So werden Opfer verhöhnt
24.09.2007, 21:13 Uhr
Am Freitagabend flimmerte eine sehr geschmacklose Neuigkeit über den TV-Schirm: “Bischof rechtfertigt Entsendung von pädophilem Priester”. Gemeint war die Entsendung eines 39-jährigen Priesters im Bistum Regensburg (Gemeinde “Riekofen”), der bereits im Jahr 2000 durch einen Strafbefehl wegen Mißbrauchs von zwei Brüdern eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung erhielt. Damals war der Pädophile Kaplan in Viechtach/Niederbayern.
Jüngsten Ermittlungen zufolge soll der Pfarrer nun im Zeitraum zwischen 2003 und 2006 erneut einen Jungen sexuell mißbraucht haben. Aufgrund dieser Ermittlungsergebnisse wurde der Pfarrer nun verhaftet und verbringt seinen derzeitigen Tagesablauf in Untersuchungshaft. Bescheid wußte unter anderem der Amtsleiter des Bistums, Bischof Gerhard Ludwig Müller, der jetzt mit allen Mitteln versucht den eigenen Kopf aus der schon eng anliegenden Schlinge zu ziehen. Müller äußerte sich in einer Stellungnahme wie folgt: “Ich bin nicht verantwortlich für alles das, was unsere Geistlichen und Mitarbeiter tun.” Weiterhin verwies der Geistliche - und das liest sich für mich wie ein Schlag ins Gesicht - auf Jesus, der ja bekanntlich auch dem größten Sünder verziehen habe.
Alleine diese Äußerung zeugt doch davon, wie verkappt solche Menschen in deren Ämtern sind. Ganz offenbar ist die Kirche heute noch kein Deut weiter als vor Hunderten von Jahren. Die Opfer scheinen hier gleichgültig zu erscheinen und um so wichtiger scheint aber das Ansehen des Bistums und der Geistlichen, die darin arbeiten. Bekannt wurde das Vergehen des 39-jährigen im Juli, woraufhin das Bistum Regensburg mit dem Verweis auf ein siebenseitiges Fachgutachten, das dem Priester keine pädophile Neigung zuordnete, reagierte. Hiermit war die Tatsache, daß es sich um einen vorbestraften Sexualstraftäter handelte, offenbar schriftlich nicht mehr existent.
Fraglich bleibt auch warum Bischof Müller nicht nach der Vorgabe der deutschen Bischofskonferenz handelte, nach der ein vorbestrafter Geistlicher, der sich insbesondere wenn er Sexualstraftaten begangen habe, nicht mehr eingesetzt werden dürfte. In dem kleinen Ort Riekofen, in dem der Pfarrer seinen Trieben frönte, sollen laut Medienberichten nun die meisten der Kinder und Jugendlichen durch die Staatsanwaltschaft befragt werden.
“Wenn Jesus auch den schlimmsten Sündern verziehen hat, wie konnte man dem Pfarrer da eine zweite Chance versagen” - Bischof Gerhard Ludwig Müller
“Wenn Pädophilie in der Kirche bei jedem bekanntgewordenen Fall zum Novum gemacht wird, so ist der Untergang der Gläubigkeit bereits geschrieben.” - Markus, Brennpunkt
Es ist unverantwortlich seitens des Bistums Regensburg, daß man einen Pädophilen wieder in ein kirchliches Amt gelassen hat, da kann man nichts mehr daran beschönigen. Auch vor der Kirche machen die weltlichen Gesetze gottlob nicht halt. Bedauernswert ist nur, daß sich diese “Neuigkeit” offenbar noch nicht bis Regensburg herumgesprochen hat.
Foto: © SXC

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