Bald im Kino: “Das Leben des Deutschen”?
06.09.2007, 00:08 Uhr
Nahezu dreißig Jahre ist es nun her, als damals der Arbeitgeberpräsident Hans-Martin Schleyer von der RAF entführt und letztendlich ermordet wurde. Grund genug um einmal über die derzeitige Terrorsituation im eigenen Lande zu philosophieren. Damals prägte sich die Bezeichnung „Deutscher Herbst“ in viele Menschen als Assoziation mit der Terrorwelle der RAF ein. Angesichts der aktuellen Meldung, daß Deutschland wohl auch einem Terroranschlag entgangen sei (heute wurden drei Personen mit chemischen Materialien die zur Herstellung von Bombenanschlägen gedacht waren, festgenommen) stellt sich die Frage, ob wir nicht insgeheim schon einen „Deutschen Winter“ erleben.
Die Überwachungsideen von Herrn Schäuble kennen ja nun kaum noch Grenzen und der Weg für den endgültigen Überwachungsstaat wird Stück um Stück geebnet. Schäuble, der noch vor kurzem das Waffenrecht lockern und damit an EU-Richtlien angleichen wollte (Besitz von scharfen Waffen ab 18, statt wie bisher ab 21 Jahren), hat er ja gerade noch einmal bemerkt, daß er sich da ja selbst ins Knie schießen würde, was im übertragenen Sinn auch nichts mehr an seiner Lage ändern würde. Wie weit ist der Terror denn nun eigentlich in Deutschland gediegen? Diese Frage wird man in wenigen Jahren nur noch wie in Amerika beantworten können: „Jederzeit ist ein Anschlag möglich.“ Also sollten wir alle damit rechnen jeder Tag könnte der letzte sein? Auch nicht schlecht, dadurch verändern sich sicherlich einige Lebenseinstellungen von uns allen, immerhin will man die paar Stunden die man noch hat ja auch genießen.
Die Versuche öffentliche Gebäude, Bahnhöfe oder Flughäfen mit Kameras, die biometrische Merkmale erkennen und bei Verdacht sofort melden, zu bestücken, schlug bisher aufgrund der mangelnden Funktionsfähigkeit der Geräte, fehl. Bei Versuchen wurden je nach Lichtverhältnissen beispielsweise nur bis zu zwanzig Prozent der Gesichter erkannt, die man zuvor in eine Datenbank eingepflegt hat. Nicht beachtet sind Faktoren, wie verändertes Aussehen durch Perücke oder Merkmale wie Bartwuchs oder Sonnenbrille. Doch irgendwie muß man sich doch schon wundern: Wir machen uns über alle möglichen Gefahren des Alltagsterrorismus Gedanken, während in Amerika mal ganz zufällig ein B-52 Bomber von Nord nach Süd „aus Versehen“ mit sechs Atomraketen bestückt wurde. Ja, kann ja mal passieren, so ein kleiner Fauxpas, auch wenn dabei ein ganzes Land draufgehen würde, was soll’s, wir haben ja noch mehr Kontinente auf dem Erdball.
Was ist also schlimmer für uns alle? Die Gefahr von Terroristen, die man definitiv nicht greifen kann, wenngleich dies auch mit daran liegt, daß einfach „noch“ nichts passiert ist, oder damals die Terrorakte der RAF? Oder macht das am Ende gar kein Unterschied mehr? Für mich schon, denn damals profitierte kaum jemand von der Angst, was heute etwas anders aussieht. Als Übergröße steht der “Terrorismus im Allgemeinen, unbeachtet ob politisch hinterlegt, ob von Islamisten, Neonazis, Anarchisten oder Buddha persönlich. Würde man Schäubles Ideen alle verwirklichen, so wird es gefährlich einen längeren Bart gepaart mit eng zusammengewachsenen Augenbrauen zu tragen, könnte ja der Ali-Baba von nebenan sein.
Ich für meinen Teil sehe mich als Systemkritiker und liebe das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ich bin gespannt, wie es Menschen wie mir in Zukunft gehen könnte, würde Vater Staat seine Eingriffe in die Privatsphäre ausdehnen. Ich weiß ja jetzt schon nicht, was der Staat alles über mich weiß und da wird es vielen ähnlich gehen. Ich hoffe wirklich, daß der politische Seifenkistenrennfahrer bald über seine eigenen Füße, pardon, seine eigenen Pläne stolpert. Fälle wie der Mafiamord geben ihm leider genug Auftrieb um seine Gedanken weiterhin unter das politische Fußvolk zu bringen, sah man da auf einer Überwachungskamera ja immerhin zwei Gestalten. Wo führt das denn hin? Gibt es überhaupt noch Grenzen? Man wird in der Firma überwacht, am Postschalter, in Tankstellen, Bahnhöfen, Flughäfen und, und, und. Eigentlich könnte man aus den Reisen eines Vertreters innerhalb eines Jahres einen Kinofilm drehe, bei der Menge an Überwachungsmaterial.
Tragen wir der Fahndungssucht nach potentiellen Terroristen hier einfach auch mal Rechnung: BOMBE, TERROR, AMERIKA, BUMM, PLATSCH, PENG. Ich gehe schon mal zur Tür, wird ja sicherlich gleich klingeln… .
Foto: © SXC

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Ein Kommentar zu “Bald im Kino: “Das Leben des Deutschen”?”
06.09.2007, 00:13 Uhr
PKK News, Schwaffel-Laber Schaltab mein Name. Wir berichten hier hautnah und in Farbe aus der Mitte Deutschlands vom Markus, der in einem seiner Beiträge verschiedene Synonyme für den Wahn des Krieges und Terrors verwandte. Noch einmal konnte ein möglicher Terroranschlag verhindert werden. Gott, was sind wir froh. Nun aber weiter im Programm: Heute mit Jack Bauer, der sich wieder aufgemacht hat die Welt zu retten. Grusel, grausel und Türe zu.