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Wenn Pfaffen die Gesundheit kontrollieren


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22.11.2007, 00:11 Uhr

Wenn Pfaffen die Gesundheit kontrollierenDas deutsche Gesundheitssystem ist bekanntlich nicht mehr das, was es einst mal gewesen ist. An allen Ecken und Enden wird gespart, rationalisiert und gestrichen was das Zeug hält. Das dürfte mittlerweile jeder schon einmal in irgend einer Weise beim Arztgang oder vor allem während eines Krankenhausaufenthaltes am eigenen Leibe zu spüren bekommen haben.

Der Marburger Bund schockt nun allerdings mit Informationen, die eine ganz spezielle Riege in der Krankenhauslandschaft betrifft - die kirchlichen Kliniken. Die Nachricht über „skandalöse Zustände“ in den kirchlichen Genesungsstätten dürfte letzte Woche den verantwortlichen Personen die in der reichsten, legalen Sekte organisiert sind, derbe in der Magengrube gelegen haben.

In Deutschland gibt es derzeit 720 Kliniken, die als kirchlich gelistet werden. Der Marburger Bund (MB) hat nun die Überzeugung, daß es nach Auswertung einer Umfrage der Beschäftigten in diesen Kliniken, nicht ausgeschlossen werden könne, daß eine Gefährdung der Patienten in Betracht zu ziehen sei.

Grund hierfür seien unter anderen Schichtzeiten, die gefährlich lange aneinander gereiht werden und die es dem Betroffenen kaum noch ermöglichen die Hundert Prozent notwendige Leistung für seine Arbeit zu erbringen. Im Vergleich zu anderen Kliniken gebe es in den kirchlichen Einrichtungen laut dem MB auch eine wesentlich schlechtere Bezahlung.

Der ehemalige MB-Chef, Frank Ulrich Montgomery, brachte diese Zustände treffend auf den Punkt:

“Es ist die Spitze der Bigotterie, wenn Kirchen einerseits stets das christliche Menschenbild von Nächstenliebe und Barmherzigkeit predigen, andererseits ihre ärztlichen Mitarbeiter gnadenlos ausbeuten.”

Die katholische und evangelische Kirchen wehrten sich gegen diese Äußerungen und bezichtigten Montgomery der „Schaumschlägerei“. Man wägt sich seitens der heiligen Eminenz in Sicherheit, gilt an kirchlichen Kliniken immerhin ja ein Streikverbot. Derzeit würde sich da so mancher Arzt wünschen, lieber als Lokführer zu arbeiten.

Auch der Einzug von Leiharbeitern hat vor den Krankenhäusern nicht Halt gemacht, was dazu führt, daß sich Arbeitnehmer mit festen Verträgen zunehmend ausgebeutet fühlen und den Respekt für ihre Arbeit nahezu gänzlich vermissen, sind doch auch sie hier nur noch eine Nummer, ganz gleich ob Herzspezialist oder Krankenpfleger.

Montgomery und sein Nachfolger Rudolf Henke machten in einem offen Brief an Kardinal Lehmann (Vorsitzender der Bischofskonferenz) und Wolfgang Huber (Vorsitzender des Rats der evangelischen Kirche) Luft. Wer hier jedoch am längeren Hebel sitzt dürfte außer Frage stehen. Bliebe als Patient lediglich noch die Möglichkeit solche Kliniken, soweit dies möglich ist, zu boykottieren.

Aber die Kirche hat ja noch gerne etwas des eigenen Reichtums abgegeben, wozu auch, immerhin müssen Kirchen und Altare ja vor Gold und Prunk geradezu strotzen. Nein, Halt, natürlich gibt die Kirche auch gerne Gelder wieder her, in Form von Spenden an das von uns allen so geliebte Ausland. Doch mehr Geld in Afrika hilft mir auch nicht weiter, wenn ein übermüdeter Arzt im Operationssaal Mist baut und ich als Patient darunter leiden muß. Wer hier die Verantwortung mit Weihrauch umnebelt, muß ja nun nicht mehr gesagt werden.

Foto: © SXC

(Markus)



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