Die Bahn kommt – aber nicht zu jedem
08.11.2007, 09:41 Uhr
„Die Bahn kommt“, so lautete der Leitspruch der Bahn noch vor einigen Jahren. Mittlerweile sollte man diese Aussage nicht mehr all zu wörtlich nehmen, sorgt doch GDL-Chef Manfred Schell derzeit mit Inbrunst dafür, daß die Bahn eben nicht kommt, zumindest nicht pünktlich oder an den Tagen, an denen er und seine Mannen das nicht wollen.
Die Streiks im Personenverkehr der Deutschen Bahn sind nun vorerst ja einmal überstanden, den Pendler wird es freuen, doch seit der Entscheidung vom Arbeitsgericht Chemnitz am vergangenen Freitag, das der GDL uneingeschränktes Streikrecht einräumte, steht nun der Güterverkehr im Visier der GDL-Recken.
Schell zeigte sich bereits nach der Urteilsverkündung regelrecht euphorisch und kündigte an die nun gewonnene Rechtsgrundlage bei „Notwendigkeit“ auch nutzen zu wollen. Zugleich hob er hervor, daß er nicht vorhat Güter wie Medikamente oder verderbliche Waren mit in den Streik einzubeziehen. Das sollte ihn wohl ehren und einem gütigen Ritter gleichstellen, doch dieses verbale Kunststück hat weder in der Bevölkerung, noch bei Politikern und Wirtschaftsbossen für gute Stimmung gesorgt. Im Gegenteil, wirtschaftliche Schäden durch das Bestreiken des Güterverkehrs werden bereits in Höhe fünfzig Millionen Euro pro Tag vom CDU Verkehrspolitiker Georg Brunnhuber prognostiziert.
Seit heute ist es nun auch amtlich: Die Bahn wird ab morgen, Donnerstagmittag bis zum Samstagvormittag einen 42 Stunden anhaltenden Streik beginnen. Ziel laut GDL sie es, die Bahn hiermit zu einem neuen Verhandlungsangebot zu zwingen. Die GDL legte jedoch gleich noch einmal nach, um der Bahn klarzumachen, wie ernst die Lage ist. So kündigte man an, im Falle keines Angebots seitens der Bahn, in der nächsten Woche unbefristet in den Sparten Fern-, Güter- und Nahverkehr streiken zu wollen. Ein Horrorszenario für alle Verantwortlichen.
Die Forderung der GDL von bis zu 31% mehr Lohn beginnt allmählich ein ganzes Land mißmutig werden zu lassen. Doch die andere Seite keimt bereits auf. So hoffen viele Branchenfremde, daß die GDL mit ihrem Arbeitskampf ein Statut errichtet und andere Branchen sich in Zukunft daran ein Beispiel nehmen könnten oder würden. Was das für Deutschland bedeutet, wage ich hier einmal gar nicht auszumalen.
Sicher, es ist unbestrittener Fakt, daß den Arbeitnehmern in Deutschland zu wenig Geld in der Börse bleibt, um auch eine gewisse Kaufkraft im Land aufrecht zu erhalten, doch wenn es nur noch mit Gewerkschaften und Streiks möglich sein sollte diese Ziele zu erreichen und damit die Verhältnisse von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auf Dauer schwer belastet werden, so wird unseren Wirtschaftsbossen auch weiterhin der Gedanke ins streikfeindliche Ausland abzuwandern nur um so schmackhafter gemacht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich dahingehend im Übrigen, daß sie nicht vorhabe, sich in die Tarifpolitik einzumischen. Wie schön, daß die Politik das alles ja gar nichts angeht. Warten wir ab, wie weit die GDL geht und wie hartnäckig die Bahn bleibt. Kommt es ganz dumm, so wird der eine oder andere Arbeitnehmer aufgrund von fehlenden Materialien die heute zumeist per „Just in Time“ geliefert werden, unfreiwillig freie Tage bekommen. Die Bahn kommt…..in große Schwierigkeiten.
Foto: © Matthias Balzer / Pixelio

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