Die Weltpolizei bittet um Mithilfe
17.10.2007, 00:38 Uhr
Die derzeitige Wirtschaftsflaute treibt durchaus seltsame Blüten. Da kommt ein US-Verteidigungsminister namens Robert M. Gates daher und bittet Washingtons Verbündete - wer auch immer diese sein mögen - um Mithilfe bei der Aufstellung weitreichender Sanktionen für den Iran. Freilich in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn in den USA ist man bisweilen auf den Exportschlager Nummer eins - Erdöl - aus dem Iran nicht angewiesen, da man sich bereits im Jahre 2003 zehn Prozent am Weltöl gesichert hat. So gestalten sich eigenmächtige Wirtschaftssanktionen natürlich mehr als schwierig.
Zweifelsohne ist es nur eine böswillige Unterstellung von mir, daß hiermit versucht wird, eine US-Monopolstellung für den Verkauf von Erdöl auszubauen. Was angesichts der Anteile der US-Amerikaner am weltweiten Ölhandel jedoch kein Paradoxon ist. Der Preis fürs Barrel geht seit Jahren durch Spekulantengeschäfte nämlich nur noch in eine Richtung: Nach oben! Schließlich setzt man sich bereits seit 1947 “für die Beseitigung oder Änderung bestehender Hindernisse zur Expansion amerikanischer Ölgeschäfte im Ausland” ein.
Erschwerend kommt natürlich hinzu, daß Außenpolitik für die US-Regierung ohnehin ein Buch mit sieben Siegeln ist. Lösungsansätze, die Teheran dazu zwingen sollen, die Bestrebungen in Hinblick auf die Uran-Anreicherung aufzugeben, scheitern dann natürlich bereits im Ansatz. Verständlich also, daß da so manchem übereifrigen General der Streitkräfte amerikanische U-Boote im Persischen Golf bei weitem lieber wären, als irgendwelches weltöffentliches Herumwinseln.
Hinderlich dabei ist lediglich die mangelnde Bereitschaft der eigenen Bevölkerung in den Krieg zu ziehen und sich für Nichts irgendwelche Körperteile durch Sprengstoffanschläge abfetzen zu lassen. Aber immerhin verreckt man jetzt nicht mehr. Langsam, aber sicher, wird wohl auch Robert Gates bewußt, daß sein ehrgeiziges Ziel, die US-Armee bis zum Jahre 2010 um 65.000 auf 574.000 Streitkräfte aufzustocken, wohl erst mal begraben werden muß. Nun heißt es also erstmal das Vertrauen der eigenen Bevölkerung wieder herzustellen. Bis dahin ist ein Kriegseinsatz gegen den Iran wohl erstmal auf Eis gelegt.
Mehr als erbärmlich wäre es allerdings, wenn Europa bei einem neuerlichen Einsatz der Vereinigten Staaten für die Erschließung weiterer Ölquellen und für den Ausbau der Monopolstellung nur tatenlos zusehen täte. Leider hat Erbärmlichkeit aber auch hier ihre Namensgebung gefunden…
Foto: © DoD

