Wochenrückblick 21/2007
27.05.2007, 23:58 Uhr
Montag
Es war ein denkwürdiger Tag für den deutschen Radsport. Anders als es in den vergangen Jahren war, wird dieser Tag wohl nicht aufgrund der hohen Leistungen und starken Erfolge in Erinnerung bleiben, sondern vielmehr aufgrund der Tatsache, daß endlich einmal die bundesdeutschen Radlerhosen heruntergelassen wurden. Das Ganze ereignete sich in der ARD-Talksendung “Beckmann“. Geladen war der ehemalige deutsche Radprofi Bert Dietz, der zwischen den Jahren 1994 und 1998 für das “Team Telekom” im Profiradsport fuhr. Dietz fuhr damals unter anderem in dem Team vom mit Dopingvorwürfen geplagten Fahrer Jan Ullrich mit.
Dietz war der erste Fahre des Teams, der sich offen über Dopingvorwürfe äußerte und zudem eine Lawine ins Rollen brachte, die für so manchen wohl “zu viel“ Wahrheit mit sich riß. Dietz gab zu selbst mit EPO (ein Hormonpräparat, das zur Leistungssteigerung durch die Erhöhung roter Blutkörperchen führt) gedopt zu haben und belastet in diesem Zuge auch die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid.
Aufmerksamen Zuschauern wird allerdings eine “Tonstörung“ von guten zweiunddreißig Sekunden während des Geständnisses von Dietz nicht entgangen sein. Diese Störung war notgedrungen vom Sender NDR eingefügt worden, um Dietz vor eventuellen strafrechtlichen Konsequenzen zu schützen. Über die Sendung gibt es mittlerweile sehr viele Spekulationen, da auch eine übliche Wiederholung auf 3sat nicht erfolgte und die Sendung auch nicht über die Seite des Senders abrufbar ist, wie es gewöhnlich der Fall gewesen sei.
In den folgenden Tagen der vergangen Woche reihten sich dann unter Anderem noch Christian Henn (Teamchef des Teams “Gerolsteiner“ und ehemaliger Kollege von Dietz), Erik Zabel und Rolf Aldag in die Wahrheitsflut ein. Des weiteren wurden die zuständigen Teamärzte der Universität in Freiburg zurückgezogen.
Nun warten die Radsportfans und Restdeutschland auf die Beichte von Jan Ullrich. Doch ob Jan Ullrich nun noch zugibt selbst gedopt zu haben oder nicht, fest steht, daß dem deutschen Sport ein erheblicher Schaden zugefügt wurde und dieser sicherlich noch über Jahre hinweg einen bitteren Beigeschmack haben wird, ob die Sportler nun Erfolg haben werden oder nicht. Es ist bitter sehen zu müssen, daß so manch einer der “Vorbildsportler“ und Sportidole seine Leistung nur durch unerlaubte und gesundheitsschädliche Mittel erreicht hat. “Ekelhaft“ ist das Wort, welches mir hier als erstes einfällt.
Mittwoch
Deutschland ist doch immer wieder für überraschende Meldungen gut. Vergangen Woche sorgte dieses Mal das “Deutsche Institut für Normierung“ (DIN) für ebensolche. Daß wir Deutschen ja regelrechte Normierungsweltmeister sind und uns scheinbar ein fast krankhafter Zwang alles zu regeln und alles zu kennzeichnen verfolgt, das ist ja mittlerweile kein großes Geheimnis mehr. Dennoch, daß wir uns nun an unser Alphabet heranmachen, das ist dann dennoch ein Vorstoß in unbekannte Gefilde. Das Institut forderte vergangen Woche, daß große “ß“ einzuführen, da man bemerkt hat, daß es zu dem bisherigen kleinen “ß“ keinen passenden Gegensatz in der Großschreibung gibt.
So manch einer hat ja bisher schon Schwierigkeiten nach der Rechtschreibreform überhaupt noch richtig durchzusehen, was denn nun wie geschrieben wird. Diese Reform sorgte doch vor nicht all zu langer Zeit eben dafür, daß das kleine “ß“ kaum noch auftaucht. Wahrlich begeistert schien die ISO (die internationale Standardisierungs- Organisation) zu sein. Die fanden den Einfall der DIN sehr sinnvoll und begrüßten daher auch den Vorschlag wohlwollend.
Doch wie sollte man nun dieses große “ß“ denn aussehen lassen? Da man da natürlich nur die Profis ranlassen sollte, hat man Graphologen darum gebeten, sich den Kopf einmal zu zerbrechen, wie man denn das Aussehen in die Realität umsetzen könnte. Die Schriftzeichendesigner haben es dann auch vollbracht den neuen Buchstaben zu kreieren. Der Buchstabe ähnelt (zumindest in Handschrift) ein wenig dem großen B. Fraglich bleibt wozu das denn notwendig ist. Gäbe es Worte mit einem großen “ß“ am Anfang würde der Otto-Normal-Verbraucher da vielleicht noch mitkommen, aber so?
Damit die Normierungsgeilen hier nicht dumm sterben, hier noch der Hinweis wie dieser neue Buchstabe denn auch festgehalten wird. Das große “ß“ bekommt im Zeichensatz “ISO-10646“ aller Voraussicht nach die Bezeichnung 0×1E9c zugewiesen. Damit hätten wir es wieder einmal vollbracht, eine unglaublich gesellschaftlich lebenswichtige Diskussion ad acta zu legen.
Wenige begeistert dürften hingegen die Tastaturhersteller sein. Nach deren Angaben ist für einen siebenundzwanzigsten Buchstaben im Alphabet eigentlich überhaupt kein Platz mehr auf den Tastenbrettern. Aber wer weiß, vielleicht werden dann zu Neugestaltung der Tastaturen neue Arbeitsplätze geschaffen, die sich um diese Problematik kümmern werden, Inder gibt es ja sicherlich noch genug in der BRD, die hierfür geeignet wären.

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