Grenzöffnung? Da war doch was!
17.08.2008, 23:25 Uhr
Für Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm muß es ein herber Schlag ins Gesicht gewesen sein, als er davon erfuhr, daß ausgerechnet bei seiner ohnehin schon geschönten Statistik zum Verbrechensaufkommen in den Grenzregionen zu Polen zahlreiche und nicht ganz unerhebliche Datensätze fehlen. Auch die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen zur polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) liegt vorerst auf Eis.
Wie in der Vorwoche verschiedene Pressepuffs mitteilten, fehlen derzeit 15.000 bis 16.000 Datensätze in den verschiedenen Erhebungen - wohlgemerkt alleine vom 1. Januar bis 31. Mai dieses Jahres. Zurückzuführen sei das seltsame Verschwinden auf das neue rechnergestützte Polizeisystem ComVor. Bisweilen befindet sich das Potsdamer Innenministerium noch auf der Suche nach Fehlerquellen und kündigte alsbaldige Besserung an.
Zweifelsohne kein gutes Omen für Schönbohms Plan mit den ganzen Pessimisten, wie unsereiner abzurechnen. Denn selbst ohne die Meldung über die fehlenden Datensätze ist die neuerlich veröffentlichte Statistik zumindest zweifelhaft. Da hilft es auch herzlich wenig, wenn im Innenministerium mit der Vermutung geliebäugelt wird, daß die aktuelle Statistik ja auch ohne die fehlenden Datensätze richtig sein könnte.
Denn insbesondere im Vergleich zu den Vorjahren (siehe Abbildung) ist ein derart massiver Rückgang der Straftaten zumindest sehr zweifelhaft. Schönbohm hat es jedoch immer schon verstanden, einen gewöhnlichen Rückgang der Straftaten dazu zu nutzen, um mit seinen Gegnern abzurechnen. So auch am 10. August 2005, als es galt die Befürchtungen rund um die EU-Osterweiterung zu zerstreuen:
“Befürchtungen, die EU-Osterweiterung zum 01.05.2004 könne zu einem Anwachsen der Kriminalität führen, haben sich damit nicht bewahrheitet. Ich sehe darin einen Beleg, dass unsere Polizei auf die Herausforderungen durch die EU-Erweiterung gut vorbereitet war. Hier zahlt sich auch die Intensivierung der polizeilichen Zusammenarbeit mit Polen aus.”
Nun liegt es freilich auf der Hand, daß dies bei der neuerlichen Abrechnung mit den Zweiflern nur bedingt anders klingt. So erklärte Schönbohm am 25. Juli dieses Jahres:
“Entgegen allen Zweifeln hat es nicht den mit der Osterweiterung der EU gleichzeitig prognostizierten Verbrechenszuwachs gegeben. Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung haben sich nicht bestätigt.”
Schönbohm ist eben ein Zauberkünstler. Einhergehender Personalabbau auf der einen Seite und höhere Sicherheit auf der anderen. Was keiner für möglich hält, Jörg Schönbohm hat es in der Hand.
Foto: © SXC

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