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Wer braucht noch eins?

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30.10.2007, 21:52 Uhr

Pfennigfuchser aufgepaßt: Raketenabwehrsysteme (ABM) werden Dank steigender Nachfrage billiger. Wer also insgeheim schon immer den Traum hegte, Nachbars Katze beim morgendlichen Geschäft im Vorgarten direkt auszuradieren, sollte spätestens jetzt zugreifen und auf den Zug des Rüstungswahns aufspringen. Momentan reißen sich nämlich drei Militärmächte um ein Raketenabwehrsystem vor der eigenen Landesgrenze. Mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, da zieht man es vor, die Gerätschaften nach Europa zu verpflanzen. Heeme ist nämlich schon alles zugepflastert.

Etwas unkomplizierter verfahren dagegen Rußland und Israel, wobei Israels Intentionen derzeit gänzlich unformuliert sind. Unbeachtet dessen, ziehen es die Russen vor sich vor den kapitalistischen Invasoren – ergo den USA – mit einem eigenen ABM zu schützen. Das führt freilich zu Krisen in Friedenszeiten und außenpolitisch zu einem Fiasko, nützt der eigenen Abwehr aber weit mehr, als diese erbärmliche Diplomatieheuchelei. Zumal derzeit sowieso nicht feststellbar ist, wer sich eigentlich vor wem schützen will.

Verständlich dabei, daß sich Polen im wahrsten Sinne des Wortes wieder überrannt fühlt und auf die Seite der US-Amerikaner schlägt. Lieber breitbeinig, als engstirnig heißt die Devise. Außerdem ist Geiz immer noch geil, und wann gibt es schon ein ABM umsonst? Daß man allerdings von Anfang den Bau dieser Anlagen mehr oder minder diktiert bekommen hat und basisdemokratische Ansätze überhaupt nicht in Frage kamen, ist für den Demokratiegedanken Polens mehr als zweifelhaft.

Allerdings sollte das Rüstungsfetischisten reichlich wenig interessieren, gilt es doch den Gedanken der Wehrhaftigkeit jedweder Demokratien zu wahren. Die Vereinigten Staaten testen derweil schon mal fleißig ihr Raketenabwehrsystem zum vierten Mal infolge und feiern ihre Errungenschaft. Zwar ist die Liste der Schurkenstaaten mittlerweile auf sechs Stück geschrumpft. Aber auch dort gibt es terroristische Bestrebungen, gegen welche aktive Gefahrenabwehr betrieben werden muß.

Wie diese Gefahrenabwehr in Zukunft aussehen soll, bewies das US-Militär am vergangenen Freitag vor der finanzkräftigen Klientel aus Israel, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ziel der Übung war es, ein ballistisches Ziel durch eine Abfangrakete vom Himmel zu holen, was natürlich grandios funktionierte. Bravo! Und während die Militärvertreter noch immer kräftig applaudieren bis die Handflächen platzen, freut sich Israel ein Loch in den Gaza-Streifen. Immerhin sagten die Vereinigten Staaten fest zu, sich an einem neuerlichen ABM in Israel zu beteiligen.

Daß hat Israel auch dringend nötig. Hat doch das alte Abwehrsystem Arrow II immensen Nachrüstbedarf, der zwar bereits in Augenschein genommen, aber noch nicht durchgeführt wurde. Eigentlich fehlen jetzt nur noch die Atomsprengköpfe und die Welt könnte sich viel Stahl, Arbeit und Geld sparen. Auch das dumme Gesabbel von so manchem Verteidigungspräsidenten würde dann der Vergangenheit angehören. Leider auch unsere Zukunft! Zumindest erspart uns das die Frage, welche zweifelhafte Rolle Europa in seiner Gesamtheit bei diesem Konflikt einnahm. Richtig, die des ewigen Kopfnickens.

Foto: © SXC

(Steven)

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