Skandal! Schlagzeile!
14.10.2007, 20:37 Uhr
Spricht man von Deutschen in der dritten Person, ist man entweder bei den Dokumentationen zum Dritten Reich, oder aber in der Sendung von Johannes B. Kerner im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) gelandet. Das nicht etwa, weil man mittlerweile rausgefunden hat, daß es vor 1933 auch noch eine Zeitrechnung gab, sondern vielmehr, da manche Wortkette aus dem Vormonat für reichlich mediale Verblödung gesorgt hat.
Aus dem Kontext gerissene Zitierungen sind schließlich nicht erst seit gestern der Motor für steigende Verkaufs- und Abrufszahlen. Der Ablauf ist dabei in etwa immer derselbe: Man nehme einfach einen Kernsatz aus der eigentlichen Darstellung, konstruiere daraus einen handfesten Skandal und schon wird in der Bananenrepublik “braunes Gedankegut” wieder thematisiert. Hatten wir seit Mügeln schließlich nicht mehr. Schlußendlich muß man sich auch auf unkonventionelle Art und Weise seinen Weg durch das Schlagzeilenloch bahnen.
So auch bei der Buchautorin und Nachrichtensprecherin Eva Herman, die bei der Vorstellung ihres Buches “Das Eva-Prinzip” am 6. September dieses Jahres in alter Stasi-Manier falsch zitiert und fachmännisch durch Schweinejournalismus vorverurteilt wurde. Lange hat man es versäumt, Frau Herman auch nur ansatzweise eine Plattform zu stellen, um dies richtig zu stellen. Und da sich eigene Volksangehörige in der Bundesrepublik keinesfalls mißverständlich zu den zwölf Jahren deutscher Geschichte äußern dürfen, bedarf es freilich umgehender Klärung.
Da jedoch Gerichtssäle durch die Bank weg aufgrund der Masse an Gaffern geplatzt wären, war es naheliegend das Tribunal in eine öffentlich-rechtliche Quasselrunde auszulagern und die Gelangweilten vor den Flimmerkisten zu fesseln. Vor allen Dingen kann man dann das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden - zum Beispiel mit Werbung. Der Anstieg der Quote ist natürlich vorprogrammiert, schließlich ist an einem Dienstagabend um 22:45 Uhr nur mit wenig ansprechender Unterhaltung zu rechnen.
Grundlegend ist die Anmoderation der Gäste bei einer solchen Sendung immer dieselbe: Man begrüßt die illustre Runde mit frohen Bekundungen und vorteiliger Nennung des Schaffens der Personen. Das wurde von Herrn Kerner auch so eingehalten, sei es bei Frau Schreinemakers, Frau Berger sowie Herrn Barth - nur bei Eva Herman zeigte sich bereits im Ansatz worauf es bei diesem zweifelhaften Kasperltheater hinauslaufen wird.
Sendeminuten kosten schließlich ein Heidengeld und so übersprang man umgehend die Lobpreisungen - gibt es ja sowieso nichts - und kam gleich zur Verlesung der Anklage. Das Thema der Sendung lautete ja auch unmißverständlich “Die Rollenverteilung von Mann und Frau”. Verständlich, daß die Rolle der Dominanz Herrn Kerner zu teil wird, schließlich ist er auch Moderator und Gastgeber der Sendung. Frau Herman hat sich indes schon mal an die alte “Frauen an den Herd” Moral zu gewöhnen.
Die Wahl der Gäste hingegen erschließt sich mir bis heute nicht. Angefangen von Herrn Mario Barth, der Keine Ahnung, aber wenigstens ‘ne Meinung hatte. Bis hin zu Frau Senta Berger, die eigentlich gar nicht so recht wußte, warum sie nun geladen war. Zugegebenermaßen überforderte sie auch eine sachliche Auseinandersetzung und scheiterte spätestens bei der argumentativen Rhetorik. Schade eigentlich, daß Frau Berger keine kurzentschlossene Persönlichkeit ist und gleich das Weite gesucht hat. Das hätte uns zumindest ihre Aussagen erspart. Frau Schreinemakers ist in sofern keine Erwähnung wert. Ihre Besetzung ist gleichbedeutend mit jener der Frau Berger.
Es bedarf wohl viel Zeit und Aufklärung, bis man sich bewußt wird, daß es Eva Herman nie um die Verherrlichung gewisser zwölf Jahre unserer Geschichte ging. Es ging um Familienwerte, Werte die im materiellen Konsum und perfider gelebter Dekadenz nahezu komplett untergingen. Hätte man diese Kernaussage zum Gegenstand der Diskussion gemacht, hätte sich - andere Gäste vorausgesetzt - ein durchaus interessantes Thema ergeben. Ist man aber nicht imstande Zusammenhänge eines geschrieben Satzes zu erkennen, sollte man es vorziehen, weiterhin Sendungen zu moderieren, die den bundesdeutschen Durchschnitts-IQ repräsentieren sollen. Da sind die Assoziationsmöglichkeiten ohnehin beschränkter.
Berechtigt die Frage, was mich veranlaßte, einen Artikel in derartigem Umfang über so eine nichtige Sendung zu schreiben. Faszinierend war weniger die Sendung, denn sie ist bundesdeutscher Durchschnitt, sondern vielmehr welche Kontroversen sie ausgelöst hat. Natürlich haben wir auch diesmal wieder, die, die Kerner und Konsorten nach dem Mund reden. Sie repräsentieren aber nicht die Mehrheit. Das kratzt natürlich an den Meinungsmachern, die sich lediglich mit der öden Rechtsradikalismuskeule zu behelfen wissen. Allein das zeigt, wie borniert diese Personen mit ihren Dogmen sind und einstweilen sang- und klanglos untergehen werden.
Foto: © ZDF


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