Darf man diese Fragen stellen?

Wir marschieren für den “Erhalt deutscher Kultur”, für “Alternativen” in diesem Land, ja wir marschieren sogar vor einen Gefängnis in Berlin und versuchen denen, die die Augen fest verschlossen halten unsere Meinung zu eröffnen. Das alles sind wohl Dinge hinter denen viele Leute stehen, die meist sehr viel an Freizeit und auch an finanziellen Mitteln einsetzen, sowie Repressionen erdulden – der Sache wegen. Doch ich lese immer und immer wieder die Schlagzeilen Tag für Tag: “Kind ermordet”, “Vorbestrafter Sexualtäter vergewaltigt Mädchen”, “Pädophiler vorzeitig entlassen” … .

Viele in unserer Bewegung wollen das ganz, ganz Große. Sie wünschen sich eine andere Staatsform, mehr Rechte und Freiheiten und wünschen anderen natürlich von eben diesen um so weniger. Viele wollen mehr Kultur und den Erhalt und die Pflege dieser. Vieles davon ist gut, wirklich gut, einiges auch ausgemachter Schwachsinn Ewiggestriger, die zu Hause gerne noch hinter verschlossener Türe jedes Wochenende die Knobelbecher reinschlüpfen und vorm Spiegel mit gestrecktem Arm und hart umgekämmtem Scheitel sich selbst gedanklich ins dritte Reich zurückbefördern. Ja, dort könnte man… ja man würde… und dann wäre man… ja, das wäre genial… . Ist es aber nicht! Wir leben hier, wir leben jetzt und jede Minute, die verstreicht und in der wir unsere Zeit mit Gedanken an Vergangenes verschwenden, statt die Brisanz zu erkennen, die uns umgibt, jede einzelne Minute ist sehr kostbar.

Es stellt sich die Frage, ob denn wirklich noch die Masse in der Bewegung die Leiter schrittweise geht oder gehen will. Viele Möglichkeiten Dinge in einem Land zu verändern gibt es nicht. Die gewaltsame Methode scheidet da für mich schon mal aus, denn für einen Widerstand gegen diese pseudointellektuellen, fettgefressenen Humandemokraten geht es den Menschen und unserem Volke offensichtlich noch nicht schlecht genug. Wie oft hat man schon in Gesprächen gesagt oder gehört: “Naja, viel schlechter geht es nicht mehr, dann gibt es in Deutschland den großen Knall”. Doch Jahre vergehen, die Zeiten werden härter, die Lebenshaltungskosten steigen, der Lohn und die Gehälter sinken, die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer und es kommt kein großer Knall, oder habe ich etwa was an den Ohren und bin erblindet? Glaube kaum, mein Arzt sagt zumindest es ginge mir gut. Fraglich wie lange noch, wenn ich diese abartigen Zustände dieser Gesellschaft sehe.

Und das ist das Thema, das mich zumindest schon seit geraumer Zeit sehr beschäftigt. Denn wie in einem anderen Beitrag hier im Brennpunkt bereits angeführt sieht unsere Zukunft nicht sehr rosig aus, wenn sich innerhalb unserer Gesellschaft dieser Virus, diese Gedankenpest weiter verbreitet und die Hirne und Seelen der Menschen vergiftet. Wenn die Werte immer und immer mehr verfallen, ein Menschenleben, ein Kinderleben nichts mehr wert ist, wenn Ansehen, Reichtum und Egoismus wichtiger sind als strahlende Kinderaugen, wenn das Bier und der Suff wichtiger ist als der kleine Zwerg, der zu Hause jede Nacht weint, weil er verprügelt wird und ihm keiner hilft und keiner Geborgenheit schenkt, dann sollte doch jedem, der es wagt das Wort Zukunft in den Mund zu nehmen, ein Alarmsignal in den Ohren ertönen, das einem das Trommelfell wegreißt.

Wir reden von Veränderungen der Zukunft, von Plänen, was alles besser werden muß, aber wo sind die Menschen, die auf die Straße gehen wenn wieder einmal ein pädophiler Wahnsinniger die Judikative, die Legislative und die Exekutive zum Narren hält und die Medien den Köder wohlwissend, welches Gift in ihm steckt, mit einer unglaublichen Gier den Schlund hinunterwürgen. Wo sind die Menschen, die etwas unternehmen ohne im Hinterkopf den Profit zu haben? Selbstlosigkeit im Schluß- und Ausverkauf?

Darf man die Frage nicht stellen, ob Bewegung gerade hier mehr Möglichkeiten und intelligente Hirne zur Verfügung hat, als man derzeit nutzt? Darf man die Frage nicht stellen, ob punktuell nicht Dinge wie der Kinderschutz nur instrumentalisiert werden, eben wieder aus Profitgier oder Profilierungsdrang? Ganz ehrlich, was juckt es mich wenn ich etwas für die Verbesserung getan habe, ob jeder weiß, daß ich dabei war? Ziel verfehlt, setzen, Sechs! Das ist nicht der Sinn der Sache, kann es aus meiner Sicht zumindest nicht sein.

Mag sein, daß das hier viele nicht interessiert, aber denen kann ich nur versichern, daß man eine Leiter immer nur schrittweise gehen sollte, wenn man nicht weiß ob diese einen trägt und das Gewicht, welches auf den Schultern unserer Generation liegt ist enorm, also Vorsicht….

All die guten Vorsätze und Pläne bringen uns nämlich gar nichts, wenn wir in fünfzehn oder zwanzig Jahren eine gesellschaftliche Verrohung in Deutschland haben, die vielleicht mit manchen Buschländern locker konkurrieren könnte. Was werden und oder würden die nationalen Gefangen in den deutschen Knästen sagen, die nicht wegen Idiotie hinter Gitter kamen, sondern für den nationalen Gedanken und den Erhalt von Werten in den Bau gingen, wenn sie wieder rauskommen und die Kindermordrate um sechzig Prozent gestiegen ist, wenn die Justiz schon längst aufgegeben hat und die Jugend sich unter “Werten” gar nichts mehr vorstellen kann. Wie auch, wenn sie in Heimen, Ziehfamilien oder auf der Straße groß geworden sind oder zu Haue groß geprügelt wurden? Ich möchte in eine solche Welt nicht wieder zurück, in ein solches Land nicht heimkehren müssen.

Können wir es verantworten mit diesen Dingen in der Zukunft konfrontiert zu werden? Die Zukunft ist ja noch weit weg? So, ist sie das? Sie ist jetzt, sie ist in einer Minute, in einer Sekunde, sie läuft immer nur ganz knapp vor uns her und wird sich auch von noch so viel Ignoranz und Starrsinn in ihrem Tun nicht beschneiden lassen.

Die Leiter ist morsch! Und für alle die meinen ich übertreibe, hier ein kleiner Auszug aus der Netzausgabe der “Netzeitung”:

Ein lebensgefährlich verletzter Säugling ist am Donnerstag unter einem Auto in Berlin gefunden worden. Es muss mit Absicht dort hingelegt worden sein, Fahrlässigkeit schloss die Polizei aus. Die Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen.

Eine Frau hatte das Baby mittags mit schwersten Kopfverletzungen im Bezirk Niederschöneweide entdeckt. Seine Rettung kam im letzten Moment: Nur eine Minute, nachdem die Frau das Baby an sich genommen und einen Notarzt alarmiert hatte, kam der Besitzer des Autos und wollte wegfahren. «Die Wahrscheinlichkeit ist riesengroß, dass er das Kind beim Ausparken überrollt hätte», sagte der Polizeisprecher.

1 Kommentar 16.11.2006, 21:16 Uhr

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