Werden wir verdächtigt?
23.10.2007, 23:45 Uhr
Nicht mal zwei Jahre ist es her, als ein bis dato unbekannter Täter zwei Mädchen in Sachsen entführt und mißbrauchte. Die erste Tat ereignete sich am 6. September 2005 im eher ruhigen Dresden-Hellerau. Hierbei wurde ein neunjähriges Mädchen aus ihrem Wohnort entführt, mißbraucht und später in der Nähe einer Autobahnausfahrt zurückgelassen. Einige Monate später, genauer am 10. Januar 2006 ereignete sich in Coswig ein ähnlicher Fall, bei dem ein elfjähriges Mädchen ebenfalls entführt und mißbraucht wurde.
Soweit die Kurzfassung der Vorgeschichte. Heute flatterte mir bzw. der Anschlußinhaberin des hier geschalteten Telefonanschlusses ein unfrankierter Brief des Landeskriminalamtes Sachsen in den Briefkasten. In dem formlosen Anschreiben wird vorrangig auf den ausbleibenden Ermittlungserfolg der eigens dafür gegründeten Sonderkommission Heller verwiesen und gleichwohl um ein Gespräch mit der Anschlußinhaberin gebeten. Im genauen Wortlaut heißt das dann:
(…) Aufgrund polizeilicher Recherchen oder Hinweisen aus der Bevölkerung gehen wir diesen Anhaltspunkten nach und müssen in diesem Zusammenhang auch mit Ihnen sprechen. (…)
Vorab sollte man hierzu wissen, daß Dresden gar nicht so weit von unserem Wohnort entfernt liegt, die abgegebene Täterbeschreibung aber ganz bestimmt nicht auf einer uns bekannten Person zutrifft. Wäre dem so, hätte man alle denkbaren Register gezogen. Momentan zählen wir meines Erachtens auch nicht zum Ermittlungsradius der Soko Heller. Andernfalls hätte der Rest des Wohnviertels wohl einen ähnlichen Brief erhalten. Es dauerte auch einige Zeit bis es mir so langsam dämmerte, warum der Brief nun eigentlich an die Telefonanschlußinhaberin gerichtet war.
Nun, die beiden Fälle sorgten in unserem Umkreis damals und heute für ziemliches Aufsehen. Zumal im gleichen Zeitraum auch die vermißte Stephanie aus der Wohnung von Mario M. befreit wurde. Soweit ich es noch gedanklich zusammenbekomme, recherchierte ich damals für einen Artikel zum Fall Stephanie und stieß dabei auf die Seiten der Polizei Sachsen. Dort fanden sich auch Informationen und Fahndungsaufrufe zu den beiden Verbrechen vom September und Januar wieder.
Bereits in diesem Zeitraum wurde eine Belohnung ausgelobt, die aber nicht mein Interesse weckte. Vielmehr ging mir der Fall ziemlich an die Nieren, sodaß man versuchte auf seine Art und Weise zu helfen, was leider mißlang. Was aber hierfür nicht unbedingt eine Rolle spielen sollte. Kommen wir nun zum eigentlichen Eklat: Wenn die Vermutung stimmt, wird hier gegen Seitenbesucher der Dienststelle ermittelt, welche sich wohl die Fahndungsaufrufe zu genau durchgelesen haben.
Die Arbeit der Soko Heller in allen Ehren. Es macht einen glücklich, daß der Fall weiter behandelt wird und nicht ad acta gelegt ist. Gleichwohl sind solche Ermittlungsmethoden unterste Schublade. Wo kämen wir hin, wenn engagierte Bürger bei jedem Fliegenschiß unter Generalverdacht gestellt werden? Strebt man derartiges an, sollte man es tunlichst vermeiden in Ermittlungsserien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf solche ungeklärten Fälle hinzuweisen. Ansonsten darf man sich nicht wundern, wenn man als Bürger versucht zu helfen. Hieraus aber in entfernter Weise eine Art Vorwurf zu konstruieren ist einfach erbärmlich und es bleibt wirklich zu hoffen, daß sich dies morgen als reiner Irrtum oder etwas Vergleichbares herausstellt.
Foto: © SXC


Ein Kommentar zu “Werden wir verdächtigt?”
20.04.2008, 22:01 Uhr
Hi Steven,
was ist denn bei euch raus gekommen? Wir haben auch so einen Brief erhalten und morgen wollen uns die Herren der SOKO Heller besuchen, zuhause!!! Mir ist das alles schon sehr komisch, jeder muss aufs revier, aber wi nicht!