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Diätenerhöhung – Charakterschweine oder Heuchler?


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10.11.2007, 09:31 Uhr

Diäten können Menschen ja bekanntlich helfen besser auszusehen. Bei den hier gemeinten Diäten dürfte jedoch allenfalls das Aussehen des Kontostandes deutscher Bundestagspolitiker verbessert werden. Da liegt die Koalition seit Wochen bei fast jedem zur Debatte stehenden Thema im Clinch und kaum geht es an den eigenen Verdienst, Schwupps, da einigt man sich innerhalb kürzester Zeit auf einen gemeinsamen, wohlbemerkt recht zufriedenstellenden, Nenner.

Am Montag stellten CDU-Fraktionsgeschäftsführer Udo Röttgen und sein Amtskollege aus der SPD, Olaf Scholz, einen Gesetzentwurf zur Diätenerhöhung der Bundestagspolitiker vor. Damit es wohl nicht ganz so pervers auf die Bürger wirkt, wurde die geplante Erhöhung auf zwei Stufen festgelegt. So sollen die Bezüge der 613 Abgeordneten ab Januar 2008 um 330 Euro und ab Januar 2009 um 329 Euro ansteigen. Der gesamte Anstieg von 695 Euro entspricht einer Erhöhung von satten 9,4%, einer Prozentzahl, von der der gemeine deutsche Arbeitnehmer nur träumen kann, es sei denn er arbeitet derzeit bei der deutschen Bahn, doch das ist ein anderes seitenfüllendes Thema.

Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. Man rechtfertigt sich damit, daß seit 2003 keine Diäten mehr erhöht wurden und man doch immer noch unter dem Beamtenbesoldungssatz B6 liege, der beispielsweise für Bürgermeister in Städten von 50.000 – 100.000 Einwohner gilt. Fraglich ist, ob man denn alle Abgeordneten tatsächlich so gleichstellen kann und auch sollte. Schaut man sich Livedebatten aus dem Bundestag im Fernsehen an, so müßte sich mein rechnerisches Auge schon sehr täuschen, aber von einer Vollbesetzung ist da bei weitem nicht zu sprechen und da fragt man sich dann natürlich schon, wo denn die Herren stecken.

Es ist ja nicht nur die Tatsache der Diätenerhöhung, die im Volk auf Mißmut stößt. Es ist ebenso bekannt, daß ein Abgeordneter auch nach seiner Amtszeit alles andere als bargeldlos dasteht und so sind viele Bürger laut verschiedenen Meinungsumfragen der selben Meinung, wie auch FDP-Chef Westerwelle, der sich dafür aussprach, daß Abgeordnete selbst für ihre Altersvorsorge verantwortlich sein sollten.

Kritik hagelt es natürlich nun von allen Seiten der Opposition, wenngleich man auch hier bei so manch einem Politiker vermuten darf, daß es mehr die Pflicht ist, die hier die Äußerungen bestimmt, profitiert man ja auch selbst von dem Entwurf.

Erinnern wir uns einmal zwei Jahre zurück, so sah man am Beispiel Nordrhein-Westfalen, daß es auch anders geht. Dort entschied man sich zwar auf eine Verdoppelung der Diäten, strich aber im Gegenzug viele Vergünstigungen wie das Zahlen von 24 Monaten Überbrückungsgelder nach Ausscheiden aus dem Amt auf drei Monate oder man legte fest, daß die Diäten vollständig versteuert werden müssen. Zudem mußten die Abgeordneten seit dem 15,79% der Bezüge in eine private Altersvorsorge abdrücken und es wurden weiterhin verschiedenen Zulagen und Kostenpauschalen ersatzlos gestrichen. Die Diäten belaufen sich dennoch auf monatlich 9633 Euro.

Bleibt uns als dummer Bundesbürger nur die Erkenntnis, daß Fiktion und Realität in diesem Land immer noch vorhanden sind und unsere sogenannten „Volksvertreter“ dies wieder und wieder leibhaftig bestätigen. Die Straßen sind groß und breit genug, doch kein Mensch tut seinen Unmut dort draußen offen kund. Deutschland scheint es Leid zu sein Ungerechtigkeit öffentlich durch das Volk an den Pranger zu stellen. Oder sind wir alle nur müde?

Foto: © SXC

(Markus)

4 Kommentare zu “Diätenerhöhung – Charakterschweine oder Heuchler?”

  • 1 Christian 11.11.2007, 18:26 Uhr

    Politiker sind leider die einzigen Menschen in Deutschland, die ihr Gehalt mehr oder weniger selbst bestimmen können. Vergleiche hierzu auch Diätenerhöhung in meinem Blog. Seblst die Vorsitzenden unserer großen Aktiengesellschaften, über deren Gehälter oft geschimpft wird, werden zumindest vom Aufsichtsrat kontrolliert.
    Unsere Politiker sollten wirklich überlegen, auch hier ein Kontrollorgan einzbauen und sich den selben Regeln zu unterwerfen, denen sich ihre “Untergebenen” unterwerfen müssen. Aber ich glaube, wir können lange darauf warten. Wer setzt sich schon gerne selber eine Instanz vor die Nase, die eine Gehaltserhöhung, über die man bisher selbst entscheiden konnte, evtl ablehnen könnte.

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  • 2 Westaflex » Volksvertreter wider Willen 14.11.2007, 11:00 Uhr

    [...] Temperatur“) gerade noch angehen mag, ist in der Politik fehl am Platz. Besonders über „gefühlte Diäten“ ist immer gut lästern. Das geht so weit, dass mancher hämisch meint, Abgeordnete seien [...]

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  • 3 reporter 15.11.2007, 09:16 Uhr

    Laut „Bild“ ist allerdings bereits ein konkretes Modell im Gespräch: Demnach sollen die monatlichen Diäten nach der Bundestagswahl im Jahr 2009 um rund 9,4 Prozent steigen.

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  • 4 Recht 21.11.2007, 19:59 Uhr

    Jetzt ist es ja nun auch beschlossene Sache. Immerhin gab es einpaar Gegenstimmen. Aber wer erwartet denn wirklich, dass man die Chance für eine “Gehaltserhöhung” nicht nutzt. Würde ich ganz ehrlich auch tun. Die Begründung finde ich nur etwas scheinheilig. Empfänger von ALG II, con Kindergeld oder Rentner warten auch schon lange auf Erhöhungen. Bei denen sind es dann aber immer nur einppar Cent. Auch scheinen nicht nur die Sitze im Bundestag oft leer zu sein, viele Abgeordnete scheinen ja auch genug Zeit zu haben um gut bezahlten “Nebentätigkeiten” nachzugehen. Aber warum sollte man an deren Stelle etwas ändern. Kaiser und Könige habens früher doch auch nicht anders gemacht.

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