Bitte keine Veränderungen!
24.09.2007, 00:22 Uhr
Was wird in manchen Vorstandsetagen nicht so alles über Umsatzverluste und kontraproduktives Verhalten der eigenen Mitarbeiter debattiert. Tatsache ist, daß man sogar Lösungen sucht, welcher jedoch eher einem verzweifelten Hilferuf gleichen, als einer Lösung nahe kommen. Aber immerhin etwas. Darüber hinaus sind die Mitarbeiter natürlich hoch erfreut wieder den alljährlichen Umfragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit auszufüllen, schließlich muß man diesen ohnehin abgeben, sonst schaut so mancher Abteilungsleiter, dessen Funktion bis heute noch nicht so ganz geklärt ist, ziemlich grimmig drein. Natürlich nur, um den Mitarbeiter in dem Gefühl zu lassen, er werde gehört.
Das funktioniert dann ungefähr drei Mal und alsbald sitzen dann frustrierte und demotivierte Kollegen vor der vierten Umfrage. Nur um dann und wann die Feststellung zu treffen, daß sich Ignoranz und Konservatismus seit dem Entstehen des Kapitalismus wie ein grauer Schleier durch die Wirtschaftswelt ziehen und es das vorherrschende - zugleich zweifelhafte - Gut bei vielen Großkonzernen ist. Freilich ist gegen konservative Einstellungen grundlegend nichts einzuwenden. Natürlich nur, solange diese Einstellung nicht auf Kosten der Belegschaft geht. Ist dies aber der Fall, sollte sich so manches selbsternanntes Familienunternehmen weniger Sorgen um sein nichtvorhandenes Öffentlichkeitsbild machen, als vielmehr um die eigene Produktivität. Und das zur Abwechslung einmal nicht um nur den Umsatz zu steigern.
Da wird gequasselt die Kundenreklamationen seien zu hoch, der Umsatz zu niedrig und die Produkte müssen verbessert werden. Naheliegend wäre es an dieser Stelle zur Verbesserung der Produkte diejenigen zu befragen, die an vorderster Front stehen. Ergo jene, die den direkten Kundenkontakt pflegen. Davon ist man aber weit entfernt und verläßt sich lieber auf zweifelhafte Kompetenzgruppen, die über Kundenreklamationen beim Spa lamentieren. Dabei kommen dann auch solche Testläufe raus, den Kunden doch mit Umfragen zu belästigen und sich dessen Meinung direkt zu holen. Ist ja ohnehin authentischer, wenngleich nicht mal annährend objektiv. Oder glauben Sie, daß ein Bauarbeiter, der gerade von seinem Chef wegen schiefer Gips-Karton-Wände zusammengestaucht wurde, noch ernsthaft irgendeinem Kachelzähler am Telefon erzählt, wie zufrieden er mit jenen Produkten ist? Mitnichten!
Moritz Nauer hat es im Headhunter-Blog ziemlich genau auf der Punkt gebracht, und das schon mit seiner Überschrift, wenngleich ich nicht mit allen Aussagen konform gehe. Aber leider beschreibt er mit seinem Beitrag ziemlich genau, wie mit Kreativen in der heutigen Wirtschaftswelt umgegangen wird. Dabei gibt es nicht umsonst den Spruch, daß den Kreativen die Welt gehöre. Nur leider wird dies nur bei den wenigsten Vorstandschefs ankommen und vielleicht immer erst dann, wenn das Kind schon in Brunnen gefallen ist. Freilich wird es den Insolvenzverwalter freuen, ist doch wenigstens sein Umsatz für diesen Monat gesichert.
Foto: © SXC

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