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Der Fachkräftemangel, der keiner ist

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08.09.2007, 00:35 Uhr

Nach einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind momentan 24.100 Ingenieure bzw. Ingeneurinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen in der Bundesrepublik ohne Arbeit. Und das obwohl doch eigentlich Fachkräftemangel herrschen sollte. Schließlich beklagen Wirtschaftfunktionäre und auch Politiker den andauernden Mangel an Fachkräften schon seit Jahren. Dabei ist sich so mancher elitärer Kreis nur zu schade dafür, Langzeitarbeitslose und Frauen mit den geforderten Qualifikationen in Arbeit zu bringen. Stattdessen diskriminiert man Arbeitssuchende und setzt verstärkt auf ausländische Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Ländereien.

In Bezug auf den zu befürchtenden Fachkräftemangel in Zukunft, schreibt das IAB weiter:

Der mittelfristig zu erwartende Akademikermangel wird sicher auch den Ingenieurbereich treffen. Viele Ältere werden aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die Studienanfängerzahlen in den Ingenieurwissenschaften sinken seit 2004 wieder und die Studienabbrüche sind überdurchschnittlich häufig. Der künftige Ingenieursmangel erfordert ein breites Bündel von Maßnahmen, auch eine gezielte Zuwanderung. Nötig ist aber vor allem eine neue Bildungsexpansion – nicht irgendwann, sondern jetzt.

Interessante Sichtweise, wenngleich man bedenkt wieviel Kraft und Energie in den drohenden Kräftemangel gesteckt wird: Richtig, gar keine! Schließlich können Fachkräfte aus dem Inland ins Ausland abwandern. Zumal die Bezahlung dort ja wesentlich besser sein soll. Immerhin möchte sowieso jeder fünfte Deutsche ins Ausland abwandern. Das ergab zumindest eine ungemein repräsentative Umfrage mit insgesamt 883 Befragten. Hierbei stellte das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) fest, daß der zweithäufigste Grund fürs Abwandern der Arbeitsplatz sein soll. Paßt doch hervorragend, oder? Wobei natürlich die zweifelhafte Studie ein Griff ins Klo war und sogar N-TV es mittlerweile vorzog die Meldung wieder schleunigst zu entfernen (die alten Lückenfüller der Presse halt…).

Dabei erinnert mich das an ein Zitat von Annette Schavan, die in jenen Tagen das Amt der Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU) begleitet. “Deutschland muß deutlich machen, daß es an ausländischen Talenten hoch interessiert ist.” Da hat sie es wohl wieder auf den Punkt gebracht. Und wenn die ehrenwerte Frau Schavan durch solche Aussagen nicht für das Amt der Bundesministerin für Bildung und Forschung prädestiniert ist, weiß ich auch nicht weiter.

Nur eigentlich ist nicht Deutschland an diesen “Talenten” interessiert, sondern eine umsatzgierige Wirtschaft mit ihrem besten Knecht der BRD. So wird dann auch ein Schuh daraus. Also immer hübsch die Taschen zuhalten bei Reden von Wirtschaftsfunktionären und Politikern. Andernfalls keucht und fleucht so manch’ schmutzige Affäre in den Hosentaschen rum. Kann unter Umständen übel riechen…

Foto: © SXC

(Steven)

2 Kommentare

  • Benutzerbild 2 Steven 16.09.2007, 21:37 Uhr
  • Den Firmennamen in Deinem Kommentar habe ich sicherheitshalber entfernt. In jenen Tagen soll es ja so manchen übereifrigen Anwalt geben, der daraufhin prompt eine Abmahnung ausstellt.

    Aber zurück zum Thema: Du hast Recht, und leider trifft das den Mittelstand sowie Großkonzerne gleichermaßen. Glücklich kann sich schätzen, wer das Studium mit einem Master oder Bachelor verläßt und gleich genommen wird. Im schlechtesten Fall kann man natürlich erstmal eine Praktikantenrunde schieben – unabhängig vom Leistungsdurchschnitt, der kann mitunter hervorragend sein.

    Schlimmer jedoch ist, daß der Wille der heute Lernenden, auch Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, schamlos ausgenutzt wird. Glücklich kann sich der schätzen, der am Ende noch einen Kugelschreiber des Großkonzerns geschenkt bekommt. Schließlich heißt die Devise: Immerhin etwas…

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  • Benutzerbild 1 SoNicht 15.09.2007, 17:23 Uhr
  • So lange Mitarbeiter so behandelt werden, wie es mir geschehen ist, kann man wohl wirklich noch nicht von Fachkräftemangel reden.

    Ich wurde 2003 als unbezahlter Praktikant/Wissenschaftlicher Mitarbeiter 6 Monate von der CIS (…) in Erfurt ausgenutzt.

    Als man mich dann nicht wie versprochen nach 6 Monaten eingestellt hat, bin ich vors Arbeitsgericht Erfurt gezogen und habe, da natürlich alles abgestritten wurde, den Arbeitsgerichtsprozess verloren. Meine Leistungen waren übrigens, wie auch im Arbeitszeugnis bestätigt wurde, sehr gut.

    Da ich seinerzeit von Sozialleistungen lebte, musste ich, um den Arbeitsgerichtsprozess führen zu können, Prozesskostenbeihilfe beantragen, die auch genehmigt wurde. Vor einigen Tagen habe ich nun ein Schreiben des Arbeitsgerichtes Erfurt erhalten, in dem die Kosten für den Arbeitsgerichtsprozess in Höhe ca. 1400 EURO von mir zurückgefordert werden. Nicht genug damit, dass ich unbezahlt gearbeitet habe. Jetzt muss ich auch noch draufzahlen. Dieses Schreiben hat bei mir alles wieder – wie eine ins Unterbewußtsein abgetauchte Wasserleiche – hochkommen lassen. Ich empfinde die Demütigung unbezahlt gearbeitet zu haben stärker als je zuvor.

    Wer meint fleißige MA so behandeln zu können, gehört als asoziales Unternehmen ganz dringend an den Pranger gestellt.

    Schlimm ist, dass man das Trauma, unbezahlt gearbeitet zu haben, niemals mehr los wird. Der Hass auf diejenigen, die einen ausgebeutet haben, wird mit den Jahren immer größer. Je mehr man verdient, um so mehr merkt man, wie sehr man ausgenutzt wurde. Setzt Euch diesem Trauma nicht aus.

    Leute ich kann Euch nur raten: kein Praktikum. Verlangt direkt, was ihr Wert seid. Und wenn die Euch noch so oft erzählen, wie wichtig ein Praktikum ist. Die wollen die produktivste Zeit Eures Lebens für umsonst und erzählen dafür sonstwas für Märchen.

    Und wenn Ihr in einem von Arbeitslosigkeit geplagten Bundesland wie Thüringen lebt, in dem man es sich wegen des (noch) reichlich vorhandenen Fachkräfte-Pools meint, erlauben zu können, dieses wie den letzten Dreck zu behandeln und auszunutzen, dann mein weiterer dringender Rat: Nichts wie weg.

    Ich lebe übrigens jetzt in Baden-Württemberg. Glücklicherweise.

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