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Wir sehen uns vorm Finanzgericht!

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28.09.2007, 23:01 Uhr

Natürlich nur aus gutbürgerlicher Pflicht heraus, wollte die Ex-Frau des Beklagten die Steuersünden ihres einstigen Ehegatten zur Anzeige beim örtlichen Finanzamt bringen. Nicht etwa, weil sie selbst auf einem repressiven Rachefeldzug aus ist. Nein, der Gerechtigkeit müsse genüge getan werden. Immerhin seien heutzutage 66 Prozent der Deutschen dafür, daß Steuerhinterziehungen strenger verfolgt werden. Am besten man hackt diesen Verbrechern gleich die Pfoten ab. In Ordnung, ganz so massiv äußerte man sich bisweilen noch nicht, aber es bleibt nicht nur im Fall des Herrn Ichzahlnix und der Ex-Frau Zahllieber interessant, welche Blüten die neuste Entwicklung treiben wird.

Immerhin fast zehn Anzeigen pro Tag gehen mittlerweile bei den örtlichen Finanzbehörden ein. Die Gründe mögen unterschiedlichen Natur sein, der eine hat aufgrund seines Ruhestands einfach zu viel Freizeit (Demographiewandel, kennen wir ja nun mittlerweile alle…) und weiß sich keines anderes Hobbys zu bedienen, während der andere erblaßt im Neid des Besitzlosen. Wo auch immer die wahren Ambitionen dieser Hobbysteuerfahnder liegen mögen, bei den allgemeinen Umfragen geben allesamt an, sie tun dies aus der Pflicht heraus, ein Gleichgewicht der Gerechtigkeit herzustellen. Es könne nun mal nicht angehen, daß der mündige Deutsche in aller Ehrlichkeit und Richtigkeit seine Steuern entrichtet, während der Nachbar völlig zwangfrei die Einfahrt seines schicken Vorstadthauses von einem Arbeitslosen für ein paar Kröten pflastern läßt – und das am Finanzamt vorbei!

Soweit die allgemeine Denkweise, derer, die meinen das richtige zu tun. Völlig außer Acht scheint man zu lassen, in wie fern sich die politische Führungsriege jener Steuermittel aus dem Bundeshaushalt bedient und diese in weitaus verwerflicher Art und Weise zum Fenster hinaus schleudert, als jemand der vielleicht einfach die Lücken des überdimensionalen Steuersystems erkannt hat. Immerhin dreißig Milliarden Euro wurden laut dem Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler im Jahre 2005 sinnlos ausgegeben, wobei dies nur einige Fälle berücksichtigt und die Dunkelziffer weitaus höher sein dürfte. Unbeachtet dessen, wird noch nicht berücksichtig in welchem Umfang sich das Finanzamt bei Großunternehmen der mangelnden Sorgfaltspflicht schuldig gemacht hat. Hierbei erinnere ich mich noch an einen Fall, den ich einst im Focus las. Der Beklagte unterschlug eine zweistellige Millionenhöhe im Verlauf mehrer Jahre. Dieses Verfahren wurde jedoch dann und wann eingestellt, da die Angelegenheit verjährt war. Grundlegend weil man es beim zuständigen Finanzamt versäumt hat, dem Fall umfassend nachzugehen.

Aber es muß ein gutes Gefühl sein für so manchen Bürger, der entweder zu viele Stasi-Bücher gelesen hat oder aber einfach das falsche Terrorcamp besuchte, so manchen Kleinbürgerstreit vor dem Finanzgericht auszutragen. Wobei es bis dahin noch nicht mal kommen wird. Diesen Weg darf der Beklagte mithin sowieso alleine gehen, bleibt der Anzeigenerstatter doch anonym und wird selbst bei haltlosen Beschuldigungen bis zu guter letzt anonym gehalten. Ja, Spitzel sollte man sich schützen! Diese schmerzliche Erfahrung mußte schon der Verfassungsschutz machen. Und das Finanzamt wäre doch schön blöd, würde es sein Büttel an den “Teufel” ausliefern.

Man möge mich nicht falsch verstehen, von Schwarzarbeit ist absolut nichts zu halten, gleichfalls entwickeln sich die Zustände momentan in eine absolut abwegige Richtung. Da verreckt Nachbars Kind, weil keiner etwas gehört haben will, gleichfalls spitzt aber bei den neusten Luxusgütern des Nachbars jeder seine Ohren auf und mutiert zum Stammgast beim Finanzamt. Mitnichten hilft diese Art der Zivilcourage irgend jemandem weiter. Die Lösungen selbst sind in der Politik zu suchen, schließlich ist sie es, die kein Steuersystem zu stellen bereit ist oder es aus mangelnder fachlicher Qualifikation schlichtweg nicht kann.

Nun gibt es natürlich ganz schlaue Sachbearbeiter des Finanzamts, die im weltweiten Datennetz unterwegs sind und gleichwohl versuchen ihren verruchten Ruf etwas gerade zu rücken. Dies geschieht dann meistens mit irgendwelchen Milchmädchenrechnungen, bei denen man mal eben mindestens dem halben Volk Steuerhinterziehung vorwirft. Da kommt man dann auch relativ schnell auf horrende Summen von vierzig Billionen oder mehr. Klar, immerhin geht jeder zweite Deutsche für 500 Euro richtig schick beim Griechen essen. Das dies mitnichten die Realität gerecht wird, sollte jedem bewußt sein.

Foto: © SXC

(Steven)

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