Fragwürdige Lohnforderung
Das Verkehrsbild am heutigen Donnerstag, war ein Bild des Schreckens. Was auch dazu beigetragen haben dürfte, daß nun auch der letzte vom dreißigstündigen Streik der Lokführergewerkschaft GDL Wind bekommen hat. Zumal man vom deutschen Pressepuff mit diesem ach so brennenden Thema geradezu überschwemmt wird. Dabei wollen wir uns gar nicht der quälenden Frage widmen, ob so mancher Bahnfahrer mittlerweile vergessen hat, daß sein Auto auf der Landstraße auch schneller als dreißig Kilometer pro Stunde fahren kann, sondern vielmehr ob die Lohnforderungen angemessen sind.
Dies bleibt bisweilen nämlich fragwürdig vergleicht man die Forderung der GDL von 31 Prozent mehr Lohn mit der harten Realität: 230.895 Mitarbeiter beschäftigt die Deutsche Bahn AG (DBAG) nach eigenem Bekunden und beförderte im ersten Halbjahr dieses Jahres insgesamt 913 Millionen Bahnreisende. Unlängst ist die Bahn kein Monopolist mehr, sondern muß in vielen Gebieten auf Konkurrenten eingehen. Und das nicht nur in Hinblick auf die privaten Bahnunternehmen, sondern auch auf den intensiven Wettbewerb zur Straße und zur Luft.
Trotz des hartumkämpften Marktes siedelt sich die Entlohnung der Mitarbeiter – gemessen am bundesdeutschen Durchschnitt – im oberen Niveau an. Dies ergab eine Studie, welche durch die DBAG in Auftrag gegeben wurde und am gestrigen Mittwoch im Wochenbericht des DIW Berlin erschien. Demnach erhalten Arbeitnehmer der privaten Bahnunternehmen und anderer vergleichbarer Berufsstände deutlich weniger, als Lokführer bei der DBAG bereits jetzt verdienen.
Insbesondere in Hinblick auf die Verantwortung der Deutschen Bahn, ist es mir nicht begreiflich, mit welcher Ignoranz man zugange gehen muß, um eine utopische Lohnerhöhung von 31 Prozent zu fordern. Diese Nummer kann ja mal die Hälfte der anwesenden Leserschaft beim Vorgesetzten anbringen, da wird vor Schreck der Kaffee verkippt, so viel ist sicher. Anders muß es natürlich bei der Deutschen Bahn laufen, einem Konzern der zwar vor zwei Monaten mit guten Geschäftszahlen glänzte, aber immer noch verschuldet ist, was Mitarbeiter bisweilen gerne mal vergessen.
Die hochgepriesene Verantwortung der Lokführer tragen bei weitem nicht nur Bundesbahnbedienstete. Ein Schweißer kann ebenfalls nicht darauf plädieren, dreißig Prozent mehr Lohn zu verlangen, weil seine Arbeit ein hohes Maß an Eigendisziplin ergo Verantwortung erfordert. Bleiben Bahnreisende aufgrund von Preiserhöhungen aus, kann man sich bereits jetzt bei anderen Großkonzernen umschauen, welche Verfahrensweisen so mancher Effizienzsteigerung zuteil wird. Und bei weitem ist das schmerzlicher, als auf die fehlenden 21 Prozent zu verzichten.
Foto: © DB AG/Horn


(3)
Zitat wird eingefügt...
