Bundeswehr in Afghanistan beratschlagt. Verteidigungsminister Jung ist sich offensichtlich bewußt, daß es hierbei kein Zuckerschlecken sein wird die Zustimmung zu erhalten. Die Forderung der Linken, die Truppen abzuziehen wies Jung entschlossen zurück, er halte weiterhin an dem Einsatz fest, da er notwendig und sinnvoll sei.

Als Täter bekannten sich Mitglieder der Taliban, wobei Jung hierbei seine Zweifel an der Glaubhaftigkeit äußerte. Doch was macht es für einen Unterschied in welchem Land und von welchen Personen solche Attentate begangen werden? Drei weitere Soldaten der Verteidigungsarmee der Bundesrepublik Deutschland wurden bei einem Einsatz im Ausland getötet. Ist es immer noch die geschichtliche Kriegsschuld, die uns „verpflichtet“ die eigenen Soldaten in Auslandseinsätze zu schicken, das Risiko einzugehen, die eigenen Männer an fremder Kriegsfront zu „verheizen“? Was bitte rechtfertigt die Präsentationsgeilheit der deutschen Truppen im Ausland von deutschen Politikern?

Foto: © DoD

(Markus)

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