Wochenrückblick 26/2007
15.07.2007, 23:50 Uhr
Donnerstag
Es gibt ja bekanntlich in so ziemlich jedem Kulturkreis Riten oder Traditionen. Ganz gleich wohin man schaut, so findet man in der westlichen als auch in der östlichen Welt jede Menge dieser Bräuche. Sicher sind die meisten davon auch harmlos bzw. sogar erheiternd, aber was alle Jahre im spanischen Pamplona geschieht, ist nicht nur fernab jeder Ethik und Moral, nein, es zeigt die dümmste, verrohte und häßliche Seite der Menschen, die dort leben. Oder sollte man sagen, “der Menschheit”?
Nun, es spiegelt auf alle Fälle die grausame Realität wider, zu der wir Menschen fähig sind. Es bedarf in Pamplona nicht einer radikalen Gruppe, faschistoider Denkweise oder radikal-religiösen Gruppen, nein, vielmehr sind es die ganz normalen Bürger, die das ganze Jahr unauffällig sind. Es sind auch Touristen, die extra für dieses Ereignis nach Spanien reisen. Wovon ich hier überhaupt rede? Von der alljährlichen Stierhatz durch die Gassen in Pamplona, einem, regelrechten Gemetzel und daher auch ein Schauspiel von grausamer Art.
Bereits seit dem Jahr 1592 besteht diese Jagd der Stiere in Pamplona. Anlaß hierfür ist ein Fest das jedes Jahr vom sechsten bis zum vierzehnten Juli gefeiert wird, die “Sanfermines”. Das Fest wird dort zu “Ehren” eines Schutzheiligen gefeiert. Während dieses Festes, werden jeden Morgen um 8:00 Uhr die Stiere auf einer 825 Meter langen Strecke durch die Straßen in die Arena getrieben. Hierbei laufen jede Menge Menschen vor den Stieren her und versuchen ihren besonderen Mut damit zum Ausdruck zu bringen.
Das Resultat dieser sinnlosen und an Perversion grenzenden Tragödie waren am sechsten Tag des Festes: Sieben zum teil schwer verletzte Personen. Nun mag man zwar sagen, es geschehe ihnen recht, diese Meinung teile ich im übrigen auch, aber der Brauch an sich, der in meinen Augen eine einzige Tierquälerei ist, sollte die Damen und Herren, die über die europäischen Länder mit Argus Augen wachen aufschrecken. Doch es mutet einem an, als sei das einfach allen egal, so egal wie Steinigungen oder eine Beschneidung einer Frau in anderen Ländern.
Vor einem Stier mit 600 Kilogramm her zu rennen ist einfach nur idiotisch und hat sicherlich nichts mit Mut oder besonderem Ansehen zu tun, sondern vielmehr mit der Darbietung von dem, was tief in uns Menschen oft noch schlummert, ein Zorn der durch solche Weise zum Ausdruck kommt und einmal mehr die dunkle Seite, die viele Menschen durch den Alltag tragen.

