“Ich bin ja Kunde bei Ihnen!”
16.08.2007, 02:21 Uhr
Es gibt so einige Tage, wo man sich die Frage stellt, ob die eigenen Mobilfunkkunden nicht doch etwas zu viel Strahlung abbekommen haben. Da hat man zum Beispiel den Kundenkreis, der vor Anfang des Gesprächs groß ankündigen muß, daß er ja ein Mobiltelefon oder gar einen Vertrag habe. Ja, der nackte Wahnsinn, wäre ich ja so nie drauf gekommen. Schließlich begrüße ich ja auch einen Autohändler mit: Ja, Hallo, ich suche ein Auto! Ja, ne, Pilze wird es hier wahrscheinlich nicht geben.
Glaubt man dann auch, man habe dann schon die Hälfte dessen, was noch kommen dürfte, überwunden, wird man bitter enttäuscht und sodann geht der Kunde direkt zum nächsten über: “Über mein Anliegen habe ich bereits mit einer Kollegin von ihnen gesprochen.” Auch diese Feststellung ist ja nicht schlecht, immerhin weiß der Kunde noch, was er getan hat - ist die Strahlung also nicht soweit vorangeschritten. Aber mal ehrlich, die meisten Mascara-Schnitten will ich bei uns sowieso nicht kennen und schon gar nicht kann ich was dafür, daß er mit ihnen gesprochen hat. Er kann ja noch mal am Glücksrad drehen, vielleicht gibt’s ‘nen Trostpreis für.
Dann und wann ist der Kunde endlich zum wesentlichen gekommen und in den meisten Fällen ist der Ablauf auch fast immer derselbe und man fragt sich schon, inwieweit man IQ-Tests für so manche Vertragsabschlüße einführen sollte. Das gute ist, ich bin vielleicht ein arrogantes Arschloch, aber es gibt Gott sei Dank auch nette Kunden, die wirklich gleich zum wesentlichen kommen und auch mal einen Schwung aus ihrem Leben erzählen. Das interessiert mich bei weitem mehr, als Tatsachen, die eigentlich schon ersichtlich sind.
Aber zurück zum unsympathischen Kundenkreis: Im schlimmsten Fall hat der Kunde eine Laune, wie ein altes Stachelschwein und motzt erst mal über irgendwelche völlig banalen Dinge rum und lamentiert ewiglich über Nichtigkeiten. Da meine Omi mir aber so einige kesse Sprüche auf den Weg gegeben hat, sind solche plumpen Anmachen auch schnell überwunden und in den meisten Fällen kann man den Kunden wirklich weiterhelfen. Wobei manchen wirklich nicht mehr zu helfen ist. Denen, den man jedoch helfen konnte, beruhigen sich in meisten Fällen auch schnell wieder und kommen wieder von ihrem Teppich runter. Bis zum Ende des Gesprächs natürlich die absolute Granate fällt, von wegen ich sei ein Schatz. Ja gut, das wußte ich schon vorher. Aber ab und an mache ich mir schon so meine Gedanken, wenn derartige Komplimente von männlichen Kunden kommen. Vielleicht sollte ich noch mehr rauchen, bis ich ein alte verhunzte Raucherstimme habe, die sowas von unsympathisch ist, das gleich vor Beginn des Gesprächs Feierabend ist.
Tja, und was lernen wir jetzt draus? Lieber Kunde, komme zum wesentlichen, Zeit gibt’s nicht geschenkt.
So, und nächste Woche gehen wir der Frage auf den Grund, wie man nur eine Oberschale im Laden kaufen will und mit drei Verträgen wieder rauskommt. Welche Mittel hat man wohl geschluckt und was zum Henker sollte man dann noch machen?
Foto: © SXC

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