Rendite, Rendite, Rendite
04.11.2007, 17:57 Uhr
Dieter Zetsche trägt schwer an seinem Reformkurs bei Daimler. In einem Interview mit dem Manager Magazin (11/2007, S. 94) gab er an, daß sich mittlerweile eine Nettoliquidität von 14 Milliarden Euro bei Daimler eingestellt habe, was nach Ansicht des Vorstandschefs auch abzüglich aller Risiken einfach zu viel Kapital ist. Eine Personalaufstockung kommt für Zetsche dennoch nicht in Betracht. Viel lieber investiert man die Gelder in Aktienrückkäufe, deren Nutzlosigkeit unbestreitbar sein dürfte.
Dabei ist Dieter Zetsche sehr wohl bekannt, daß die anhaltende Forderung nach mehr Produktivität in den Werken nicht greift und stattdessen böses Blut nährt. Einerseits fühlen sich Mitarbeiter “ausgepreßt”, was das Betriebsklima freilich nachhaltig stört. Andererseits herrscht akuter Personalmangel. Bisweilen eine brenzlige Lage für einen Reformator, der unmittelbar nach Amtsantritt knapp 14.500 Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Werken entließ.
Anstatt jedoch die Produktivität durch Neueinstellungen anzukurbeln, setzt Zetsche weiterhin auf maximale Renditen. Damit punktet er zwar bei Börsianern, die die Daimler-Aktie wieder mit “Kaufen” einstufen. Nur der Philosophie des Unternehmens wird er dabei in keiner Weise gerecht. Auch wenn so mancher selbsternannter Börsenkenner meint, daß Daimler nun endlich wieder seiner Linie treu werde, bleiben wir lieber bei den Tatsachen und der bitteren Wahrheit. Nämlich, daß sich Daimler auf den besten Weg befindet ein begnadeter Künstler im weltweiten Spagat für mehr Wachstum und bessere Effizienz zu werden.
Das braucht es freilich auch fürs Fortbestehen des eigenen Unternehmens. Nur hat das mit der einstigen Linie, mit der hundertjährigen Tradition rein gar nichts mehr gemein. Der Anleger wird nach Kapitalvermehrung das weite auf irgendwelchen karibischen Inseln suchen, die vielleicht alsbald im Kapitalwahn davon gespült werden, um Daimler und deren Mitarbeiter schert er sich einen Dreck. Und für solche Leute werfen Sie sich in den Kugelhagel der Mitarbeiter Herr Zetsche. Klar, daß sie dann ihren derzeitigen Erfolg im Interview nicht bewerten wollen. Dieser Gedanke würde mir bei solchen Erfolgsmeldungen auch widerstreben.
Foto: © Daimler AG



Ein Kommentar zu “Rendite, Rendite, Rendite”
07.11.2007, 16:54 Uhr
Je größer die Unternehmen, um so weniger zählen die Mitarbeiter oder das Arbeitsklima. Entscheidend sind die Rendite. Wenn am Jahresende eine schöne schwarze Zahl auf der Bilanz ausgewiesen werden kann, steigt der Aktienkurs und das Eigenkapital erhöht sich. Nur das zählt heutzutage. Schade. Dass bei unmotivierten Mitarbeitern die Qualität der arbeit sinkt, spielt anscheinend keine Rolle.