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Wir heucheln um die Wette


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04.07.2007, 00:42 Uhr

Wir heucheln um die WetteTreffender könnte man meiner Meinung nach eine Überschrift für dieses Thema gar nicht formulieren. Doch lassen wir das Eigenlob einmal beiseite und beschränken uns auf das Wesentliche. Schon alleine die Suche nach eben diesem Wesentlichen ist schwierig genug, in dem Getümmel von selbstverherrlichenden Hilfsnachrichten und Unterstützungs- angeboten verschiedener Prominenter oder Politiker.

Klar ist, Afrika muß geholfen werden! Unklar ist, warum sollen das wir bewerkstelligen? “Ja wenn das jeder so sagen würde”, wäre ein zu erwartender Einwand, aber selbst dann, was wäre den anderen oder uns Deutschen denn dann vorzuwerfen? Unterlassene Hilfeleistung für ein Land, das in Hunger, Not und Elend versinkt, während wir…. ja, während es uns gut geht? Während wir wie die Made im Speck leben? Während wir alle ein Dach über dem Kopf und ein warmes Essen im Bauch haben? Also das dürfte dann aber ein anderes Land und nicht Deutschland sein, denn hier ist mir das so nicht geläufig und da ich nicht glaube sehr weltfremd zu sein, dürfte dies auch zutreffen. Also noch einmal zurück zur Frage. Sollen wir helfen, weil es uns nicht schlechter geht als den Menschen in Afrika?

Nun, das ist freilich immer die Sicht des Betrachters, die hier das Zünglein an der Waage ist. Aber ich glaube es macht nur wenig Unterschied, ob nun in Deutschland ein Mensch ohne soziale Unterstützung auf der Strasse lebt und sein Essen im Müll zusammensuchen muß, oder ob in Afrika ein Mensch auf der Strasse lebt und auch nichts zu Essen bekommt. Oha, ich vernehme förmlich den Aufschrei, der gerade eben durch zahlreiche Wohn- und Arbeitszimmer geht: “Helga, lies dir mal durch was dieser Typ für Sachen schreibt, das ist ja regelrecht pervers!” - so oder so ähnlich stelle ich mir so manche Reaktion auf meinen eben aufgeführten Vergleich vor. Doch was wirklich pervers ist und das ist offensichtlich, ist die Scheinmoral, zu meinen sich um in anderen Ländern lebende Menschen mehr und intensiver kümmern zu müssen, als um das eigene Volk, die eigenen Bürger hier vor Ort, hier im eigenen Land.

Aber seit Kriegsende ist das irgendwie wohl regelrecht zur politischen Volkssportart gewuchert, sich erst einmal einen Dreck um das eigene Land zu scheren, aber gleichzeitig mit erhobenem Finger zu zeigen, daß wir Deutschen, denen es doch so unglaublich gut geht, gefälligst auch anderen helfen sollen (vor allem denen, die vor über sechzig Jahren auch “Besuch” von uns Deutschen hatten…). Es ist wohl auch um einiges leichter sich dafür einzusetzen, daß Millionen Euro ins Ausland gewuchtet werden, da man dort nicht hautnah miterleben muß, ob und wenn ja, in welcher Form das Geld dort ankommt und wie damit im einzelnen den Menschen über den Tag hinweg geholfen wird.

Das ist ja eine der brennenden Fragen, die aber auch kaum jemand zu stellen wagt. Können die Menschen, die von den von reichen Industrienationen geschickten Fernsehteams gefilmt wurden, mit dem Geld das kommt, sofort mehr essen? Können diese Menschen sofort eine Wohnung bekommen? Werden diese Menschen sofort operiert? Ich behaupte einmal ganz frech, ganz so einfach kann es nicht sein, da viel Gelder in Projekte gesteckt werden, die - wenngleich auch sinnvolle, wie Krankenhäuser - nicht als Sofortmaßnahme gelten können. Die Menschen, die wir gestern in den Nachrichten hungernd sahen, werden also dennoch wahrscheinlich nicht so lange leben, wie wir uns das mit unserer geheuchelten Humanitätsidentität in Gedanken erschaffen haben.

Aber Moment! Vielleicht ist es ja auch einfach nur zu wenig was wir für Afrika leisten? Also mal sehen, was hätten wir denn da im Angebot? Da wären einmal die 180.000 Jugendlichen in Deutschland, die für den Verein “Aktion Tagwerk” einen Tag lang unter dem Motto “Dein Tag für Afrika”, statt die Schule, einen Arbeitsplatz besuchen und das dort verdiente Geld (geschätzte 1,5 Millionen Euro) für Kinder in Afrika spenden. Dann hätten wir noch den Kurs, der spätestens seit dem G8-Gipfel jeden hellhörig machen sollte, in dem Kanzlerin Merkel sich dahingehend äußerte, daß man das Volk auf eine größere und intensivere Afrikahilfe einstellen müsse.

Die größte Klatschzeitschrift ließ jüngst Afrikaaktivist Bob Geldorf sogar die Zeitung für einen Tag lang leiten. Das Ergebnis war auf der Titelseite kaum zu übersehen, über zehn Mal tauchte in den Artikeln das Thema Afrika auf, am Ende immer mit derselben Botschaft: SPENDET! Einer unserer großen Popstars darf da natürlich nicht fehlen, und so ist Herbert Grönemeyer unter anderem Mitinitiator von “Deine Stimme gegen Armut!”. Daneben gibt es zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und eine Gala nach der nächsten, deren Erlöse fleißig ins Körbchen der Afrikasammler wandern. Nun gut, soll es jeder handhaben, wie er oder sie möchte, solange es aber in Afrika neben Hunger, Not, Elend und Aids auch noch Korruption in großem Stil gibt, ist es zu überlegen, ob man mit einer Spende wirklich das erreicht, was man gerne möchte.

Für die großen Helfer und die vielen tausend unterstützenden Menschen auf Veranstaltungen oder Konzerten sollte man sich nicht schämen, gewiß nicht, es ist ja auch hoch anzurechnen, daß unser Volk nicht mit Scheuklappen durch die Welt marschiert. Aber um Afrika zu weinen und dafür Gelder zu sammeln, dann aber statt beispielsweise Bananen aus dem fairen Handel in einem dieser kleinen Läden zu kaufen, doch lieber fleißig die Billigprodukte aus dem Supermarkt um die Ecke zu holen, das ist etwas wofür ich mich schämen würde. Wenn schon Afrika – dann aber richtig, nicht wahr?

Das Ganze kann ich nur mit sehr kritischen Blicken verfolgen und weiß jetzt schon, daß ich auch in diesem Jahr meine Unterstützung national-angesiedelten Projekten zukommen lassen werde. Denn ich will dem Obdachlosen, der in der Fußgängerzone sitzt und Angst vor dem nächsten Winter hat, bei einer Spende nicht mit hochrotem Kopf in die Augen sehen, weil ich weiß der Afrikaner am Ende der Welt, den ich niemals sehen oder kennenlernen werde, zu dem ich keinerlei Bezug habe, hat mehr bekommen, als die Menschen vor meiner eigenen Haustüre.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim nächsten Obst-, Gemüse- und Kaffeeeinkauf.

Foto: © SXC

(Markus)



6 Kommentare zu “Wir heucheln um die Wette”

  • 1
    Peter GERMANY


    Servus Leute, an sich mögt ihr mit dem Text ja Recht haben.
    Mein Problem bei dieser ganzen Überlegung ist nur: ,,Warum geht der Obdachlose nicht zum Sozialamt?”

    Die Antwort ist oft, nicht immer, sie gehen zum Sozialamt holen sich dort Geld und gammeln dann noch ein Wenig in der Fußgängerzone um sich noch ein wenig Geld zu besorgen. Am Ende eines solschen Tages hat der Obdachlose dann Geld mit Rumlungern verdient, während andere arbeiten gehen.

    Zudem sind die Meisten Bettler in Deutschlands Fußgängerzonen wahrlich nicht aus deutshcen Landen, sondern Meistens aus Rumänien oder Ungarn und werden durch Drückerkolonnen in einem Fremden Land ausgesetzt und drüfen am Ende des Tages alles Geld für eine gammelige Suppe und eine vollgepisste Matratze abgeben.

    Also von wlechen unterstützenswerten Wesen redest du, wenn du von Deutschland sprichst? Ich sehe nur immer wieder die Leute, die zu faaul sind Erdbeeren zu pflücken, obwolh sie vom Arbeitsamt, zu Recht, dazu verdonnert wurden. Ne, wir Deutschen fressen lieber dei von den Polen gepflückten Erdbeeren und schimpfen dan später auf alle Ausländer.

    Tut mir leid dass mein Kommentar so ,,links” klingt, aber der Text ist einfach zu dreist, entweder wir lassen Afrika verhungern oder helfen, aber rausereden ist ein Armutszeugnis.

    MkG Peter

  • 2
    Steven GERMANY


    Hallo Peter!

    Natürlich gibt es Sonderfälle, die hier nicht unbedingt den Anlaß für den Text gaben. Insofern ist es eventuell unangebracht im öden Schubladendenken die Meinungen anderer abzuhandeln und eine Sache als unrichtig zu verwerfen, nur weil man die ignorante Meinung vertritt, das man alles und jeden über einen Kamm scheren müsse. Es sei nun mal festzuhalten, daß es sich insbesondere die BRD zur Aufgabe gemacht hat, den großen Retter und Unterstützer anderer Länder zu spielen. Das mag bei Spenden gen Afrika anfangen und hört dann irgendwo bei U-Boot-Lieferungen nach Israel auf. Nur versteht man darunter nun mal kein Handeln im Sinne des Volkes und dieser Punkt dürfte unbestreitbar sein.

    Freilich bestimmen Betrug und Mißgunst viele unserer Meinungen sowie Ansichten in Bezug auf solch’ sensiblen Themen. Gleichwohl haben Geldspenden nicht immer den Erfolg, den man sich davon erhofft hat. In Afrika beispielsweise sorgen diese ach so großzügigen Spenden eher für Korruption und ausgeprägten Materialismus, anstatt für relevante Hilfe im Sinne dessen, für was es angedacht war. Bei der Überweisung auf das Auslandskonto macht man sich darüber aber freilich keine Gedanken - schließlich hat man ja was überwiesen, und das soll in dieser - unserer - Welt ja schon mal was heißen. Gleichwohl liegt Dichtung und Wahrheit immer sehr nahe beieinander und wer Werte der Realität mit Träumen und Schäumen verwechselt, läuft etwas verkehrt durch die Welt.

    Also trennen wir uns doch von dem Gedanken, daß es keinen Individualismus geben darf und nehmen uns dem einfach mal an. Denn dann und wann erkennt man auch, daß die Verarmung in Deutschland sukzessive angestiegen ist und die Verwendung des Wortes “Straße” nur eine allgemein-verständliche Situationsbeschreibung liefert. Frauen und Kinder sehe ich somit durchaus als unterstützenswerte “Wesen”. Freilich liegt das aber wieder im Auge des Betrachters.

    Gruß,
    Steven

    N.S.: Eine Frage noch zu den Erntehelfern. Woher beziehst Du eigentlich Deine Informationen, die Du hier so vehement vertrittst?

  • 3
    Peter GERMANY


    Hallo Steven,

    mein Wissen beruht auf allgemeinen Daten und Informationen. Speziell bei der Erdbeerernte musten ganze Felder niedergemacht werden, weil die deutschen Erntehelfern icht zur Arbeit erscheinen, sieht man immer in den Medien, aber kann ich durch Erlebnisse von Freunden bestätigen.

    Ich sehe das Problem einfach in unserer Sozialschmarotzergesellschaft, ansonsten sehe ich es Ähnlich wie du, nur scheint es mir, als ob du dich mit deinem Text auf komische Art rechtfertigen willst, warum dir Afrika doch eigentlich scheißegal ist.

    Ich sehe es so, Afrika hat Probleme und wir solltne helfen. Allerdings haben wir genug eigene Probleme und sollten und zunächst um eben diese schweren, danach kann jedem anderen geholfen werden.

    Nationaler Sozialismus, nationale und Internationale Solidarität!

  • 4
    Steven GERMANY


    Hallo Peter,

    nun Afrika ist mir keineswegs “scheißegal”, nur sehe ich leider auch, daß wir innerhalb unseres Landes derzeit genug eigene Probleme haben. Wir wollen und sollten schließlich nicht vergessen, daß dieses Land sowie Teile des Volkes hochverschuldet sind. Zum anderen kann uns keiner Egomanentum vorwerfen, da wir schon vor vielen Jahren unsere Solidarität in vielen Arten und Formen gezeigt haben - weit vor Merkel, Schröder und Konsorten. Nur heißt Solidarität nun mal nicht einen Überweisungsträger auszufüllen und für die Wählerschaft etwas Mitleid gegenüber Dritten zu heucheln.

    Gleichfalls kann ich nicht einerseits von Nationalen Sozialismus sprechen und andererseits mit engstirnigem Denken alle über einen Kamm scheren. Denn freilich gibt es Schmarotzer, die wird es auch immer geben. Nur ist nicht jeder automatisch ein Schmarotzer der nicht zur Feldarbeit erschienen ist. Und wenn das Deine Definition von Nationalen Sozialismus sein soll, hast Du wohl etwas mächtig mißverstanden. Man entledigt sich seiner Probleme bestimmt nicht, wenn man das eigene Volk verleugnet und stattdessen alles auf eine Karte und eine Volksgruppe setzt.

    Unserem Volk gehört nun mal geholfen und das nicht ausschließlich mit geldwerten Vorteilen. Jedoch wäre es bei der derzeitigen Steuerlast - insbesondere bei Familien - eine Geste, welche wir uns leisten müssen. Kann man das nicht einsehen, ist es einfach nur erbärmlich in diesem Atemzug von Nationalen Sozialismus zu sprechen.

    Gruß,
    Steven

  • 5
    Friktor GERMANY


    Meine Freundin hatte sich eine Seltersflasche gekauft. Auf dem Etikett stand, daß soundsoviel Cent zur Hilfe nach Afrika geschickt werden und es wurde bereits dort ein Brunnen gebaut.
    Ein Brunnen? Jeder dumme Bauer in Europa konnte sich vor 500 Jahren und noch früher selber einen Brunnen bauen. Wir sehen es an historischen Funden. Doch die Afrikaner brauche extra Hilfe aus Europa, um für sich Wasser schöpfen zu können. Ich glaub es einfach nicht. Wahrscheinlich wurde er im Laufe der Zeit mit unserem Geld so verwöhnt, daß er nicht mal imstande ist derartige Arbeiten selber auszuführen. Lieber hängt er auf Muttern rum und verschafft uns in Europa weitere Probleme.
    Wie sagte doch Lenin in seinem Buch “Über die Kultur”:
    …..Solidarität, das heißt in erster Linie das eigene Land aufbauen, damit es als Vorbild für andere Länder wirken kann.”
    Dem habe ich nichts zuzufügen.

  • 6
    Tom GERMANY


    Das Beispiel mit den Erdbeerfeldern ist natürlich total unangebracht. Wenn der Bauer ordentlich Lohn zahlen würde, kommen auch genug Leute. Wenn er dann aber die wahrscheinlich teueren Erdbeeren nicht mehr absetzen kann, dann muß eben die Erdbeerproduktion in Deutschland eingestellt werden. Wenn einer hier eine Textilfabrik aufmacht, kann er da auch nicht billige Näherinnen aus Polen oder der Walachei beschäftigen, deswegen kommen 90% unserer Klamotten aus China oder der Türkei.

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