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	<title>Brennpunkt &#187; Filbinger</title>
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	<description>Wir stören den guten Ton.</description>
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		<title>Wahrheit unerw&#252;nscht!</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2007 21:14:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://brennpunkt.tonstoerung.net/docs/2007/04/2491443-schloss-weikersheim.thumbnail.jpg" title="Schloss Weikersheim" class="titelbild" /><strong>Weikersheim.</strong> Ein sch&#246;nes Fleckchen Baden-W&#252;rttembergs im Taubertal; idyllisch ruhig und friedlich. Zumindest bis vor kurzem war es noch so, aber Weikersheim ist ein Paradebeispiel daf&#252;r, wie schnell ein Ort in Deutschland zu zweifelhafter Ber&#252;hmtheit gelangen kann. Doch der Reihe nach. Es ist gar nicht mehr so einfach den Anfang dieses Kreislaufs zu finden und zu benennen. Die ganze Sache steht und f&#228;llt mit einer Rede vom baden-w&#252;rttembergischen Ministerpr&#228;sidenten G&#252;nther Oettinger anl&#228;&#223;lich einer Trauerfeier f&#252;r den am 01. April 2007 verstorbenen Hans Filbinger. Filbinger war in der Zeit von 1966 bis 1978 Ministerpr&#228;sident von Baden W&#252;rttemberg, also Oettingers Vorg&#228;nger in diesem Amt. Im Jahre 1978 trat Filbinger zur&#252;ck weil ans Tageslicht kam, da&#223; Filbinger (zur NS-Zeit Marinerichter) offensichtlich damals mehrere Deserteure zum Tode verurteilt hatte. <span id="more-183"></span></p>
<p>Sicherlich kann man nicht erwarten, da&#223; man im Gedenken und in der Trauer schlecht &#252;ber jemanden spricht, geschweige denn eine dementsprechende Rede h&#228;lt, dennoch haben eben dies einige Politiker und andere Herrenmenschen erwartet. Oettinger hielt also seine Rede bei der Trauerfeier und erw&#228;hnte in dieser die Auffassung, da&#223; Hans Filbinger ein Gegner des Regimes der Nationalsozialisten gewesen sei, sich aber dem Druck und letzten Endes auch dem Regime beugen mu&#223;te, um zu &#252;berleben.</p>
<p>Sicherlich, es war nicht gerade wohl &#252;berlegt zu sagen unter Filbingers Urteilen sei niemals jemand zu Tode gekommen, aber zu diesem Zeitpunkt der Rede war das sprichw&#246;rtliche Kind bereits in den Brunnen gefallen. Und dieser Brunnen war gef&#252;llt mit Schlamm und Morast, wie sich in den folgenden Wochen herauskristallisieren sollte. Prompt folgte nach Oettingers Rede dementsprechend auch schon der verbale Sturmangriff auf ihn und seine Person. S&#228;mtliche Parteien und j&#252;dischen Vereine zeigten mit dem Finger auf Oettinger und bezichtigten ihn der Verharmlosung eines Nazirichters und der durch seine Aussage getroffenen Verspottung j&#252;discher Mitb&#252;rger. Nat&#252;rlich ist das ein gefundenes Fressen f&#252;r alle Wochenendpolitiker die den eigenen Lokus zu Hause &#246;fters sehen als ihren Arbeitsplatz. So klingen bis heute die R&#252;cktrittsrufe nicht ab und stellenweise wird trotz Gespr&#228;chen mit dem Zentralrat der Juden und allerhand Politikern versucht an Oettingers Stuhl zu s&#228;gen.</p>
<p>Als nun der gro&#223;e Ansturm nahezu &#252;berstand schien, kam f&#252;r Oettinger eine weitere Ohrfeige hinzu. So wurde bekannt, da&#223; Oettinger Mitglied im „Studienzentrum Weikersheim e.V.“ ist. Mittlerweile trifft das Pr&#228;dikat „war“ besser zu, da Oettinger seine Mitgliedschaft „ruhen“ l&#228;&#223;t. Doch was ist daran so schlimm irgendwo bei irgendwas Mitglied zu sein? Richtig, es ist nat&#252;rlich nicht egal, wenn der betreffende Verein oder die betreffende Organisation rechts der Mitte liegt. Eben genau dieser Faktor wurde Oettinger erneut zum Verh&#228;ngnis, hat das Studienzentrum doch den Ruf eindeutig rechtsradikal zu sein. Doch wie wird aus all dem wieder ein Kreis? </p>
<p>Nun, Hans Filbinger war die treibende Kraft, die dazu f&#252;hrte, da&#223; 1979 das „Studienzentrum Weikersheim“ im Schlo&#223; Weikersheim gegr&#252;ndet wurde. Das Studienzentrum spricht &#252;ber sich von einer „christlich-konservativen Denkfabrik der gro&#223;en b&#252;rgerlichen Mitte“ die es verk&#246;rpern wolle. Filbinger trat aufgrund seines hohen Alters 1997 von seinem Amt als Pr&#228;sident zur&#252;ck und wurde von da an Ehrenpr&#228;sident. Mittlerweile h&#228;lt dieses Amt Bernhard Friedmann inne, der fr&#252;her selbst einmal Bundestagsabgeordneter der CDU gewesen ist. </p>
<p>Ob nun das Studienzentrum eine rechtslastige Ideenschmiede verkorkster Existenzen ist oder auch nicht, steht eigentlich prim&#228;r auch gar nicht zur Debatte der Medienlandschaft. Nein, wichtiger ist es wieder einmal m&#246;glichst alles auszuspielen um einen Politiker der offenkundig seine Auffassung und seine Meinung kund tat, m&#246;glichst schnell von der Bildfl&#228;che verschwinden zu lassen. Was macht das auch wieder f&#252;r ein b&#246;ses Bild von uns Deutschen im Ausland. </p>
<p>K&#252;nftig sollte man jedem vor einer Trauerrede eines so alten Menschen vielleicht raten einige Passagen a la „er war ein skrupelloser Verbrecher“ pro forma einzubauen, sicher ist ja bekanntlich sicher, wenn auch nicht ehrlich.</p>
<p><span class="bildquelle">Foto: &copy; Kuznetsov Sergey</span></p>
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