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Fragwürdige Lohnforderung


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25.10.2007, 22:52 Uhr

Fragwürdige LohnforderungDas Verkehrsbild am heutigen Donnerstag, war ein Bild des Schreckens. Was auch dazu beigetragen haben dürfte, daß nun auch der letzte vom dreißigstündigen Streik der Lokführergewerkschaft GDL Wind bekommen hat. Zumal man vom deutschen Pressepuff mit diesem ach so brennenden Thema geradezu überschwemmt wird. Dabei wollen wir uns gar nicht der quälenden Frage widmen, ob so mancher Bahnfahrer mittlerweile vergessen hat, daß sein Auto auf der Landstraße auch schneller als dreißig Kilometer pro Stunde fahren kann, sondern vielmehr ob die Lohnforderungen angemessen sind.

Dies bleibt bisweilen nämlich fragwürdig vergleicht man die Forderung der GDL von 31 Prozent mehr Lohn mit der harten Realität: 230.895 Mitarbeiter beschäftigt die Deutsche Bahn AG (DBAG) nach eigenem Bekunden und beförderte im ersten Halbjahr dieses Jahres insgesamt 913 Millionen Bahnreisende. Unlängst ist die Bahn kein Monopolist mehr, sondern muß in vielen Gebieten auf Konkurrenten eingehen. Und das nicht nur in Hinblick auf die privaten Bahnunternehmen, sondern auch auf den intensiven Wettbewerb zur Straße und zur Luft.

Trotz des hartumkämpften Marktes siedelt sich die Entlohnung der Mitarbeiter - gemessen am bundesdeutschen Durchschnitt - im oberen Niveau an. Dies ergab eine Studie, welche durch die DBAG in Auftrag gegeben wurde und am gestrigen Mittwoch im Wochenbericht des DIW Berlin erschien. Demnach erhalten Arbeitnehmer der privaten Bahnunternehmen und anderer vergleichbarer Berufsstände deutlich weniger, als Lokführer bei der DBAG bereits jetzt verdienen.

Insbesondere in Hinblick auf die Verantwortung der Deutschen Bahn, ist es mir nicht begreiflich, mit welcher Ignoranz man zugange gehen muß, um eine utopische Lohnerhöhung von 31 Prozent zu fordern. Diese Nummer kann ja mal die Hälfte der anwesenden Leserschaft beim Vorgesetzten anbringen, da wird vor Schreck der Kaffee verkippt, so viel ist sicher. Anders muß es natürlich bei der Deutschen Bahn laufen, einem Konzern der zwar vor zwei Monaten mit guten Geschäftszahlen glänzte, aber immer noch verschuldet ist, was Mitarbeiter bisweilen gerne mal vergessen.

Die hochgepriesene Verantwortung der Lokführer tragen bei weitem nicht nur Bundesbahnbedienstete. Ein Schweißer kann ebenfalls nicht darauf plädieren, dreißig Prozent mehr Lohn zu verlangen, weil seine Arbeit ein hohes Maß an Eigendisziplin ergo Verantwortung erfordert. Bleiben Bahnreisende aufgrund von Preiserhöhungen aus, kann man sich bereits jetzt bei anderen Großkonzernen umschauen, welche Verfahrensweisen so mancher Effizienzsteigerung zuteil wird. Und bei weitem ist das schmerzlicher, als auf die fehlenden 21 Prozent zu verzichten.

Foto: © DB AG/Horn

(Steven)



10 Kommentare zu “Fragwürdige Lohnforderung”

  • 1
    Hannes Larsson GERMANY


    Bei der Frage ob die Lohnforderungen der GDL berechtigt sind, sollte man zum Vergleich nicht die Löhne anderer Lokführer heranziehen, sondern lieber die Frage stellen ob der derzeitige Lohn ausreicht um eine Familie (Frau und bis zu 4 Kinder) zu ernähren und das tut er nicht. In dem Fall haben sowohl die GDL, als auch alle anderen Arbeitnehmer das Recht auf mehr Lohn. Ob das in der „freien Marktwirtschaft“ gut ist, oder nicht. Es kommt mir so vor, als würdest du die Sache zu sehr aus der Sicht des Arbeitgebers und nicht des Arbeitnehmers sehen.

  • 2
    Steven GERMANY


    Die Forderung nach Lohnerhöhung ist immer gerechtfertig - keine Frage. Viel mehr ist es jedoch egoistisch sich durch zweifelhafte Gewerkschaften zu einem eskalierenden Streik drängen zu lassen, nur um auf einem utopischen Standpunkt zu verharren. Es ist ja keinesfalls so, daß der DB-Vorstand nicht auf die Forderungen im Ansatz eingegangen ist.

    Das Beispiel der Familie mit vier Kindern finde ich in dem Atemzug unangebracht, da es nicht nur Lokführer betrifft, sondern auch andere Berufszweige. Diese anderen Berufszweige dann als Vergleich heranzuziehen - da vom Arbeitsumfang und der Eigenverantwortung verhältnismäßig deckungsgleich - finde ich nicht verwerflich. Genau da fängt nämlich die Pflicht der Gewerkschaft an, ohne auf die leidige Verantwortungsdusselei zu verweisen, auch auf die gesamtwirtschaftliche Situation zu blicken.

    Den Blickwinkel meinerseits hast Du richtig erfaßt. Dabei muß man auch sehen, daß irgendwo ein Maßstab für Löhne gesetzt sein muß. Eine Putze kann nicht Managergehälter fordern. Und ja, das ist “freie Marktwirtschaft”. Der Bewertung dessen enthalte ich mich…

  • 3
    Freiburger GERMANY


    Die meißten keifen jedoch nur aus purem Egoismus gegen die GDL. Nun muss der ein oder andere u.U. mit dem PKW o.a. Verkehrsmitteln zur Arbeit oder sonst wo hin fahren. Anstatt froh zu sein und zu unterstützen, dass endlich mal wer auf den Tisch haut und mehr fordert als 2 Prozent, wie die meissten gekauften Lizenzgewerkschaften, wird gemault sobald es ein wenig unbequem werden kann. Die Piloten der Lufthansa haben das vor einigen Jahren auch gefordert und aufgeregt hat sich keiner. Wer sich heute aufregt ist ein Heuchler.

  • 4
    Steven GERMANY


    Heuchler sind jene, die die “freie Marktwirtschaft” nicht verstanden haben und sich überhaupt nicht die Frage stellen, warum bei den Lokführern ein derartiges Lohnniveau vorherrscht. Stattdessen sympathisiert man mit Wirtschaftsnomaden, die der Sache weder hilfreich und schon gar nicht nützlich sind. Schließlich richtet sich der Marktwert eines Arbeiters nicht nach der utopischen Forderung der Gewerkschaften. Allein die Tatsache, daß das Lohnniveau privater Bahnunternehmen überhaupt nicht zum Gegenstand der Diskussion wird, zeigt schon die verfehlte Argumentierung.

    Ferner steigt der Wert des Arbeitnehmers nämlich nur dann, wenn auch die Nachfrage da ist und Konkurrenzunternehmen für seine Leistung bereit sind, einen weitaus höheren Lohn zu zahlen. Tun sie dies nicht, ist davon auszugehen, daß der Markt mit diesen Fachkräften gesättigt ist und es gar einen Überschuß gibt. Der DB-Vorstand könnte gar die Löhne senken, denn was will der Arbeitnehmer dem entgegensetzen? Richtig, nichts! Solange es kein gravierend höheres Lohnniveau bei der Konkurrenz gibt, ist es einfach realitätsfremd mehr Lohn zu fordern. Zumal es Ziel des Arbeitnehmers sein muß, daß Kapital des eigenen Unternehmens zu mehren und nicht es zu dezimieren.

    Das ist freie Marktwirtschaft und nicht die bunten Schaufenster.

  • 5
    KeksFrosch GERMANY


    Was geht dich das an? Bist du derjenige der über das wohl und wehe andere zu Entscheiden hat? Ok, man kann eine Meinung habn, dann sollten dieser aber ein Mindesmaß an Informationen bezüglich der realen Forderungen der GDL haben.

    Wir leben in einem kapitalistischen System in dem sich der Bahnvorstand mit gutem Beispiel rausholt was rauszuholen ist.

    Um der lächerlichen Figur die diesem Laden Vorsteht, der nichts gebracht hat (Strecken stilllegen und kuzfristige Profite rausholen kann jeder Idiot) müssen auch erstmal jeden Monat 1 Million Fahrkarten verkauft werden.

    Und das die DBAG (spricht die Deutsch Bahn) eine Studie mit absehbarem Ergebniss herausgibt sollte selbst Vollidioten das zitieren aus selbiger ….

  • 6
    Hannes Larsson GERMANY


    Ferner steigt der Wert des Arbeitnehmers nämlich nur dann, wenn auch die Nachfrage da ist und Konkurrenzunternehmen für seine Leistung bereit sind, einen weitaus höheren Lohn zu zahlen.

    Der Wert der Arbeiter kann doch gar nicht steigen, da der Markt mit billiglohn Arbeitern aus dem Ausland überschwemmt wird. Es wird doch ganz gezielt ein Ungleichgewischt geschaffen, unter dem die Arbeiter, aber nicht der Vorstand zu leiden haben.

    Die Forderungen sind hoch und das Hick-Hack ob Streik, oder kein Streik ist nervig. Die Arbeiter haben aber ein Recht darauf, ihre Forderungen durch Streicks durchzusetzen und wenn sie im Kapitalismus aka “freie Marktwirtschaft” keine andere Möglichkeit sehen als sich in irgendwelchen Gewerkschaften zu organisieren, dann sollen sie es halt mit den Gewerkschaften machen.

    Ein Unternehmen & Gewerkschaftsübergreifender Streik für mehr Lohn wäre natürlich schöner, aber was sollt.

    Die bereits privatisierten Betriebe gehören wieder verstaatlicht!

  • 7
    Steven GERMANY


    Was geht dich das an? Bist du derjenige der über das wohl und wehe andere zu Entscheiden hat? Ok, man kann eine Meinung habn, dann sollten dieser aber ein Mindesmaß an Informationen bezüglich der realen Forderungen der GDL haben.

    Was ist denn das für eine seltendämliche Frage, ob mich derartiges etwas angeht? Hier geht es nicht darum, zu entscheiden, was gut für andere ist, sondern einfach um die Änderung des Blickwinkels. Das was die GDL betreibt ist purer Egoismus und trägt bestimmt nicht zur Verbesserung des Arbeitsklimas bei der DBAG bei. Warum sollten denn ausgerechnet Lokführer die Speerspitze der Deutschen Bahn sein? Sowas führt zum Bruch innerhalb des Unternehmens und weniger zu einem annehmbaren Lohnniveau.

    Genau deswegen hinkt auch der Vergleich mit dem Pilotenstreik bei der Lufthansa AG. Schließlich hätte es für die Deutsche Bahn viel gravierende Folgen, wenn den Lokführern ein eigenständiger Tarifvertrag zugesprochen wird.

    Alles Weitere wurde bereits mit der Ausführung zur “freien Marktwirtschaft” abgegolten!

    Der Wert der Arbeiter kann doch gar nicht steigen, da der Markt mit billiglohn Arbeitern aus dem Ausland überschwemmt wird. Es wird doch ganz gezielt ein Ungleichgewischt geschaffen, unter dem die Arbeiter, aber nicht der Vorstand zu leiden haben.

    Richtig, und da fängt das Karussell an sich zu drehen. Wobei ich weniger glaube, daß das bei den Lokführern der Fall ist. Wenngleich ich das mangels Erhebungen nicht untermauern kann, zeichnet sich der Zuwanderungsstrom vielmehr in anderen Wirtschaftszweigen ab, insbesondere bei den sogenannten Neuen Märkten.

    Die bereits privatisierten Betriebe gehören wieder verstaatlicht!

    Damit hast Du es auf den Punkt gebracht. Nur ist das eben nicht das Credo der Streikenden… ;-)

  • 8
    walle GERMANY


    Was fällt dir ein die berechtigten Forderungen der Lokführer derart polemisch zu zerpflücken?
    Die von dir gewählte Wortwahl stünde einer neoliberalen Marionette wie G.Westerwelle
    gut zu Gesicht.Du hättest auch darauf hinweisen können dass unsere Brüder in der Schweiz den doppelten Lohn für die gleiche Arbeit bekommen.Und dass die Bahn von uns allen finanziert wurde und jetzt erneut in Form von sogenannten Volksaktien verscherbelt werden soll, stört dich überhaupt nicht?Auch die Zahl 31% ist nicht richtig.Diese Zahl wird fleißig von der Springer-Presse kolportiert,hat mit der Realität aber wenig zu tun.Die Eisenbahner bestehen berechtigterweise auf die Entlohnung von Überstunden und diese Forderung wird vom Vorstand der Bahn einfach dazugerechnet ohne es explizit zu erwähnen.Die GDL ist nicht verpflichtet die Forderungen der ”gekauften,korrumpierten” TRANSNET zu übernehmen.

  • 9
    Steven GERMANY


    Was fällt dir ein die berechtigten Forderungen der Lokführer derart polemisch zu zerpflücken?

    Gesundheit! Wobei Deine Polemik bei weitem überheblicher und zugleich abstrus daherkommt, bleiben wir einfach mal beim Wesentlichen: Ein Firmenlenker in den USA verdient mehr als das zehnfache, wie ein hier in der Bundesrepublik tätiger Unternehmer (siehe KKR, Blackstone und Co.). Sollte Josef Ackermann jetzt also Fairerweise 130 Millionen, anstatt 13 Millionen pro Jahr verlangen?

    Als krassen Gegensatz vielleicht: Eine Näherin in Namibia verdient umgerechnet 50,00 EUR im Monat, was bereits einen fürstlichen Lohn darstellt. In Asien wird man bei gleicher Arbeit mit 22,00 EUR im Monat abgespeist. Bereits hier kann man abschließend fragen, was solche nichtssagenden Vergleiche bewirken? Und wenn die Lokführer in der Schweiz das fünffache verdienen würden - was zählt sind die Relationen. Nicht, was auf dem Lohnzettel steht.

    Und dass die Bahn von uns allen finanziert wurde und jetzt erneut in Form von sogenannten Volksaktien verscherbelt werden soll, stört dich überhaupt nicht?

    Liest Du eigentlich die Texte derer, die Du kritisierst? Zum einen habe ich mich zu keiner Zeit in dem Artikel zur Privatisierung der Bahn geäußert. Zum anderen sprach ich mich in einem Kommentar für die Verstaatlichung und gegen die Privatisierung aus. Ferner gibt es einen Riesenunterschied zwischen staatlichen Unternehmen und privaten.

    Auch die Zahl 31% ist nicht richtig.Diese Zahl wird fleißig von der Springer-Presse kolportiert,hat mit der Realität aber wenig zu tun.Die Eisenbahner bestehen berechtigterweise auf die Entlohnung von Überstunden und diese Forderung wird vom Vorstand der Bahn einfach dazugerechnet ohne es explizit zu erwähnen.Die GDL ist nicht verpflichtet die Forderungen der ”gekauften,korrumpierten” TRANSNET zu übernehmen.

    Achso, weil die GDL ihre ursprüngliche Forderung als “lange vom Tisch” runterspielt, ist die Angabe unrichtig? Spätestens an dieser Stelle solltest Du Deine Quellen genauer überprüfen. Die GDL hat kein Interesse an einer Verbesserung der Lage jener Lokführer, sondern beharrt auf ihrem beknackten Standpunkt. Das war einer der Gründe, warum die GDL ein Gespräch mit der GDBA und TRANSNET ablehnte. Für sie stehen einzig und allein die Lokführer im Vordergrund. Meines Erachtens ist das mehr, als bloßer Egoismus. Es ist Arroganz und Überheblichkeit, die bereits so manchen zu Fall brachte.

    Die Lokführer können froh sein, daß die DBAG es noch nicht in Erwägung gezogen hat, Automatisierungstechniken einzusetzen, so wie es beispielsweise beim Transrapid der Fall ist. Sofern es Dir beliebt, kannst Du ja an dieser Stelle mit dem “Was wäre wenn”-Spielchen anknüpfen. ;-)

    Gruß,
    Steven

  • 10
    Kampf dem Motto: “Geiz ist geil!” | Jahooda AUSTRIA


    [...] dargestellt, die zudem höchst “fragwürdige Lohnforderung” stellen. Das dem nicht immer so sein muss ist in der TAZ vom vergangenen Donnerstag zu [...]

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