“No go areas” - Made in Germany?
05.09.2007, 22:58 Uhr
Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden gab der nun seit mehreren Wochen anhaltenden Diskussion über die „No-Go-Areas“ in Deutschland neuen Zündstoff. Mit seiner Aussage: „Gestern Farbige, heute Ausländer, morgen Schwule und Lesben oder vielleicht Juden“ entfachte das Feuer erneut.
Liest man sich in den letzten Wochen einmal quer durch die Medienlandschaft, so könnte einen fast der Eindruck übermannen, es sei ein Fehler gewesen damals die Mauer, die durch das Land der Deutschen verlief, einzureißen. Sind es nicht die Ossis, die herumlungern und keine Arbeit haben, die perspektivlos und ziellos umherirren, die den Ruf unseres Landes in den Dreck ziehen? Die Ossis sind’s, wer denn sonst? Das sind doch alles Altfaschisten und Neonazis. Das sind doch die Vagabunden der Gesellschaft, eingehüllt in eine Seifenblase von Reichtum, Luxus und Glückseligkeit. Doch Halt! Der aufmerksame Leser stellt sich ja jetzt an diesem Punkt die Frage: „Wo wohnt der Markus denn, oder besser, woher kommt der denn?“ Doch nicht etwa aus dem Osten? Nein, tut er nicht, er haust seit eh und je in der Mitte Deutschlands und das wird auch erst mal so bleiben. So, da nun der Faktor „Rechenschaftsbericht“ hier ja nicht mehr zutrifft, geht’s weiter im Text, immerhin sind wir ja nicht zum Spaß an den Rechner gekommen.
Wenn Honecker sehen könnte, wie man „seine“ ehemalige Republik mit Nazis in Verbindung bringt, ich glaube er würde im Grabe noch einen Kubikliter Tränen heulen. Man glaubt es kaum, das ehemalige Land der Kommunisten und Rotröcke soll also tatsächlich durch den Fall der Mauer sukzessive in braune Klauen gewandert sein? Die Übergriffe scheinen ja tatsächlich nur im Osten statt zu finden. Oder ist es gar möglich, daß man das nur allzu gerne hätte, denn ein Problem der Ausländerfeindlichkeit läßt sich nun einmal besser dem Ausland gegenüber verkaufen, wenn man es an der ehemaligen DDR festnagelt. Natürlich, man kann ja im Westen auch nichts dafür, daß da „drüben“ jahrelang alles vor die Hunde ging und das dauert nun halt mal seine Zeit, bis man den Osten auch wieder „demokratisch“ erzogen hat.
Mügeln macht es allen klar, der Stempel ist auf den Osten des Landes aufgedrückt und dort wird er wohl auch noch lange bleiben. Ostdeutschland = Nazideutschland. Ich persönlich dachte eigentlich, daß es nur noch ein gemeinsames Volk hier gibt und demnach auch nur gemeinsame Probleme, aber ich habe mich wohl doch geirrt. In Mügeln fand eine “Straßenjagd” über dreißig Meter statt, die bis heute noch nicht restlos geklärt ist, aber dennoch ist Mügeln jetzt wohl auch eine „No Go Area“ geworden. Da erlaubt sich der Bürgermeister sogar ein Interview mit der Zeitung „Junge Freiheit“ deren politischer Standpunkt sicherlich nicht links der Mitte zu finden ist, und schon ist der letzte Sargnagel in Mügelns Eichenkiste eingeschlagen.
Wie werden den die kommenden Jahre aussehen? Wird es einen Michelinatlas geben in dem ostdeutsche Städte mit einem roten Kreuz durchgestrichen sind, damit jeder Ausländer, Schwule, Jude oder Farbige weiß „Oh, hoppla, da geh ich mal nicht hin, das gibt sonst nur derbe auf die Fresse….“? Kann man denn im Internet dann alle Städte aufgelistet sehen, in denen man zu verschiedenen Wahrscheinlichkeitsprognosen gefährdet sein wird? Also Mügeln achtzig Prozent, Sebnitz zehn Prozent? Wir, die alle so gerne in der Öffentlichkeit davon reden wie stolz wir darauf sind, daß es wieder ein gemeinsames Deutschland gibt, wir Bürger, die damals das erreichten, was in den Herzen brannte, nämlich die Wiedervereinigung, wir lassen es zu, daß moralisch und in Gedanken bereits eine neue, doppelt so hohe und dreimal so breite Mauer gezogen wird? Alle Achtung, das muß man erst einmal verdauen.
Es steht außer Frage, daß Gewaltverbrechen jeder Art zu verurteilen sind und das sollte man auch nicht schönreden. Dennoch muß jeder auch einmal überlegen, was er oder sie denn da in der Presse von sich gibt. Eine Hand voll Geisteskranker machen noch lange nicht ganze Bundesländer zu Irrenanstalten.
Foto: © SXC



4 Kommentare zu ““No go areas” - Made in Germany?”
06.09.2007, 09:19 Uhr
Es ist eine geschichtliche Erfahrung, dass die Anhänger und Werkzeuge des Nationalsozialismus nach Kriegsende bis in die Etagen der jungen Bundesrepublik und auch in den Einfamilienhäuschen “überlebt” haben.
Nach dem Ende einer Diktatur ist nicht plötzlich einfach “alles anders”. Auch die “NBL” müssen das Erbe der DDR aufarbeiten und nachtherapieren!
Statt Wehklagen ins Internet zu setzen, sollte anerkennt werden, dass auch im Osten das blüht, was im Westen schon immer keimte: Neualte Paranoide Dummheit!
Wenn die Politik die Leute allein lässt mit ihren ökonomischen und sozialen Problemen - weil es offenbar zu teuer sei - wird terrorisiert! Wir alle haben das zu verantworten!
06.09.2007, 20:56 Uhr
Ob der obige Artikel in irgendeiner Form etwas mit “Wehklagen” zu tun hat, vermag ich stark zu bezweifeln. Gleichfalls sollte man auch den Titel dieser Netzseite nicht aus dem Auge verlieren, schließlich kommt die Namensgebung des “Brennpunkts” nicht von ungefähr. In sofern schreiben wir, was unter unseren Nägeln brennt. Obschon Du das lesen willst oder nicht, ist insofern unerheblich. Schließlich kann man heutzutage so ziemlich jedes Buch bzw. jeden Artikel als Schmarn auslegen - wenn man es denn will.
Der gewählte Ort könnte also gar nicht besser sein. Wem es widerstrebt - meinetwegen. Aber dann muß schon mehr kommen, als plumpe Polemik und kurzes Palaver. Denn die Frage der Verantwortung nach dem wie und warum, wurde nicht gestellt. Aber es ist schön eine Antwort auf etwas zu erhalten, nach was man gar nicht gefragt. Kenne ich von unseren Kunden. Das sind jene, die ihren Standpunkt drei Stunden lang vertreten um dann und wann zum wesentlichen zu kommen. Gott sei Dank ist dann aber Feierabend.
14.09.2007, 13:40 Uhr
Da fällt mir der Schießbefehl der linksextremen Diktatur der ex-DDR ein. Ein riesiges Geschrei quer durch die Medien, als dieses Dokument entdeckt wurde. Ja was dachten die Leute denn, woher die Toten an der “innerdeutschen” Grenze kamen, glaubten die, die seien von der Mauer gefallen oder was. Was die jüngste Diktatur Deutschlands betrifft, da ist noch viel Aufklärung nötig- vor allem wenn man sieht, dass die ehemalig SED-Partei, DIE LINKE schon wieder munter im Politbetrieb werkelt.
29.11.2007, 14:10 Uhr
“No go areas” - Made in Germany? Provokante Frage, nein wenn es sie in Deutschland gibt, was ich im Moment weder bestätigen, noch verneinen kann, weil ich selber noch durch keines gelaufen bin
dann sind sie sicher nicht “Made in Germany” sondern Made in USA (siehe Harlem)
Aber wenn es diese “No go areas” gibt, dann dürfte die Ursache wohl in einer verfehlten Einwanderung-Politik zu suchen sein.