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Werden wir verdächtigt? (Teil 2)

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25.09.2008, 21:25 Uhr

Fast ein Jahr ist es her, als uns der Brief des sächsischen Landeskriminalamts ins Haus flatterte und wir im Brennpunkt erstmals über die Ermittlungsmethoden der eigens gebildeten Sonderkommission »Heller« berichteten. Mittlerweile hat sich so einiges getan. So wurde am 17. Juni dieses Jahres der 34-jährige Carsten D. infolge eines DNA-Reihentests überführt. Mittlerweile wird bereits Anklage gegen den Dresdner wegen schwerem sexuellen Mißbrauchs, Vergewaltigung und Körperverletzung in zwei Fällen erhoben, wie die Dresdner Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Für uns also Grund genug den damaligen Fall wieder aus der Versenkung zu holen und umfassender über die polizeilichen Ermittlungsmethoden von damals zu berichten. Bis dato hielten wir uns diesbezüglich mit Hinblick auf die Opfer zurück, maßgeblich um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden. Wie ging es also weiter nachdem uns der Brief erreichte?

Natürlich ließ man die schriftliche Kontaktierung nicht auf sich sitzen und rief am darauffolgenden Tag den angegeben Polizeiobermeister von der Arbeitsstelle aus an. Ein schwieriges Unterfangen, war dieser doch sehr schlecht zu erreichen, sodaß erstmal ein kleines Hickhack bezüglich der Erreichbarkeit begann. Als dann dieses Problem endlich geklärt war, sprach ich den Gegenüber natürlich auf das vorliegende Schreiben an und fragte leicht irritiert, wie man denn nun ausgerechnet auf uns käme?

Nach kurzem zögern eröffnete man mir dann auch relativ trocken, daß gegen sämtliche Seitenbesucher ermittelt wird, da man davon ausgeht, daß sich unter den Besuchern auch der Täter befinden könne, welcher sich wohlmöglich über den Ermittlungsstand informieren wolle. Trotz des angezweifelten Hintergrunds bestand man also weiterhin darauf mit mir zu sprechen. Da ich aber zum einen keine Zeit und zum anderen keine Lust hatte, fragte ich, ob es die Möglichkeit gäbe, einen Abgleich mit den Daten meiner erkennungsdienstlichen Behandlung durchzuführen.

Schlummerten doch “Dank” einer Hausdurchsuchung und anschließender erkennungsdienstlicher Behandlung, die sich wenige Wochen zuvor ereignete (Grüße!), die Abdrücke meiner Griffeln in der polizeilichen Datenbank und dümpelten dort ungenutzt vor sich hin. Prompt sagte der Polizeiobermeister dem auch erstmal zu und die Sache war für mich erledigt, wenngleich ich anbot, auch mal persönlich vorbeizukommen, wenn es denn sein müsse.

Aber dazu kam es nicht. Einige Wochen später kontaktierte man mich erneut und teilte mir telefonisch mit, daß die Daten aus der erkennungsdienstlichen Behandlung nicht ausreichen würden – angeblich ließe sich daraus nicht meine Körpergröße usw. erkennen. Ja, ne, is’ klar. Eine sofortige Lösung um weiteren Verdacht auszuschließen hatte der anrufende Beamte zu diesem Zeitpunkt auch nicht parat, sodaß erstmal Ratlosigkeit herrschte. Nach erneuter Wartezeit stellte sich jedoch rasch raus, daß man in Dresden doch eine Lösung gefunden hatte und so schickte man erneut einen Beamten in unser entlegenes Nest.

Mittlerweile waren Besuche verschiedenen Behördenvertreter ohnehin keine Seltenheit mehr und man gewöhnte sich mittlerweile an den Umgang, entwickelte gar schon einen Riecher für Justizbeamte. So bat man also den ehrenwerten Herrn nach seiner Vorstellung herein und fragte zugleich nach dem Grund seines Besuchs. Als er sodann seine Mappe aufschlug und ich die zwei Röhrchen für die DNA-Probe sah, dämmerte es mir relativ rasch. So konzentrierte sich also meine Frage wieder auf die Ermittlungspraktiken der Sonderkommission. Aber auch er entgegnete darauf relativ trocken, daß dies höchstrichterlich genehmigt sei und es daher keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Man müsse schließlich alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Nun ja, da ich den Spruch schon kannte, ließ ich relativ rasch davon ab. Darauf folgend sprach er mich auch direkt auf die DNA-Probe an.

An dieser Stelle hatte man zwei Möglichkeiten: Man lehnt die Identitätsfeststellung Mithilfe der DNA-Probe ab oder stimmt ihr eben zu. Ich entschied mich für letzteres und das aus zwei Gründen: Zum einen verhindert man damit unnötige Ermittlungsarbeit und zum anderen werden damit auch nahe Verwandte als mögliche Tatverdächtige ausgeschlossen. Hierbei kann man freilich zweigeteilter Meinung sein und das Thema hat durchaus riesiges Diskussionspotential. Nachdem jedoch Ende 2007 die Hausdurchsuchung und die erkennungsdienstliche Behandlung bei mir stattfand, war es mit der Privatsphäre sowieso passé und es kaum darauf auch nicht mehr an.

Wenige Wochen später erreichte mich die Löschmitteilung des Landeskriminalamts Sachsen, da – welch Wunder – die DNA-Probe nicht mit der gesuchten übereinstimmte. Der Gedanke tröstete, daß zum damaligen Zeitpunkt etwa 14.200 Personen ebenfalls zur Abgabe einer Speichelprobe mehr oder minder gedrängt wurden. Ein geschichtsträchtiges Ereignis. Wurden doch erstmals in der Bundesrepublik DNA-Reihentests in diesem Ausmaß durchgeführt.

Was bleibt ist die Gewißheit, daß in der Bundesrepublik Gewaltverbrechen an Kindern und Jugendlichen gerne Mal für neue Dimensionen in der Ermittlungspraxis herhalten müssen. Die Vorgehensweise des LKA Sachsens ist dabei keine Seltenheit, sondern reiht sich viel mehr in eine ganze Reihe von eigentlichen Skandalen, von denen aber mit Bedacht auf die Opfer abgelassen wurde. Denn mal ehrlich, wer möchte den Egoismus besitzen und sein Persönlichkeitsrecht über das der Recht der Opfer stellen? Richtig, im Grunde niemand.

Leider fängt genau da das Problem an!

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Foto: © SXC

(Steven)

2 Kommentare

  • Benutzerbild 2 Uschi 14.01.2009, 21:21 Uhr
  • Daniel ich kann mich deiner Meinung dazu nur teilweise anschließen. Denn ich finde, man sollte nie den Grundsatz aus den Augen lassen. Der ist nämlich wichtig. Und ich glaube, wenn man diese Methoden hier einfach so durchgehen lässt, dann wird das nicht sehr gut ausgehen in der Zukunft. Denn je lockerer man das sieht umso mehr trauen sie sich. Und das ist nicht sinn und Zweck der Sache. Deshalb würde ich schon sagen, dass man auch den Ansatz nochmals überdenken sollte. Vielleicht gibt es auch andere Methoden und Möglichkeiten, die man anwenden kann.

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  • Benutzerbild 1 Daniel 07.12.2008, 00:27 Uhr
  • Hm, also grundsätzlich ist das schon sehr frech vom LKA. Aber andererseits finde ich es gut, dass sie sich doch bemühen, hier etwas mehr als nur die üblichen Ermittlungsarbeiten durchzuführen, es ist zumindest ein Ansatz, den man in gewissen Fällen weiter verfolgen müsste.

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