Subventioniertes Gemetzel
1941, auf einem bescheidenen Bauernhof in Frankreich wird die Familie von Shoshanna durch deutsche Soldaten ermordet. Shoshanna flüchtet zunächst nach Paris und schwor zugleich Rache an den Deutschen zu üben. Neben ihr bekommt eine Gruppe amerikanischer Soldaten die einmalige Chance der eigenen Exekution zu entkommen. Ihr Auftrag soll es von nun an sein so viele Nazis wie möglich zu töten, vornehmlich durch skalpieren. In einem Kino, in dem Shoshanna mittlerweile arbeitet, bekommt ihre Gier nach Rache neue Nahrung. Ausgerechnet in diesem Pariser Kino soll eine Filmvorführung für Goebbels und Hitler stattfinden. Auch die Gruppe amerikanischer Soldaten, Bastards genannt, bekommt Wind von jener Vorstellung…
So oder so ähnlich könnte in einigen Monaten die Zusammenfassung von Quentin Tarantinos neuem Kinofilm „Inglorious Bastards“ lauten. Um den Verkauf dieses Films anzukurbeln fehlt allerdings noch das gewisse Etwas. Etwas, was auch jedem Filmkonsumenten vor Augen führt, daß der Meisterregisseur aus Amerika höchstpersönlich am Werke war. Ausschnitte wie dieser hier:
Großaufnahme eines toten deutschen Soldaten. Ein langes Messer kommt ins Bild und fängt an, am Haaransatz entlangzuschneiden. “Diese Prozedur”, heißt es lapidar, “nennt man Skalpieren.”
So ist es recht, denn es verdeutlicht ganz klar, daß es eben nicht um die Aufarbeitung deutscher Geschichte, sondern um ein reines Phantasieprodukt geht. Tarantinos Filme sind bekannt und beliebt für seine übertriebene Gewaltdarstellung. Sie erheben auch nicht den Anspruch die Wirklichkeit nachzubilden, vielmehr entsprechen sie zumeist dem kranken Hirn Tarantinos. An dieser Stelle kann der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) auch das Wissen um jene Tatsache unterstellt werden. Um so verwunderlicher ist es, daß ausgerechnet die MDM derartige Streifen mit einer Fördersumme von 300.000 Euro unterstützt.
Offensichtlich nimmt es die MDM dann doch nicht so genau mit ihren eigens verbrieften allgemeinen Grundsätzen, wo es doch so schön heißt:
Ziel der Förderung ist die Entwicklung, Pflege und Stärkung der Filmkultur-, Fernsehkultur- und Medienkulturwirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Förderung will einen Beitrag zur Stärkung des audiovisuellen Sektors in Deutschland und Europa leisten. Sie dient damit der Verbesserung und Sicherung der Wirtschaftskraft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Und weiter:
Sie zielt insbesondere darauf:
- die Film- und Medienkultur zu stärken, die Medienkompetenz zu erhöhen und damit der Ausprägung kultureller Identität in der mitteldeutschen Region zu dienen,
(…)
- die Entwicklung medienpädagogisch wertvoller sowie kinder- und jugendbezogener Medienprodukte zu unterstützen.
Zugegeben, ich mag weder Tarantinos Fratze noch seine Filme, allerdings stellt sich die Frage, ob es zur Förderung mitteldeutscher Wirtschaftszweige unbedingt nötig war einen derartigen Streifen zu subventionieren. Eben genau jenen Film, der weder medienpädagogisch wertvoll ist, noch im entferntesten ein kulturelle Identität inne hat. De facto hätte sich die Mitteldeutsche Medienförderung nur an ihre eigene Ausschlußklausel halten brauchen, wo es heißt:
Nicht gefördert werden können Projekte, die gegen die Verfassung oder die Gesetze verstoßen, die die Persönlichkeitsrechte, das sittliche oder religiöse Gefühl verletzen. Insbesondere nicht förderfähig sind Projekte, deren Inhalt pornografisch ist, Gewalt verherrlicht oder die Jugend gefährdet.
Meinetwegen kann Tarantino seine Filme weiter drehen. Seine Fanatiker können sich die Filme zugegebener Zeit ja wieder aus seiner eigenen Videothek holen und glücklich sein. Nur die Öffentlichkeit sollte man mit solchem als Kunst getarnten Müll verschonen. Nicht zuletzt, weil die angesprochenen zwölf Jahre ein verdammt Wunder Punkt unserer Geschichte sind. Sollen doch die geschichtsträchtigen Ereignisse der USA für so einen Schund herhalten, Stoff gibt es genug.
Foto: © Joblo, popcornjunkies.com


Zitat wird eingefügt...
